Bei der Psychotherapie, also der Behandlung mit psychologischen Mitteln hängt die Wahl des therapeutischen Vorgehens einerseits von der speziellen Form der Persönlichkeitsstörung und andererseits vom Schweregrad bzw. evtl. begleitenden psychischen Erkrankungen ab.

Die derzeit wichtigsten bzw. anerkannten Therapieformen in dieser Hinsicht sind die so genannten kognitiv/verhaltenstherapeutischen und supportiven (unterstützenden) Techniken sowie tiefenpsychologische und/oder störungs-orientierte Behandlungsverfahren, die gezielt auf die spezifischen Problembereiche einer gestörten Persönlichkeit eingehen. Daneben pädagogische bzw. psychagogische (Kombination aus psychologischen und pädagogischen) Therapiemethoden. Und alles mit der Tendenz, möglichst viel Selbsterfahrung und selbstgesteuerte Veränderungsmöglichkeiten zu nutzen.

Die Dauer einer solchen Therapie pflegt in der Regel längere Zeiträume zu umfassen, jedenfalls oftmals mehr, als für eine durchschnittliche Psychotherapie für andere Heilanzeigen vorgesehen ist. Es geht einfach um die allmähliche, dafür aber dauerhafte Umgestaltung vieler – oft eben auch negativer – Eigenschaften im Bereich des Erlebens, Befindens und sozialen Verhaltens – und das kostet Zeit. Manchmal helfen aber auch kürzere Krisen-Interventionen, vor allem wenn es sich um akute Zuspitzungen im zwischenmenschlichen Bereich handelt (Familie, Beruf, Nachbarschaft), aus denen dann ernstere soziale Konflikte zu entstehen drohen.

Dabei tut man gut daran, mindestens zwei Gruppen persönlichkeitsgestörter Patienten zu unterscheiden:

1. Jene Persönlichkeitsstörungen, die durch ein so genanntes rigides Über-Ich charakterisiert sind, also eine relativ starre Kontroll- und Bestrafungs-Instanz im Rahmen der innerseelischen Hierarchie. Ferner durch Tendenzen zur Selbstbestrafung, zur so genannten Internalisierung (also indem sich der Betreffende alle möglichen Konflikte zu eigen macht) und zu einer ängstlich-unterwürfigen Anpassung an die Umgebung.

Hier fallen dann Fachbegriffe wie zwanghafte, dependente, vermeidende, schizoide, depressive oder masochistische Persönlichkeiten (siehe später).

Bei dieser Gruppe wird man psychotherapeutisch vor allem versuchen Hemmungen und überzogene Selbstkritik durch eine zu strenge Gewissens-Instanz abzubauen, das Selbstvertrauen zu stärken und die Fähigkeit zur Austragung von Konflikten zu trainieren.

2. Die zweite Gruppe sind Persönlichkeitsstörungen mit eher expansiven, irritierbaren (und dann auch andere verunsichernd und verärgernd), mit hyperthymen, hysterischen und antisozialen Zügen. Diese Menschen neigen zur Externalisierung (d. h. sie tragen ihre Konflikte nach außen), zu ungezügelter Aggressivität, dramatischen Darstellungen und zum Ausagieren von Triebregungen (können sich also nicht ausreichend zusammen nehmen und vor allem in kritischen Situationen im Griff halten). Außerdem verlagern sie gerne die Schuld für auftauchende Probleme auf ihre nähere und weitere Umgebung, von der sie auch noch häufig unkritisch fordern, sie möge sich ihnen anpassen, statt umgekehrt.

Diese Patienten müssen in der Psychotherapie lernen ihre Ansprüche zu reduzieren, sich zurückzunehmen, eine gewisse Anpassung an die Umgebung zu üben und die Probleme nicht nur bei anderen, sondern auch bei sich selber zu suchen. Und vor allem anschließend das gemeinsam erarbeitete zu akzeptieren und auch zu bewältigen trachten.

In allen Fällen kann es nicht verwundern, dass es bei solchen Therapeut-Patient-Beziehungen besonders gut “funktionieren” muss (was zwar in jeder Psychotherapie die unverzichtbare Grundlage ist, bei solch “schwierigen” Klienten, wie im Falle einer Persönlichkeitsstörung aber ganz besonders).

Manchmal können auch Paar-Gespräche hilfreich sein, besonders, wenn sich die Probleme auf die Partnerschaft konzentrieren. Gut geeignet sind für viele (allerdings nicht alle, insbesondere nicht allzu sehr gestörte) Patienten die Gruppentherapien. Das Stichwort lautet: “Beispiel-Lernen. D. h. die Beobachtung der anderen mit ihren negativen, auf jeden Fall belastenden bis störenden Verhaltensweisen kann manchmal Wunder wirken, indem der Betreffende plötzlich spürt, dass er ja selber nicht viel anders ist bzw. mit seiner Umgebung ähnlich umspringt. In solchen Gruppen-Runden geht es dann in der Regel auch nicht zimperlich zu. Und wenn die einzelnen gelernt haben nicht nur Kritik auszuteilen, sondern auch einmal einzustecken und vielleicht sogar langsam konstruktiv zu nutzen (Fachbegriff: positives Feed-back), dann kommt es schließlich auch zur therapeutisch erwünschten Stärkung positiver und zumindest Milderung störender Verhaltensweisen.

Heilungsaussichten
Die Heilungsaussichten sind gerade bei Persönlichkeitsstörungen individueller zu beurteilen als bei anderen psychischen Störungen. Darüber hinaus gibt es auch eine Unterteilung nach Unterformen mit jeweils eigenen Erfolgsaussichten. Im Einzelnen:

– Zu einer eher guten Prognose tendieren die histrionischen (früher hysterisch genannten), zwanghaften, dependenten und vermeidend-selbstunsicheren Persönlichkeitsstörungen. Unter den heutigen Behandlungs-Bedingungen zunehmend auch die früher eher pessimistisch beurteilten Borderline- und narzisstischen Persönlichkeitsstörungen.

– Weniger günstig sind die Beeinflussungsmöglichkeiten bei den schizoiden, paranoiden, schizotypischen und besonders bei den antisozialen Persönlichkeitsstörungen.

Die Prognose scheint insgesamt umso besser zu werden, je eher die Patienten unter der Therapie bereit sind, die Externalisierung (“es sind nur die anderen …”) aufzugeben, störende Eigenschaften als ich-dyston (mit meiner eigentlichen Wesensart im Grunde nicht vereinbar) zu erleben und einen Leidensdruck zuzulassen, den sie früher durch Fremd-Beschuldigungen gerne zu mildern versuchten.

Der Leidensdruck wäre nämlich dann die Grundlage der Selbstbesinnung und Um-Orientierung im zwischenmenschlichen, d. h. partnerschaftlichen, familiären, nachbarschaftlichen und schließlich beruflichen Bereich.

Das heißt allerdings auch, dass ggf. mit entsprechend belastenden Gemüts-Reaktionen bezahlt werden muss, d. h. Resignation, Niedergeschlagenheit, Angst, mit Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln. Doch solche Symptome pflegen in der nachfolgenden stützenden Behandlung eine eher günstige Ausgangslage zu sein und verbessern bei konsequenter Therapie die langfristigen Heilungsaussichten.

Quelle: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/persoenlichkeit.html