Wenn man bedenkt dass beinahe jeder Mensch narzisstische Anteile in sich hat, aber nur die wenigsten wirklich Narzisstischen Persönlichkeiten sich in Behandlung begeben, entweder weil sie nicht wissen, dass sie nicht bloß narzisstische Anteile haben, sondern Narzisstisch sind, ist das ganz schön Besorgniserregend. Wenn man dann noch den Klischees und dem Schubladendenken mancher Pseudo-Psychologen oder Ratgeberseiten im Internet allzu viel Beachtung schenkt, dann ist es kein Wunder, dass Narzissten aus Sicht der Gesellschaft böse Menschen sind. Nur wird jedem bösen Menschen gleich eine Persönlichkeitsstörung attestiert? Verallgemeinerungen und Generalisierungen in diesem Bereich führen oft zu kontroversen Diskussionen, die kein Mensch wirklich brauch, weil sie einem die Zeit rauben, für die wesentlichen Dinge, auf die es wirklich ankommt. Politikern, Ärzten, Professoren, katholischen Priestern, teilweise auch Anwälten oder Porschefahrern wird gerne nachgesagt, dass sie ein übertrieben großes Ego haben um vielleicht etwas zu kompensieren. Nur was kann das sein und ist das dann auch immer gleich bösartig oder pathologisch? Mag sein, dass manche von den Genannten oder selbsternannten das Selbstbewusstsein eines Zwergkaninchens haben, anatomisch schlecht bestückt sind oder beruflich und privat unter enormen Stress stehen, aber kann man das gleich wieder auf alle Menschen dieser Personengruppen beziehen? Muss man das dann nicht auch auf alle anderen Berufs- und Personengruppen ausbreiten?

Ich denke Jeder Mensch, egal welcher Personen- oder Berufsgruppe hat irgendwo narzisstische Anteile, das ist bewiesen. Jeder von Ihnen sehnt sich nach Anerkennung und Respekt für seine beruflichen Leistungen. Aber gilt das nicht für alle anderen Berufsgruppen auch? Man sollte jetzt nicht den Fehler machen und jede von der Norm abweichende Verhaltensweise oder jeden noch so außergewöhnlichen Lebensstil pathologisieren oder zur Diskussion stellen, aber man kann differenzieren zwischen „krankhaft narzisstisch“ und „vertretbar/verständlich“.
Jeder Mensch hat Grundbedürfnisse, die er irgendwie erfüllt haben möchte, ob nun Bestätigung und Entwickelung einer eigenen Autonomität, Wertschätzung, Anerkennung der erbrachten Leistung, Stabilität oder Nähe. Jedes dieser Bedürfnisse hat seine Berechtigung. Niemand hat das Recht, dem einen oder anderen dieses Bedürfnis abzusprechen. Ein Arzt hat die gleichen Wünsche, wie ein Fabrikarbeiter. Er möchte einen guten Job machen und dafür wertgeschätzt werden. Jeder Mensch lernt mit der Zeit dazu und sich selber kennen. Einen Teil schon als Kind, den nächsten Teil, dann als Heranwachsender und dann natürlich auch als Erwachsener. Man kann immer dazu lernen, neues erlernen und dann auch anwenden. Wird diese Entwicklung oder der Lernprozess beeinträchtigt, und dies dann nicht nur sequenzenartig, sondern wiederkehrend, wird es pathologisch. Der Mensch entwickelt ein gestörtes Selbstbild, aber auch ein gestörtes Bild für die Gesellschaft. Manch einer wird dann geprägt und andere werden traumatisiert und müssen sich dann mit den Folgen auseinandersetzen, auch wenn man sicher nicht jeden Fall verallgemeinern kann. Dennoch entwickelt man eine in irgendeiner Weise gestörte Persönlichkeit. Man sagt der Mensch ist Summe seiner Erfahrungen und manche Erfahrungen muss man einfach machen, manche aber nicht. Leistungsdruck von außen kommend, kann dazu führen, dass man das Gefühl entwickelt, nur bei besonderen Leistungen entsprechende Würdigung/ Wertschätzung zu erfahren, was eine schwerwiegende Störung der Entwicklung darstellen kann und auch oftmals darstellt. Man fühlt sich einfach nicht echt, sondern gehetzt, gestresst, fühlt sich ungeliebt, unvollständig bis perfektionistisch. Es kann dazu führen, dass man sich die kleinsten Fehler zu Herzen nimmt, sich nicht verzeihen kann und immer mehr und immer weiter macht, bis der Zusammenbruch kommt. Leistungsdruck von innen kommend allerdings kann auch dazu führen, muss es aber nicht. Die Wahrscheinlichkeit ist geringer, denn wenn man von sich aus etwas leistet, weil man es gerne tut, tut man es einfach. Andersherum aber hat man eben das Gefühl, dass man etwas leisten muss und dass ein gut nicht ausreicht, obwohl auch ein ausreichend, ausreichend sein kann. Man muss kein 1er Kandidat sein. Eine 2 ist auch eine gute Note und bei 4 hat man auch bestanden.
Nicht jeder Mensch, der in seiner Kindheit, ein Außenseiter war oder das Opfer von Mobbing war, hat eine Persönlichkeitsstörung, auch wenn das Risiko ungleich höher ist, daran zu erkranken, wenn man diese Erfahrung macht. Generell führt Mobbing dazu, dass man sich dauernd hinterfragt, was an einem so schlecht ist, dass man deswegen gemobbt werden muss. Minderwertigkeitskomplexe sind keine Seltenheit, ebenso die Frage ob man liebenswert ist und ob das Leben lebenswert ist, tritt häufiger bei Mobbingopfern auf, als bei ihren Tätern. Wichtig ist dass das Mobbingopfer irgendwann irgendwo Verständnis bekommt und ebenso eine Bestärkung der eigenen Autonomie. Bleibt diese aus, ist die Persönlichkeitsstörung vorprogrammiert, die durchaus in einem Suizid enden kann oder auch damit, dass man selber zum Täter wird. Kein Mensch ist von grundauf böse, auch wenn die Forschung viel über die Chromosomenverteilung forscht und davon ausgeht, dass Bösartigkeit auch genetisch bedingt ist. Bewiesen ist jedoch nur, dass in der Kindheit gemachte Erfahrungen, die nicht revidiert oder richtig kanalisiert wurden, sich maßgeblich auf das Verhalten im Erwachsenenalter bemerkbar machen können und eine Psychotherapie notwendig ist, wenn man denn darunter leidet. Und dann spielt es eben auch keine Rolle, ob man nun als Arzt, Priester oder Anwalt tätig ist oder einen Porsche oder Ferrari fährt. Ich selber bin kein Arzt, fahre kein Auto, aber habe trotzdem eben einen Ferrari in mir, nämlich den emotionalen Ferrari.

Heutzutage wird uns von den Medien vorgegaukelt, dass man nur was wert ist, wenn man besonders aussieht, besonders ist oder was Besonderes leistet. Zumindest wird über diese Menschen so gesprochen. Sie stehen unter Beobachtung, sie stehen im Rampenlicht, sie dulden das Kameragewitter, sie genießen es nicht immer, aber das Geld lockt sie, die Sucht nach Ruhm, der Wunsch berühmt zu sein, von allen geliebt und umgarnt zu werden, akzeptiert zu werden, wie man ist, darauf hoffend, dass selbst die größten Neider oder Kritiker irgendwann verstimmen. Nur tun wir das nicht alle irgendwie? Wir leben! Und wir haben dieselben Wünsche und Bedürfnisse, sicher nicht immer so stark ausgeprägt wie bei den Prominenten und Promistuierten (Zett-promis). Wachsen wir behütet auf und bekommen die Möglichkeiten unsere eigene Autonomie zu entwickeln, entdecken wir mit Sicherheit irgendwann von alleine, dass wir vieles, welchem wir nacheifern, gar nicht brauchen. Man muss nicht besonders hübsch sein um gute Freunde zu haben. Man muss auch nichts Besonderes leisten um das Gefühl zu haben, trotzdem etwas Wertvolles zu tun und man muss auch nicht soviel kompensieren um besonders zu sein. Denn wir sind alle so gewollt und damit etwas ganz besonderes, nur eben auf unsere eigene individuelle Art und Weise. Wir müssen weder in einer Castingshow mitmachen um unsere Träume zu verwirklichen, auch müssen wir nicht ins Dschungelcamp gehen, damit andere über uns reden. Ich bin mir sicher, dass ganz viele Zettpromis in Wahrheit ein anderes Leben führen möchten auch wenn sie manchmal den Eindruck erwecken, als mache ihnen das Freude. Wir sind alle unser eigen Glücks Schmied, nur stehen wir oft unserem eigenen Glück oft selber im Weg. Wir schaffen es nicht mehr wirklich glücklich zu sein, weil wir denken, dass andere glücklicher sind als sie in Wahrheit sind oder es eben nicht verdient haben, weil wir ja weder besonders gut aussehen, noch was besonderes leisten oder eben besonders sind, weil wir nicht im Rampenlicht stehen. Doch woher kommt dieses Phänomen?

Im TV gibt es viele Sing-Sang Castingshows. Und der Gewinner bekommt meistens am Ende einen Plattenvertrag und ein bisschen Ruhm. Meistens bleiben diese Menschen aber reine One-Hit Wonder. Sie sind solange im Gespräch, bis die nächste Staffel beginnt, ab dann müssen sie selber dafür sorgen im Gespräch zu bleiben. Einige wenige schaffen den Absprung und den Weg zurück in die Normalität. Noch weniger schaffen den wirklichen Durchbruch. Die meisten allerdings zerbrechen, entweder an der Sucht nach Ruhm und Anerkennung, die sie ja nur bekommen, wenn sie im Rampenlicht stehen, über sie gesprochen wird und die Paparrazi sie verfolgen oder sie erkranken, nehmen Drogen, verkaufen das letzte Stück Ehre, an die nächste trashige Zettpromishow, wo sie entweder nackig über die Plexiglasscheibe flimmern oder Känguruhhoden vor laufender Kamera fressen müssen. Ich kann mir deutlich angenehmeres vorstellen. Sicher, als ich gelitten habe unter meiner Krankheit, meiner Sucht nach Anerkennung, meinen Phantasien von idealer Liebe und dass alle Welt sieht, wie toll ich bin, habe ich auch alles versucht um im Rampenlicht zu stehen, habe mich politisch und ehrenamtlich engagiert, auch weil ich glaubte, ich müsste das tun, denn anders komme ich nicht an mein Ziel. Ich habe zwei Bücher geschrieben, habe Dinge getan auf die ich nicht stolz bin, nur um von einigen wenigen Menschen, die mir an sich nichts bedeuten und entsprechend keine Relevanz in meinem Leben haben, ein bisschen Ruhm und Anerkennung zu erhalten. Doch ganz ehrlich, wenn ich mir vor Augen führe, wer ich bin, welchen Wert ich für meine Freunde habe, die ich tatsächlich habe, dann stelle ich fest, dass ich weder ins Dschungelcamp möchte, sondern lieber mit Freunden einen Karaoke-Abend veranstalte und dass ich auch nicht zum Supertalent muss, sondern stattdessen in einem Beruf arbeite, indem ich jeden Tag mein Talent zeigen kann und die entsprechen Anerkennung und Wertschätzung erfahre, wenn ich diese, denn annehmen und sehen kann. Ebenso macht es doch mehr Freude, seinen Talenten und Hobbys mit Freunden nachzugehen, die dich auch nicht verurteilen, wenn du mal nicht den besten Tag erwischt hast und eine Glanzleistung vollbringst. Komme ich zu dieser Erkenntnis, ist die Wahrscheinlichkeit an einer Depression oder einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung zu erkranken geringer. Auch wenn das in meinem Fall eher hypothetisch ist, denn mir wurde ja immer wieder durch mein überprotektiertes Umfeld suggeriert, dass ich dieses oder jenes tun muss, um Besonders zu sein. Aber wie ich eingangs schon sagte, man kann immer dazu lernen und zu neuen Erkenntnissen kommen. Bei mir war es die Therapie in Mainz, die mich lehrte, ok zu sein, selbst dann, wenn ich einfach nur das bin, was ich bin und nicht wie vorher immer gedacht habe, ich müsse jetzt jenes oder dieses tun um möglichst aufzufallen. Ich brauche nicht im Rampenlicht zu stehen um besonders zu sein. Ich bin Besonderes, eben weil ich bin. Ich bin so gewollt, sonst wär ich kein Mensch, sondern eine Ameise oder ein Stein in der Wüste. Außerdem ist es viel gesünder nicht im Rampenlicht zu stehen, denn wer möchte schon 20 Kilo abnehmen müssen um bei Germanys Next-Topmodel vielen gaffenden, narzisstischen und frivolen Modezarren und Lustmolchen ausgesetzt zu sein?

Im Internet findet man selten etwas Internettes und wenn, dann nur zu besonderen Konditionen. Singlebörsen werben damit „Finden Sie noch heute ihren Traumpartner“! Traumpartner? Wie muss der denn aussehen? Wie aus dem Ei gepellt? Am liebsten ein eingebildeter Lackaffe, der Morgens länger im Bad brauch als die Frau und auf dem Kopfkissen eine dicke Portion Gel hinterlässt. Ein Mann von Welt, immer gut gekleidet, gut gestylt, braun gebrannt, muskulös, gebildet, gut im Bett, ein Vorzeige-Ken, das wünschen sich viele Frauen, dazu noch ein bisschen Arschloch, aber nicht zu sehr. Und die Männer? 90-60-90 wäre toll, oder wenigstens in die Richtung, blond, geiler Arsch, volle Lippen, schöne Brüste, bitte keine Hängetitten und sie soll ihn am besten auch noch blasen, bis zum Schluss und dann schlucken, damit man hinterher nicht sauber machen muss. Ist das realistisch? Wünsche darf man sich alles, aber sind diese Wünsche erfüllbar? Dazu kommt noch am besten ohne Kinder, ohne psychische Probleme, mit beiden Beinen im Leben stehend, gut verdienend. Die Liste geht bis ins unermessliche. Dabei sind Menschen ohne Macke, Kacke. Aber es heißt ja Traumpartner, welch ein Glück. In der Realität geht es noch viel oberflächlicher zu. Im Internet sieht man nur Fotos, den Profiltext lesen nur die wenigsten und oft auch nur bei Gefallen der Fotos. Also was macht man? Die Fotos weglassen, wenn man sich nicht sicher ist, ob man gefällt? Fotos nachbearbeiten, um einen guten Eindruck zu hinterlassen? Oder doch ehrlich sein und dann das Risiko eingehen, länger Single zu bleiben, eben weil man nicht der Vorstellung seines Gegenübers vom Traumpartner entspricht. Also was machen die narzisstischen Männer in der Regel? Sie kompensieren ihr mangelndes Selbstbewusstsein durch übermäßigen Pornokonsum, während sie im Internet so tun, als wären sie ein Biedermann. Sie versuchen charmant zu wirken, dabei wollen sie eigentlich nur lieb ficken. Sie geben an, dass Sie zuhören können, dabei sprechen sie am liebsten nur von sich selber, oft auch nur um eben diesem Mannesbild, zu entsprechen. Nur ist das ein Traummann? Wären sie ehrlich, wären sie verletzlich und schwach und man darf ja keine Schwäche zeigen, denn Frauen stehen in ihren Augen ja nur auf solche Typen, die stark sind und ein starker Mann, weint nicht, auch wenn Gefühle das schönste sind, was man haben kann. „Mimimi und jammern“ ist verpönt. Und narzisstische Frauen tun auch viel, um dem Mann ihrer Träume zu gefallen. Sie nehmen in Kauf, dass der Mann gemein ist, sie machen schnell die Beine breit, aus Angst er könnte sich nicht mehr für sie interessieren, wenn sie mal nein sagen und sie blasen bis zum Schluss, aus Angst er könnte sie für eine andere verlassen, obwohl sie das Kotzen kriegen, wenn sie nur daran denken müssen, wie tief er sie mit seinem Schwanz in den Hals fickt. Mag sein, dass einige Menschen darauf stehen, aber es zu tun, aus Angst nicht zu genügen, ist doch das narzisstische daran. Heutzutage sind wir nicht mehr ehrlich im Internet. Heutzutage erzählen wir das, was die anderen hören und lesen wollen. Wir wollen gefallen, wir lieben alle Komplimente, wir wollen akzeptiert werden, so wie wir sind. Unser Gegenüber aber muss so oder so sein. Und es ist ganz egal, wo wir im Internet gucken, ob nun bei Facebook, Twitter, Instagram, Jappy, Finya oder Elite Partner. Überall strahlen sie uns an, die Menschen, die entweder schöner als wir selbst sind, oder so schön sind, dass wir denken, dass sie Unerreichbar für uns sind. So denken zumindest narzisstische Menschen. So habe ich auch mal gedacht. Ich muss so sein, wie sie mich gerne hätte, ich muss ihr gefallen. Das ist Blödsinn. Ich muss nur mir selber gefallen und wer mich nicht mag wie ich bin, hat mich selbst dann nicht verdient, wenn ich so wäre, wie man mich gerne hätte. Und ganz ehrlich? Ich möchte nicht mit jemandem zusammen sein, der mich nur mag, weil ich so aussehe wie aussehe, oder den Beruf ausübe, indem ich das Geld verdiene, nur damit Sie mit mir angeben kann. Und ich denke, jede halbwegs normale Frau oder Frau mit Therapieerfahrung, sieht das ähnlich. Man muss sich selber lieben können, denn das strahlt man auch aus. Und dafür muss man weder dem Schönheitsideal von jemand anderem entsprechen, noch davon ausgehen, dass man niemals für irgendwen, der ideale Traumpartner sein kann. Denn auch in so einen Menschen kann man sich verlieben. Man muss nur man selbst sein, authentisch, ehrlich, natürlich. Und wer diesen Menschen nicht mag, wird diesen Menschen auch nicht mögen, wenn er das Gegenteil von dem ist, was er vorgibt zu sein.
Manchmal ist eine Freundschaft mehr wert. Und selbst aus einer Freundschaft kann noch die große Liebe werden oder eben auch der ideale Traumpartner.

Und dennoch fällt es auf, dass man trotz des Bewusstseins, dass man nicht muss, von oberflächlichen Menschen umgeben ist. In meinen Augen, sind diese Menschen auch in gewisser Weise narzisstisch gestört. Laut ICD 10 erwarten Narzissten eine bevorzugte Behandlung, sind sehr Ich- Bezogen und möchten am liebsten nur von besonderen Menschen umgeben sein. Gesund wäre doch, wenn wir nicht nach Dingen gehen, die wir nicht beeinflussen können, (das Aussehen, das Gewicht und die Körpergröße, es sei denn man steht drauf oder geht davon aus, dass man nix anderes haben kann, was ja auch wieder einer gestörten Wahrnehmung entspricht) sondern nachdem was tatsächlich zählt, nämlich der Mensch. In vielen Profilen liest man dazu sogar den passenden Spruch dazu: „Ich steh auf schöne Menschen und ihr Aussehen ist mir dabei egal“. Es wäre wirklich schön, wenn wir alle nach den Sprüchen leben würden, die wir so posten und nicht bloß diese Sprüche posten um entsprechende Bewunderung zu erfahren. Posts, können über den eigentlichen Charakter gut und gern hinweg täuschen? Der eine postet Katzenbilder und steht dabei auf Bondage-SM. Der nächste schraubt gern an Autos rum, trinkt Bier, ist männlich, aber dafür schwul oder impotent. Manchmal ist man(n) sogar beides. Und sie arbeitet im sozialen Bereich, schlägt aber ihre Kinder. Wir posten doch nur das, was andere sehen sollen, aber nicht was wir nicht wahrhaben wollen, nur um bei dem einen oder anderen einen guten Eindruck zu hinterlassen. Das ist vollkommen, okay. Es ist aber eben auch nur das, was es ist, nämlich ein virtuelles abgespecktes Bild unseres Selbsts. Gesund wäre anders! Gesund ist anders! Gesund ist, man selbst zu sein. Ich bin mir sicher, nicht alle sind so, wie beschrieben, aber die, die es sind, würden es wahrscheinlich nie zugeben, selbst wenn nur ein Teil davon auf sie zutrifft!

Reflektiert sein, heißt nicht, dass man kritikfähig ist. Und Kritikunfähigkeit ist kein Alleinstellungsmerkmal der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, auch wenn Narzisstischen Persönlichkeiten oft eine generelle Kritikunfähigkeit aufgrund mangelnder Empathie und damit einhergehender Selbstverliebtheit nachgesagt wird.

Reflektiert sein heißt lediglich, dass man einsichtig ist und dass man ebenso eine zweite oder dritte Meinung zulassen kann und sich darüber Gedanken macht. Jemand der Kritikunfähig ist, duldet keine zweite Meinung, fühlt sich oft zu unrecht kritisiert oder falsch verstanden, nur das passiert nicht nur dem diagnostizierten Narzissten, sondern auch den Menschen, die bloß narzisstische Züge in sich haben. In der gesellschaftlichen Diskussion, wird oft erwähnt, dass im Grunde jeder Mensch narzisstische Züge hat. Wenn man es nicht pathologisiert, kann man auch einfach nur sagen, dass es eine Charaktereigenschaft der Person ist, dass sie eben nicht gut im reflektieren ist, vielleicht eine große Ich-Bezogenheit aufweist aber dennoch unterscheiden kann zwischen konstruktiver Kritik und einem Vorwurf. In der Therapie, aber nicht nur da, sondern auch an anderen Orten wird soziales Kompetenztraining angeboten. Das Kommunikationsmodell von Herrn Thun von Taxis ist kein reines Therapieinstrument, sondern es findet auch andernorts Anwendung. Es kommt oft auch nur darauf an, wie jemand die Kritik versteht. Es gibt durchaus kritikfähige Narzissten, die es erlernt haben damit umzugehen. Es gibt aber auch eben narzisstische Persönlichkeiten, die weder das eine, noch das andere sind. Mir geht es nur darum, vor Augen zu halten, dass man nicht jedes Symptom der narzisstischen Persönlichkeitsstörung auf einen diagnostizierten Narzissten übertragen kann. Nicht jedes Symptom trifft zu. Es gibt so viele unterschiedliche Formen und Ausprägungen des Narzissmus. Nicht jeder Narzisst ist selbstverliebt. Und nicht jeder Mensch der mit Kritik nicht umgehen kann, ist deswegen ein Narzisst. Viele Narzissten sind narzisstisch ohne es zu wissen. Und die, die es wissen, die dann sogar eine Therapie machen, sind trotzdem Narzissten, auch wenn man es Ihnen nicht ansieht. Man liest immer wieder, wie schlimm Narzissten sind. Sie manipulieren, sie idealisieren, sie werten ab, sie nutzen andere aus um an ihr Ziel zu kommen, sie erwarten bevorzugte Behandlung, sie sind Ich- Bezogen, sie sind kritikunfähig, sie besitzen keine Empathie, kein Einfühlungsvermögen, sie halten sich für etwas Besseres und so weiter. Und wenn dann mal ein diagnostizierter Narzisst, der Therapie macht, sich unter Kontrolle hat und dies auch zeigt, dann wird wieder gesagt, du bist kein Narzisst, denn Narzissten sind so und so. Borderliner sind auch nicht alle gleich. Jemand der depressiv ist, bringt sich auch nicht immer um. Und ein Psychotiker hört auch nicht jeden Tag irgendwelche Stimmen. Ich bedauer es sehr, dass die Gesellschaft immer noch verallgemeinert und pauschalisiert. Sicherlich machen Menschen mal mehr, mal weniger ähnliche Erfahrungen. Aber keine erlebte Erfahrung ist gleich. Ich war mal in einer Klinik, wo man bei mir den Verdacht auf Borderline geäußert hat. Der behandelnde Doktor meinte gleich, er wüsste genau, wie ich ticke. Er habe ja schon so viele Borderliner Patienten behandelt und alle würden sich ähneln. Ja sie ähneln sich, aber keiner ist gleich. Dazu kommt eben nun auch, dass diese Verdachtsdiagnose nicht richtig war, aber zum Glück ist die Medizin heute schon ein Stück weiter und differenziert bei den Persönlichkeitsstörungen. Und das gleiche gilt für jede Spezies. Auch eineiige Zwillinge kommen mit unterschiedlichen Temperamentseigenschaften um die Welt, das hat die Forschung bewiesen aber auch das Leben, auch wenn sie optisch gleich aussehen, es sei denn sie sind unterschiedlichen Geschlechts. Jeder Mensch ist anders. Und nicht jeder narzisstischer Zug ist gleichzusetzen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, ebenso wie nicht jeder Narzisst, alle in der Gesellschaft bekannten narzisstischen Züge aufweist. Das liegt auch schon an den unterschiedlichen Erfahrungen zusammen, die man als Mensch durchlebt. Über Borderliner wird gesagt, dass sie ritzen, über Psychotiker wird gesagt, dass sie alle Drogen konsumiert haben müssen und über Narzissten wird gesagt, dass sie als Kind nicht genügend Aufmerksamkeit bekommen haben. Nur gibt es auch Narzissten, die zuviel Aufmerksamkeit bekommen haben und deswegen dieses Geltungsbedürfnis haben. Die einen betteln um Aufmerksamkeit, weil sie nicht genug bekommen haben, die anderen sind Aufmerksamkeitsverwöhnt und brauchen das, um sich gut zu fühlen. In der Therapie lernt man dann, dass man die Anerkennung anderer nicht brauch, weil man sich ja selber das geben kann, was man brauch, bzw… was andere einem nicht geben und dass man nichts erwarten soll, sondern sich auch mal freuen darf, über das, was kommt. Irgendwann wird auch die Gesellschaft soweit sein, dass nicht sofort verallgemeinert wird uns bis dahin wird eben weiter geforscht. Ich kann die Meinungen anderer respektieren, vielleicht sogar akzeptieren, aber annehmen muss ich sie deswegen nicht. Ich darf meine eigene Meinung behalten. Ebenso dürfen die anderen ihre Meinungen behalten. Ich kann, die Meinungen anderer annehmen, ebenso können auch die anderen meine Meinung annehmen. Das ist dann Reflektion. Ich bewerte nicht sofort, sondern ich analysiere. Es gibt in „dem Fall unterschiedlicher Ansichten/ Meinungen“ kein richtig oder falsch, denn Subjektivität ist nun mal individuell, wäre doch schade, wenn alle gleich sind und jeder dieselbe Meinung hat. Man sagt doch immer, Gegensätze ziehen sich an. Gleich und Gleich gesellt sich gern, gibt es auch, das darf es auch geben und das ist auch okay, solange die „Gleich und Gleich-Typen“, die „Gegensätze ziehen sich an Typen“ deswegen nicht verurteilen. Und wer jetzt noch anderer Meinung ist, darf diese trotzdem gerne behalten!!!

Text: Leonard Anders