In seinem Buch Malignant Self Love beantwortet der amerikanische Autor Dr. Samuel Vaknin, der früher selber an NPS litt, viele Fragen von Menschen, bei denen NPS diagnostiziert wurde und deren Angehörigen.

Leider gibt es das Buch bisher nur auf englisch. Im folgenden wird daher ein Auszug übersetzt wiedergegeben, in dem die Frage behandelt wird, wie man als Mutter mit dem Schicksal, einen Narzissten zum Vater des Kindes zu haben, umgehen kann:

Frage:
Der Vater meines Kindes ist ein Narzisst. Vor einigen Monaten sind wir geschieden worden, doch er hat weiterhin das Besuchsrecht. Sie haben in Ihrem Buch geschrieben, dass “Narzissmus Narzissmus hervorbringt”.
Wie kann ich mein Kind davor bewahren, dass es unter dem Einfluss des Vaters zu einem Narzissten wird?

Antwort:
Ihr Sohn wird wahrscheinlich noch sein ganzes Leben lang auf Narzissten treffen. Einerseits wird er darauf vorbereitet sein, mit ihnen besser zurecht zu kommen und er wird ihren Schikanen ausweichen können. Ausserdem wird er viel unempfindlicher gegen ihren Missbrauch sein.
Dafür sollte Ihr Sohn dankbar sein!

Andererseits gibt es nichts, was Sie dagegen tun können, dass der Vater einen gewissen Einfluss auf das Kind ausüben wird. Verschwenden Sie also nicht Ihr Geld, Ihre Zeit und Ihre Energie, Ihre emotionalen Ressourcen darauf, dieses unlenksame “Problem” zu kontrollieren. Es wäre ein verlorenes Unterfangen, wenn auch aus nachvollziehbarem Grund begonnen.

Stattdessen sollten Sie für Ihren Sohn ein erstrebenswertes Vorbild sein. Das einzige, was Sie tun können, um Ihren Sohn davor zu bewahren, dass er seinem Vater nacheifert, ist, ihm ein anderes Rollenmodell vorzuleben: Sie selbst!

Er wird wahrscheinlich Ihr Rollenmodell, wenn er gross geworden ist, dem des Vaters vorziehen.

Hingegen wäre eine unbegrenzte Kontrollausübung über ihren Sohn, was den Einfluss seines Vaters angeht, genau das was Narzissmus ausmacht. Und genau das sollten Sie um jeden Preis vermeiden, egal wie besorgt Sie sein mögen.

Narzissmus tendiert dazu, Narzissmus hervorzubringen.
Aber nicht notwendigerweise! Nicht alle Kinder von Narzissten werden selber Narzissten!

Das narzisstische Elternteil betrachtet sein Kind als eine “umfangreiche Quelle narzisstischer Befriedigung”.
Das Kind wird als eine Art “Verlängerung und Erweiterung der narzisstischen Persönlichkeit” gesehen. Durch das Kind versucht der Narzisst seine noch unerfüllten Träume in der Welt zu verwirklichen. Dieses “Leben als Stellvertreter” kann sich in zwei Richtungen entwickeln.

Entweder der Narzisst verschmilzt symbiotisch mit seinem Kind -oder er entwickelt eine Ambivalenz zu ihm. Diese Ambivalenz ist das Resultat eines inneren Konfliktes:
Zwischen dem Wunsch des Narzissten, seine narzisstischen Ziele durch das Kind zu erreichen und seinem zerstörerischen Neid auf das Kind und dessen Leistungen und Fähigkeiten.

Quelle: Sam Vaknin, Malignant Self Love