… oder meine Selbstfindung durch einen Narzissten.

Diese EMail erreichte uns von Natascha und wir dürfen die Mail im originalen Wortlaut veröffentlichen:

Ich bin seit zwei Jahren weg von ihm, einem Narzissten, und die Trennung war auch gut. Sie hat mich sogar gerettet. Ich weiß nicht, ob ich das sonst überlebt hätte. Meine Seele wurde immer kränker und schwächer.

Heute erschreckt mich das, denn im Grunde genommen bin ich eine starke Persönlichkeit. Was mich für ihn anziehend gemacht hat.

Am Ende lag ich am Boden, mit eingeschlagenem Schädel (bildhaft gesprochen), kleinem Kind, habe mich aufgerafft und uns beiden alles neu aufgebaut. Und die Kraft kam und wurde immer mehr.

Und jetzt hat es mich wieder eingeholt.

Ich war während unserer Beziehung in Therapie, weil ich nicht wusste, was mit mir passiert. Was mit uns passiert. Mir konnte niemand helfen. Wie auch, ich habe ihn in meiner Liebe, oder war es Verehrung, geschützt. Und ich wollte nicht hinschauen. Gespürt habe ich, aber nicht darauf vertraut. Und Angst gehabt, dass es wahr ist. Ich habe ihm vertraut, seinen Worten. Nicht mir, meiner Seele.

Als er weg war aus meinem Leben ging es mir schnell wieder gut, aber ich wusste nicht, was mit mir, was bei uns passiert war. Ich erkannte ihn nicht mehr. Ich kannte mich nicht mehr. Und ich konnte mir nichts erklären. Überstieg alles meinen Horizont. Und von draußen konnte man mir auch nicht wirklich helfen.

Ich interessiere mich sehr für Psychologie, aber das, was da passiert ist, war für mich nicht greifbar.

Ich war Schuld. Diese Bürde hat er mir gelassen und ich habe sie auch gerne angenommen. Sie erdrückte mich.
Zum Glück gibt’s Google und zum Glück habe ich die richtigen Schlagworte in der Suche eingeben. Und zum Glück gibt’s gute Literatur dazu.

Wenn man etwas witzig finden möchte an der ganzen Geschichte, dann ist es vielleicht der Fakt, dass gerade er von Anfang an meine vermutlich größte Schwachstelle gekannt hat und sie mir in den Krisen auch genannt hat. Ich verstand nur nicht, was er meinte.

Heute verstehe ich es, denn heute kann und muss ich genau diese Schwachstelle bearbeiten.

So weh sie (Narzissten) einem auch tun. Sie spiegeln dich und helfen dir so eigentlich dabei dich selber stärker zu machen. Ich glaube ohne ihn, würde ich noch länger vor meiner Aufgabe davonlaufen, weil ich sie nicht identifiziert bekommen hätte.

Ist das jetzt die Aussage einer Co-Abhängigen? Ich weiß es nicht, vielleicht. Aber es ist eine Tatsache.

Narzissten haben keinen guten Ruf. Sie machen Angst. Sie machen verzweifelt. Sie lassen einen an sich selber zweifeln.
Aber dennoch tragen sie vielleicht doch zu etwas Gutem bei, nach all dem Schmerz. Wobei ich denke, dass es viele Abstufungen gibt und man vor der ein oder anderen Stufe tatsächlich Angst haben muss. Ich habe aber keine Erfahrung damit, möchte auch keine mehr machen. Aber ich würde sie nicht alle über einen Kamm scheren, wie es viele tun. Aber vielleicht muss man es doch.

Meinem Narzissten hätte ich gerne geholfen. Weil ich mir vorstellen konnte, dass sich dahinter ein schöner Mensch verbirgt, mit Stärken und auch liebenswerten Schwächen. Aber auch das weiß ich nicht sicher. Er wird schön auf die Welt gekommen sein, ob jetzt noch was von dem übrig ist, weiß ich nicht. Weiß niemand so richtig.

Er hat mir immer mal wieder von eigenen Eigenschaften erzählt, die er entweder nicht hat, aber gerne hätte oder die er hat, die er aber lieber nicht hätte. Eigenschaften, die er gerne gehabt hätte, imponierten ihn an mir. Damals fand ich es schön, dass er mir so vertraut hat. Heute denke ich mir, er hat in den Situationen seinen Stoff gebraucht. Mehr nicht. Den hat er von mir bekommen.

Ihm helfen zu wollen, war mein Problem. Denn er wollte keine Hilfe. Mein Versuch hat ihn sehr wütend gemacht. Und mir Angst.

Naja, meine aktuelle Situation katapultiert mich gerade in die Vergangenheit mit ihm, die mich sehr traurig macht, weil ich es mir anders gewünscht hätte, aber auch gleichzeitig froh bin, da raus zu sein. Und sie konfrontiert mich komplett mit mir und einem unschönen, für mich fundamentalen Muster.

Für den Spiegel, den er mir jahrelang vorgehalten hat, bin ich ihm dankbar. Das habe ich ihm sogar einmal wertschätzend gesagt. Er schaute mich nur an. Ob er es verstanden hat, weiß ich nicht.

Er hat mir einige Baustellen gezeigt, die ich in den letzen 24 Monaten abarbeiten konnte und zum ersten Mal in meinem Leben fühlen konnte, was Glück ist, was glücklich sein bedeutet. Und es ist ein sehr großartiges Gefühl! Nicht beschreibbar. Dass ich mich glücklich fühlen konnte, es dorthin geschafft habe, ist allerdings mein, nicht sein Verdienst. Das war ein sehr harter und steiniger Weg.
Wenn er das wüsste, weiß ich nicht, was in ihm passieren würde. Wäre es Stoff für sein Ego oder wäre er wütend? Ich weiß nicht, aus welchen Botschaften Narzissen Kraft tanken und welche sie dazu verleiten Menschen zu hassen.

Er verließ mich damals weinend mit den Worten, dass er mich nicht glücklich machen konnte, er hätte alles versucht. Und dass er sich wünscht, dass ich einen Mann finde, dem dieses gelingen wird.
Wenn er wüsste…

Dass Hin und Her im Moment zwischen Konfrontation, Emotionen und Bewältigung auf den unterschiedlichen Zeitschienen ist sehr anstrengend für mich. Ich stehe ja daneben noch mitten im Leben mit meinen Beruf und unserem Kind.

Sehr schwierig also, aber heilsam, so will ich hoffen. Und ich hoffe auch, dass es mich schützen wird vor einem Nächsten, der mein Herz vor meinen Augen zerquetschen möchte.