„Ich bin nicht krank, also muss ich mich auch nicht ändern“.
Ein Trugschluss, leider ist das so. Wie im obigen Text beschrieben, sind die Partnerinnen von Narzissten oft unterwürfige oder devote Personen, die durch die Aufwertung des Narzissten (Oft idealisiert der Narzisst die Anteile seiner Partnerin, die bei ihm selber nur schwach ausgeprägt sind) ebenso eine Aufwertung ihrer eignen Person erfahren. Oft heißt allerdings nicht immer. An einen Narzissten kann jeder geraten, denn wie bereits im oberen Teil erwähnt, versteht es ein (nicht diagnostizierter) Narzisst seine Partnerin derart mit seinem Charme um den Finger zu wickeln, dass diese es gar nicht bemerkt, dass ihr Bewunderer dies nur tut, um selbst bewundert zu werden (er tut dies allerdings niemals in bewusster Absicht). Wenn die Partnerin sich bewusst gemacht hat, in was für einer Beziehung sie gewesen ist, gilt es für sie selbst zu reflektieren, warum sie dafür empfänglich war. Tut sie dies nicht, handelt sie ebenso uneinsichtig wie ihr narzisstisch gestörter Partner und kann nicht unbedingt auf das Verständnis ihres Umfeldes zählen. Sie hat schlimme Demütigungen erfahren und wurde ebenso ihrer Autonomie beraubt, das steht außer Frage. Die Antwort auf ihre Frage nach dem Warum, wird sie aber nicht in ihrem Ex- Freund finden, sondern nur in sich selbst. Ihr Ex, wenn er denn noch nicht diagnostiziert ist und bei dem mit hoher Wahrscheinlichkeit eine NPS vorliegt, wird ihr diese Antwort nicht geben können, dafür hat er viel zu große Angst selber verletzt zu werden, was dann wie schon beschrieben zu einem Selbstverlust führt, der unbedingt abgewehrt werden muss. Ob sich der Narzisst helfen lässt, obliegt seiner Entscheidung und verdient in jedem Falle Respekt und Anerkennung. Und wenn man sich selber Hilfe sucht, gilt das ebenso! Und wenn es zu einer gemeinsamen Paartherapie kommt, kann ich sowohl dem Narzissten und seiner Partnerin nur dazu gratulieren. Es heißt ja nicht umsonst „In Guten, wie in schlechten Zeiten“.

Ob man im Falle einer Trennung und/ oder nach erfolgter Therapie wieder an einen Narzissten gerät, ist nicht sehr wahrscheinlich, kann aber auch nicht ausgeschlossen werden. Manche Co- Narzisstinnen vermissen nach einiger Zeit auch die Anfangszeit ihrer Beziehung, in der sie die Wertschätzung und Bewunderung erfahren haben, die sie vielleicht auch brauchten. Fast jede Frau bekommt gerne Komplimente. Nach einer erfolgreichen Aufarbeitung der eigenen Anteile jedoch kann die Getroffene stark genug sein, sich gegen den Narzissten zu wehren. Die Gefahr die dabei allerdings besteht, dass man in jedem Mann einen Narzissten sieht, wenn er ihr ein Kompliment gibt oder ihr sagt, dass er sie mag. Größer ist die Gefahr der Verallgemeinerung allerdings, wenn keine Aufarbeitung statt gefunden hat. Wenn die Partnerin so verletzt wurde (oder auch narzisstisch gekränkt/vernachlässigt), dass sich ihr Co- Narzissmus zu einer eigenen Persönlichkeitsstörung entwickelt hat (bevorzugt Narzissmus oder Borderline), befindet sie sich selber in der Spirale des Verdrängens- Nicht Erkennens- bis hin zur vollständigen Entwicklung eines gestörten Modusmodells mit entsprechenden Bewältigungsmechanismen. Narzissmus ist übertragbar. Ein diagnostizierter Narzisst erfährt z.B. innerhalb einer Therapie, dass die Gründe für seine Erkrankung in seiner Kindheit zu suchen sind (Verhältnis zu Bezugspersonen- MUTTER, Vater, andere an der Erziehung beteiligte Personen, also narzisstische Besetzung innerhalb seines Werdens). Und auch in einer Beziehung kann eine Übertragung der Krankheit stattfinden, ohne dass man es selber bemerkt. Ist dieser Fall dann eingetreten, verhält man sich automatisch und oftmals ohne es zu merken, genauso wie die Person, die sie mit dieser Krankheit infiziert hat, nämlich ihr ehemaliger Partner (der Narzisst).
Auffallend dann sind die Kämpfe mit dem Außen, in denen sich Narzisst und Co- Narzisstin wie beschrieben gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben, nach dem Motto „Er ist schuld, weil er ist der Narzisst“.
Vergessen wird dabei allerdings, dass der Narzisst einem nach der Trennung nichts mehr tun kann, (es sei denn man lässt es zu) und man selber nun die Verantwortung dafür trägt, wie man mit sich, seinem verletzten inneren Kind und seinen Mustern umgeht. Also ist ständige Selbstreflektion notwendig um langfristig mit dem erlittenen Trauma angemessen umzugehen.

Text von Leonard Anders