Mittlerweile ist ja hinlänglich bekannt, dass wir uns unbewußt genau den Partner suchen, der am besten zu uns paßt. Steve Biddulph schreibt dazu in seinem Buch “Wie die Liebe bleibt – über die Kunst, ein Paar und Mann und Frau zu sein”:

“Haben Sie Nachsicht, Sie heiraten Ihren Zwilling” Im weiteren führt er aus: “Diese gleichermaßen überraschende wie erhellende Theorie findet bei Forschern rund um den Globus zunehmend Anklang. Sie geht davon aus, dass Anziehung sich weitgehend unbewusst vollzieht: Wir wissen nicht, weshalb es uns zu einem Menschen hinzieht, aber wir spüren, dass dem so ist. Unser Autopilot ist auf romantischen Liebeskurs eingestellt. Er navigiert uns dorthin, wobei er sich gleichermaßen an versteckten wie offenkundigen Daten orientiert. Dieser Kurs führt unbeirrbar Menschen zu Paaren zusammen, die sich an der Oberfläche zwar unterscheiden, tief im Inneren aber einander ähnlich sind.”

Auch wenn Sie es heftig abstreiten: die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Sie im Grunde die gleichen Eigenschaften besitzen wie Ihr Partner, Ihre Partnerin. Dazu Steve Biddulph: “Wir neigen stark dazu, unseren Partner als von uns völlig verschieden zu sehen. Paare witzeln gerne über ihre Unterschiedlichkeit: “Geldangelegenheiten überlasse ich ihr.” – “Er ist der Schlaue.” – “Sie ist die Emotionale.” – Er ist so unbgekümmert und impulsiv, dass ich ihn gar nicht aus den Augen lassen kann.” Wenn es um die Beziehung schlecht steht, werden diese Unterschiede noch vehementer unterstrichen: “Er ist einfach unmöglich!” Dennoch lautet die Regel: Gleich und gleich gesellt sich gern.

Wenn wir Probleme mit unserem Partner haben, dann deshalb, weil wir sie mit uns selbst haben.

Wie sich das erklärt? Nun, in etwa folgendermaßen: Die in der Kindheit stattfindende Entwicklung unserer Persönlichkeit erweist sich leider nicht nur als positiv. Vielmehr werden dabei häufig bestimmt Fähigkeiten unterdrückt. […] Wir gehen daraus als Erwachsene hervor, die bestimmte Aspekte ihrer Möglichkeit, zu fühlen, zu denken und zu handeln, nicht ausleben. So waren Sie als Kind wahrscheinlich ein besserer Künstler, Sänger, Tänzer oder Schauspieler als im Alter von 24 Jahren.”

Dazu eine kleine Randbemerkung von Steve Biddulph: “Interessanterweise attestiert man jemandem, der weniger gebändigt ist als die Norm, sondern ausdrucksvoll und lebhaft, “viel Charakter”. Wir alle haben viel Charakter, mussten das aber zumeist verstecken und unterdrücken.”

Bei der Auswahl unseres Partners, unserer Partnerin nun suchen wir – größtenteils unbewußt – nach Ausgleich bei jemanden, der auf den Gebieten, die wir “stillgelegt” haben, noch aktiv ist. Ist man z.B. eher zart besaitet und die Fähigkeit, selbst auf sich aufzupassen, tief verschüttet, so fühlt man sich von jemandem angezogen, der stark und beschützend wirkt. Das kann in einer Abhängigkeit enden, muß aber nicht. Denn es ist möglich, das ein solcher Partner uns darin unterstützt, unser Kräfte- und Selbstverteidigungspotential auszubauen und so eine eigenständige Persönlichkeit zu werden.

Soweit Steve Biddulph, der hier von ganz “normalen” Beziehungen spricht. Wie sieht das nun bei pathologischen Narzissten aus?

Nun, auch er sucht sich das passende Gegenstück:

Narziss und Komplementärnarziss
“Im Wissen um ihre Ängste vor Trennung und Hilflosigkeit und um ihr brüchiges Selbst meiden narzisstische Persönlichkeiten Nähe und Partnerschaften, oder sie offenbaren, dass hinter der charmanten Fassade ein kalter, ausbeuterischer Egoist stecken kann. In engen Beziehungen kann es daher zu krankhaften Konstellationen kommen, in denen der narzisstische Charakter den anderen abwertet, ihn wie einen Spiegel oder einen Claqueur benutzt. Nur wenn der Partner seine kritiklose Bewunderung und absolute Loyalität zeigt, kann das fehlende Selbstwertgefühl kompensiert werden. Nicht selten sucht daher der Narzisst einen Partner, der ihm an Intelligenz, Bildung und sozialer Herkunft unterlegen ist, so dass er ihn schon deshalb leichter kontrollieren kann. Außerdem bleibt dem Unterlegenen der krankhafte Narzissmus eher verborgen, so dass das narzisstisch-omnipotente Ich geschützt bleibt. Wie der Narziss, so verspricht sich auch der Komplementärnarziss von der Beziehung Vorteile. Dass er an der Seite eines Narzissten steht, den er schwärmerisch idealisieren und wie ein Groupie verehren kann, wertet sein geringes Selbstwertgefühl auf. Der Partner findet in der narzisstischen Persönlichkeit, ähnlich wie der Fan im Star, ein besseres Selbst, ein Ersatz-Selbst.” (Dr. Gisela Schmalz, Berlin)

Soweit funktioniert also auch die Beziehungssuche des Nazissten wie die jedes anderen Menschen auch. Problematisch ist hier allerdings, dass durch die geschädigte Persönlichkeit beider Partner die Gefahr der gegenseitigen Abhängigkeit sehr groß ist. Beide Partner sind aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur nicht in der Lage, den Partner wirklich zu fördern und in die Selbständigkeit zu entlassen, wie es Steve Biddulph beschrieben hat. Ein teuflischer Kreislauf beginnt, der auch z.B. eventuell geborene Kinder erfasst. Endet so eine Beziehung, leiden meist beide Partner sehr darunter und haben Mühe, diese Erfahrung aufzuarbeiten, da ja ihr ganze Selbst damit in Frage gestellt wurde.

Interessant ist die Frage: Sucht ein Narzisst sich irgendwann einen starken Partner, ist das dann Anzeichen für eine beginnende Heilung? Ist hier der “Wunsch Vater des Gedankens?” Und warum sucht ein starker Mensch sich einen Narzissten? Gilt es, “Altlasten” aufzuarbeiten? Leider findet sich hierzu bisher nichts in der Literatur ………

Aus dem ehemaligen Forum von Narzissmus.NET