Das meine Tochter bei mir war, tat mir gut, und trotzdem vermisste ich meinen Sohn und meine Tochter sehr. Diese schwere Trennungskrise überstand ich nur, weil ich mich aktiv mit der Situation auseinandersetzte und lernte, bewusst damit umzugehen.

Eine für mich sehr wichtige Erkenntnis dabei war, ein Coaching mit einer langjährigen Klientin und Mutter, die ihre Tochter mit 21 Jahren, durch Suizid verloren hatte. Ihr Anruf klingt mir heute noch in den Ohren. „Christina* ( Name geändert ) hat sich bei uns am Berg das Leben genommen!“ Dann war es still am anderen Ende der Leitung. Ein paar Tage später kam sie dann zu mir ins Zentrum. Für mich war ist nicht das erste Mal, dass eine Mutter in dieser Form zu mir kam. Das Coaching verlief gut, die wichtigste Erkenntnis war, dass ich erkannte, dass meine Kinder lebten, und nur 13 Kilometer von mir entfernt wohnten.

An diesem Tag ließ ich abends meine Kinder frei. Viele rieten mir loszulassen, das Wort allein schon war für mich nicht stimmig und ich fühlte mich traurig, sobald ich es hörte. Frei lassen, bedeutet für mich ihnen Ihre Freiheit zu schenken, sie selbst entscheiden lassen, wann sie Kontakt zu mir haben wollen und trotzdem immer da zu sein. Meine Tür immer offen zu haben, für den Fall das sie mich brauchen. Dieser Tag kommt irgendwann für jede Mutter, meist erst, wenn ihre Kinder erwachsen sind, bei mir war es eben etwas früher.

Eine Freundin riet mir einen Schrein, mit Bildern meiner Kinder aufzubauen. Traurigkeit überkam mich, „ich schaff das nicht“, schluchzte ich.

Bis ich dies umsetzen konnte, ging ich zwei Wochen mit diesem Rat schwanger. Es lag wieder ein trostloses Wochenende an dem ich allein war vor mir. An diesem Morgen hatte ich das erste Mal mehr Kraft als sonst. Mit eine Selbstvergebungs- und Selbstakzeptanzübung begann ich den Tag. Meine Intuition sagte: „ Tue es jetzt!“ Und ich begann Bilder meiner Kinder, persönliche Gegenstände zu suchen, die sie ausversehen dagelassen hatten. Legte diese Dinge dann auf einer Kommode im ersten Stock. Wichtig war für mich, dass es ein Ort ist, an dem ich nicht jeden Tag vorbei gehen musste. Zum Abschluss zündete ich zwei Kerzen an machte meine geliebtes Ritual vom „Bande lösen“ und flüsterte in mein Herz: “Wir werden im Herzen immer verbunden sein – ich liebe Dich meine Liebe Tochter, meine lieber Sohn, nichts kann uns trennen!”

Zusätzlich suchte ich im Internet nach Rat. Erkannte, dass es vielen so ging wie mir. Selbsthilfe Gruppen gibt es in diese Richtung fast in jeder Stadt. Ich besuchte viele, Hilfe war es für mich keine. Diese Gruppen empfand ich als Opfergruppen. Jede bemitleidet den anderen. Danach ging es mir schlechter als zuvor. Meine Energie war am Nullpunkt!

Was mir nach dieser negativen Erfahrung, große Erleichterung verschaffte, war das sogenannte Heilschreiben, das ich von meiner Lehrerin erlernt hatte. Ich schrieb einen Brief an meine Kinder, schrieb mir alles von der Seele, meine Wut, meine Verzweiflung, meine Traurigkeit, meine Warum fragen, einfach alles, was mir gerade in den Kopf kam und erzählte ihnen war geschehen war. Diesen Brief habe ich bis heute nicht abgeschickt, um das ging es mir damals nicht. Es war ein Befreiungsschlag für meine Seele, bis heute.

Desweiteren begann ich mich zu reflektieren, ich erkannte dass dieser Verlust nicht das erste Mal in meinem Leben geschah. Mir fiel ein, dass meine Eltern mich mit 19 Jahren verlassen hatten. Plötzlich stand ich damals alleine da, mit einem Haus, Geschwister hatte ich keine. Ganz schnell wurde ich erwachsen und ging meinen eigenen Weg.

Durch diese Erfahrung, holte ich mir die Erinnerungen von damals her, die mich aus dieser schweren Krise geführt hatten. Traf mich wieder mehr mit Freudinnen und Freuden, die mir in meinen Leben immer sehr wichtig waren. Überlegte was mir gut tat, verwirklichte dies auf einem Visionboard. *
Das Umsetzen machte Spaß und Freude. Die freie Zeit, neben meiner Arbeit, füllte ich mit Thai Chi und Qi Gong, nahm Gesangs- und Gitarrenunterricht. Zusätzlich lerne ich Salsa in Einzelstunden, die Musik und Bewegung tat mir sehr gut.

Zur Ruhe kam ich in einer Saunalandschaft, eine halbe Stunde von mir entfernt. Verbrachte Stunden mit meinem geliebten Hobby lesen und Musik hören. Genoss es mich treiben zu lassen im warmen Salzwasser oder im angelegten Naturbadeteich.

Ab und zu war es mir auch nach Tanzen mit dem Beat meines Herzens – bei House und Techno konnte ich mich stundenlang einfach von der Musik tragen lassen –fühlte mich frei und glücklich.
Es sind so viele wertvolle Dinge, die mein Leben, in den letzten Jahren, nach dem Kontakt Abbruch mit meinen Kindern bereicherten und mich bis heute begleiten. Zum größten Teil war es das Umsetzen meines Erlernten aus meiner Coaching Ausbildung.

Für mich war es, wie einen neuen Sinn im Leben zu finden und meine Lebensfreude kam zurück. Die neben Dankbarkeit einen meiner wichtigsten Werte in meinem Leben ist. Seit dieser Erfahrung lebe ich im Hier und Jetzt! Ärger mich nicht mehr über die Dinge, die ich sowieso nicht ändern kann, bin achtsam mit meiner selbst.

Durch das Schreiben von persönlichen Karten, halte ich den Kontakt zu meinen Kindern, von meiner Seite aus aufrecht. Dies tue ich, wenn ich dazu Lust habe, ohne Druck und ohne Erwartungen. Es folgte nie eine Antwort und trotzdem weiß ich, dass es wichtig für unsere Beziehung ist.
Den Vater meiner Kinder habe ich vergeben, damit habe ich Frieden mit meiner Vergangenheit geschlossen.

*eine Tafel auf der ich all die Dinge malte und schrieb die mir Freude machten und die ich in die Tat umsetzen wollte.

Text von Elke Weber
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