Mein Kampf gegen Windmühlen, war ein Kampf für den Frieden, den ich durch den Kampf nicht gewinnen konnte. Kampf und Frieden passt nicht. Kampf um den Frieden ist paradox, das eine schließt nämlich das andere aus. Ich habe also lernen müssen, für mich einzustehen, und damit auch für die Sache, die mir am Herzen liegt. Darum muss ich nicht kämpfen. Ich kann ja einfach stehen bleiben, friedlich, standhaft bleiben und mich nicht davon abbringen lassen, schon gar nicht von Friedenskämpfern, die ja im Grunde genauso wie ich nur gesehen werden wollten, weil sie sich selbst nicht die Aufmerksamkeit geben konnten. Der Weg zum inneren Kind, ist ein Weg zurück zu dir. Er führt nicht über die anderen, nicht über die Verlockungen des alltäglichen Lebens, sondern er führt über das, was du bist, was du schon immer warst und was du womöglich nur nicht genug geschätzt hast an dir.

Ich kämpfte gegen dämonisierende Opferseiten, gegen Trolle, gegen Shitstorms, gegen Mobbing, gegen die Verurteilung narzisstisch frustrierter und missbrauchter Narzissten ohne dabei zu bemerken, dass ich mich der selben Waffen bediente, wie meine angeblichen Gegner. Das erinnert mich an meine Kindheit. Auch damals tat ich alles um gesehen zu werden. Ich bediente mich bestimmter Mittel, die andere Kinder in Bedrängnis brachten. Jeder verdient es gesehen zu werden. Niemand verdient es übersehen zu werden. Ich habe mit meinem Verhalten sicher auch kräftig dazu beigetragen, dass meine Klassenkameraden ihre Schutzschilde benutzten, um sich gegen die Verdrängung zu wehren. Diesen Kampf um´s „Gesehen werden“ konnte keiner gewinnen und auch für die Zukunft muss niemand darum kämpfen, denn wir sind was wir sind. Wir sind alles gleich wertvolle Menschen, unabhängig davon wo wir herkommen,wie wir aussehen oder was uns prägte. Also lass uns lieber gemeinsam friedlich sein, sehenden Auges, lächelnd, weinend, sich freuend, nicht mehr darum kämpfen zu müssen.

Mein Kampf führte mich durch weitere Täler, die ich schon zu verlassen hatte, glaubte. Ich mache das ein oder andere Deja Vü durch, ausgelöst durch meinen Überlebenskampf, obwohl ich doch am Leben war und sehr viel Handwerkszeug mir durch die Therapie angeeignet hatte, welches nur darauf wartete, richtig eingesetzt zu werden. Ich spürte die Konsequenzen der Gegenwehr meiner angeblichen Gegner, die ja im Grunde nur wie ich darum kämpften gesehen zu werden, so wie sie sind, egal ob jetzt leidend, liebend, mitfühlend oder einfach nur anwesend. Ich wollte wie meine Mutter früher, immer nur das Beste, vergaß aber dabei, dass jeder Mensch individuell ist.Das was gut für mich ist, muss nicht deswegen auch gut für andere sein. Jeder steht woanders, ob nun zu Recht oder unrecht spielt keine Rolle. Niemand hat sich sein Schicksal ausgesucht. Und nicht jeder hatte das Glück eine Therapie zumachen von der ich profitieren konnte. Ich habe viel gelernt, über mich, über mein inneres Kind, aber auch über die anderen. Auch die anderen haben es schwer, je nachdem wie leicht oder schwer sie es nehmen. Jeder ist auf seinem Weg. Manche gehen den meinigen, manche den ihrigen und andere wiederum ihren eigenen, den ich ja nicht gut finden muss, aber respektieren sollte. Ich möchte schließlich auch respektiert werden.

Kämpfen macht auf Dauer müde. Kämpfen nimmt mir die Freude am Frieden. Je mehr ich Zeit ich mit kämpfen verbrachte, desto weniger Zeit verbrachte ich mit glücklich sein oder es zumindest zu versuchen. Ich steigerte mich in meine Wut, ich hatte Rachegedanken, ich hatte den Alltagssadismus genauso verinnerlicht und träumte fast schon davon, wie ich meine Gegner besiege, am Boden liegend, auf die Knie gezwungen. Ich sah nicht klar, denn auch sie waren mit ihren Schutzschilden da.

Ich habe nun aufgehört zu kämpfen. Denn mein inneres Kind scheut Gewalt, es scheut die Eiseskälte, es sehnt sich nach Nähe, nach Liebe, nach Zuversicht, genauso wie es sich den Frieden mit den anderen wünscht. Das ist mein Bedürfnis. Dafür trage ich die Verantwortung. Ich allein kann nur die Entscheidung treffen, was ich als kleiner 7 jähriger Junge nicht konnte. Aber jetzt bin ich keine 7 mehr. Ich bin fast 5x so alt.Ich kann den kleinen 7 jährigen Jungen in mir jetzt an die Hand nehmen und ihm das geben, was er sich schon immer gewünscht hat. „Nämlich gesehen zu werden, wie er ist“.

Text von Leonard Anders