Professor Franz Ruppert schreibt in seinem Buch „Frühes Trauma“ dass Partner sein etwas anderes ist, als Vater zu werden, weil Männer oft unvorbereitet in diese Rolle übergehen. Sie können mitunter überfordert sein und auf das eigene Kind eifersüchtig reagieren, wenn das Kind nun an erster Stelle für die Mutter steht und der Vater sich nicht mehr als „Mann“ wahrgenommen fühlt. Dann ist es nur eine Frage der Zeit bis der Mann sich aus der Beziehung zurückzieht und in die Arbeit stürzt, woraufhin die Frau sich dann vernachlässigt fühlen könnte. Ein Teufelskreis ist das. Ich habe diesen Zustand aber nicht erlebt, denn mein Stiefvater bemühte sich ein guter Vater zu sein, war aber ein guter Ehemann.

Ich weiß aber, dass es in der Gesellschaft vorkommt oder von Außen zumindest so aussieht. Männer fühlen sich einerseits als Partner vernachlässigt, andererseits mit der Rolle als Vater überfordert. Für mich heißt das aber nicht, dass Männer dann verantwortungslos sind, sondern für mich zeigt dass nur wie hilflos und überfordert sich mancher Mann fühlt. Ob der Mann dazu dann auch noch stehen kann, ist eine andere Frage, die nur jeder für sich selbst beantworten kann. Meine beiden Väter aber haben sich beide bei mir entschuldigt, der eine dafür, dass er mich jahrelang verleugnete, der andere dafür, dass er mich nicht oft genug vor meiner Mutter in Schutz nahm, wenn diese mal wieder ihre Launen an mir ausließ.

Ich erinnere mich auch an meine ersten Lebensjahre. Für meine Oma empfand ich große Liebe. Meine Mutter nahm ich nur als große Schwester war, die sich immer vor mich stellte. Konsequenzen stellten sich erst ein, nachdem meine Schwester geboren war, der fortan ein großer Teil ihrer Aufmerksamkeit galt.

Und so suchte ich mir folglich Frauen, die aus meiner Sicht Schutz brauchten, also vollkommen naive Frauen. Unbewusst aber geriet ich zwischendurch immer mal wieder an Frauen, die wie meine Mutter sehr dominant und bestimmend unterwegs waren. Da ich das von Zuhause so kannte, tat ich natürlich beinahe alles um es Ihnen recht zu machen, wollte ich doch keine von Ihnen verlieren. Da ich Eifersucht zu Hause nie kennen gelernt habe, war Eifersucht für mich auch Trennungsgrund Nummer eins. Was ich nicht kannte, wollte ich nicht haben, auch wenn Eifersucht ja im Grunde auch nur eine Form der Kompensation ist, wenn man das Gefühl hat, eine Situation nicht kontrollieren zu können. Bis zu einem gewissen Punkt ließ ich mir die Eifersüchteleien gefallen, doch sobald die Damen anfingen mich zu kontrollieren (ins Handy gucken z.b.) triggerte das meinen Schmerz und schlug mich in die Flucht. Ja ich war derjenige, der sich deswegen sehr oft getrennt hat. Hätte ich damals gewusst, was der Grund dafür ist… dann…
aber hätte hätte… 🙂

Unbewusst entscheidet oft die eigene Traumabiografie darüber, welcher Partner attraktiv erscheint. (Professor Franz Ruppert)

Und so beobachte ich das auch in vielen anderen Partnerschaften, deren Probleme gerne in sozialen Netzwerken ausgetragen werden. Und wenn die Betroffenen sich dann irgendwann mal zu einer Therapie entscheiden, erkennen sie erst dann, was der wahre Grund für das Scheitern ihrer Beziehung war. Oft geraten wir Menschen an Menschen, die uns in dem bestätigen, was wir gelernt haben, was wir jedoch im Erleben von Schmerzen im Rahmen unserer Re- Traumatisierung abzuwehren versuchen. Wir wollen eine Beziehung ohne Schmerzen. Dass die Ursache dafür im eigenen Herzen zu suchen ist, schließen viele oft aus, weil der Schmerz erst in der Beziehung zu einem anderen wieder in Erscheinung getreten ist, laut eigenem Erleben.

Doch wer jetzt glaubt, wenn man den Partner einfach austauscht, dass es dann erträglicher wird, der irrt gewaltig, denn früher oder später kommen wir erneut in die Situation in der wir mit unseren größten Ängsten und prägendsten Verletzungen konfrontiert werden.

Und dann ist es nur eine Frage der Zeit bis sich unser Glaubenssatz wieder zeigt, es nämlich nicht verdient haben glücklich zu sein. Je mehr wir an etwas glauben, desto eher halten wir es für wahr, obgleich es auch anders sein kann.

Das Elternteil, zu welchem wir als Kind die engste Beziehung hatten, spiegelt sich oft in unseren späteren Partnern wieder. Wir übernehmen dessen Glaubenssätze ohne die Möglichkeit eigene zu entwickeln. Ob Sie das jetzt narzisstischen Missbrauch nennen, Übertragung oder transgenerationale Weitergabe von Traumata, bleibt Ihnen überlassen.

Wie kann eine Frau Mutter sein, wenn sie nicht mehr Frau ihres Mannes ist? Wie kann ein Mann Vater sein, wenn er nicht mehr Mann seiner Frau ist? Wenn eine Familie nur noch aus Vater, Mutter und Kind besteht – aber nicht mehr aus Mann und Frau -, dann wirkt sich dies auch massiv auf die Kinder aus. Ein Kind, dass keine sich liebenden Partner als Eltern hatte, wird nicht lernen, was Partnerschaft eigentlich heißt. Es wird Partnerschaft mit Elternschaft gleichsetzen und seine spätere Partnerschaft danach aussuchen. (Dr. Mirriam Prieß)

Da in meinem Fall meine Eltern eine gute Partnerschaft geführt haben und ich durch meine Therapie heraus fand, dass diese Wahrheit auch einer Tatsache entspricht, ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass mir in meinem ersten Buch tatsächlich der Bezug zum Thema Narzissmus in Partnerschaften fehlte. Zwar waren weder mein leiblicher Vater noch mein Stiefvater emotional nicht so stark verfügbar wie meine Mutter, dies hatte aber keine Auswirkungen auf meine Mutter, denn sie behandelte mich immer wie ihr (unerwünschtes) Kind und nicht als Partnerersatz.

Dennoch ist es so, dass dort wo neben der Elternschaft Partnerschaft fehlt, oft ein Zuviel an Mutter und ein Zuviel an Vater entsteht. Die Eltern versuchen dann entsprechend der in ihren gemachten Erfahrungen zu ihren Eltern, die fehlende emotionale Nähe zu ihrem Partner in der Nähe zu den Kindern zu kompensieren. Das heißt dann am Ende, dass das Kind dazu da ist, die Leere des jeweiligen Elternteils zu füllen. Dieses Zuviel an Mutter oder Vater, also Zuviel an „erster Frau oder Mann“ Erfahrung wirkt sich dann leider und zumeist auch unbewusst auf die spätere Beziehungsgestaltung und Partnerschaft aus. Das was die Eltern einem vorlebten, lebt man dann später genauso aus, entweder als Wiederholung des jeweiligen Musters, oder aber auch nicht selten als Gegenteil. Freud prägte dieses Phänomen indem er den Wiederholungszwang beschrieb. Die Folge ist, dass wir uns dann oft unbewusst Partner suchen, bei denen eher Mangel herrscht.

Eine Frau die einen Vater erlebte, der emotional nicht verfügbar war, wird sich also eher einen Mann suchen, der sich innerhalb einer Beziehung zurück zieht, statt die permanente Nähe zu suchen. Auffallend oft wiederholen sich derlei Konstellationen bei den Nachkommen kriegstraumatisierter Eltern, in der sich die Mutter um Kinder und Haushalt kümmerte und der Vater oft unterwegs war oder im Krieg. Eine Frau die solche Familienverhältnisse als Kind erlebte, wird sich also einen Partner suchen, der sie an ihren Vater erinnert und dann die Rolle der eigenen Mutter in ihrer Beziehung übernehmen, das heiß besonders fürsorglich, fast schon aufopfernd bis zur Dominanz, was ihren Partner folglich nur zu weiterem Rückzug führen wird. Was zu viel ist, ist einfach zu viel. Und so entsteht dann am Ende beidseitig das Gefühl, der eigene Partner wäre an einem nicht mehr interessiert, sondern nur nach an die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse interessiert. Der Vorwurf „Du denkst nur noch an Dich“ ist fast schon vorprogrammiert. Die Frau sucht Nähe. Der Mann sucht Abstand. Dass sich nur die Muster und Glaubenssätze der eigenen Eltern in einem selbst wiederholen wird dagegen oft nicht wahrgenommen, da die Übernahme dieser oft unbewusst und automatisch geschieht. Am Ende fühlt sich keiner mehr in seiner Beziehung zuhause. Und sobald sich jemand fremd fühlt in seinem „zu Haus“ ist der Seitensprung auch nicht mehr weit entfernt.

Meine Eltern sind seit mittlerweile 30 Jahren verheiratet. Obwohl meine Mutter in zweiter Ehe lebt, ich folglich also auch ein Scheidungskind bin, sie diesen Umstand mir gegenüber aber stets offen und ehrlich erklärt hat, war diese Tatsache kein Grund für meine mangelnde Selbstliebe. Ich erlebte ein Zuviel an Mutter, ein Zuwenig an Vater, aber trotzdem eine auf gegenseitem Verständnis basierende Beziehung zwischen meinen Eltern. In dieser

Hinsicht haben sich meine Eltern vorbildlich verhalten, auch wenn ich einen kleinen Wiederholungszwang in der Beziehung zwischen meiner jüngeren Schwester und ihrem Freund beobachte. Meine Mutter ist Erzieherin, meine Schwester arbeitet als Lehrerin. Ihr Freund ist Architekt, ihr Vater, mein Stiefvater ist Ingenieur. Wenn man die Berufe als Maßstab nimmt, lässt sich folglich eine Wiederholung feststellen, und was ich bislang kennen gelernt habe, ist, dass meine Schwester mit ihrem Freund in den Sechs Jahren wo sie zusammen sind, einen ähnlich harmonischen und liebevollen Umgang pflegt, wie meine Mutter mit ihrem Mann, meinem Stiefvater.

Warum ich das nicht haben konnte, habe ich glaube ich in meinem ersten Buch recht deutlich erklärt. Ich durfte nie der sein, der ich bin, weil meine Mutter meinte, es stets besser zu wissen und dies dann auch umsetzte immer mit dem Ziel mich einerseits zu schützen, andererseits aber auch zu einem mündigen Erwachsenen heranreifen zu lassen. Ich weiß, dass sie es nur gut meinte. Nachdem ich dies erkannt habe, fiel es mir leichter meine Mutter zu verstehen und ihr letzenendes zu verzeihen.
Mama ich hab dich lieb <3

Wer nicht weiß, wer er selbst ist, der wird nicht wissen, was er in einer Partnerschaft braucht.
(Dr. Mirriam Prieß)

Jeder Mensch strebt ein selbstbestimmtes Leben an. Dazu gehören bestimmte Rechte, manchmal auch Privilegien genannt, aber eben auch Pflichten auch als Verantwortlichkeiten bekannt. Meine Pflicht ist es, die ungünstig getroffenen Entscheidungen meiner Vorfahren, die sie mir gegenüber in der Vergangenheit gefällt haben, zu erkennen, möglicherweise auch zu verzeihen, um es dann bewusst und zu meinen Gunsten anders zu machen. Ich bin für mich im JETZT verantwortlich. NIEMAND SONST!!! Wir können nämlich irgendwann nicht mehr alles mit der Kindheit, Vergangenheit oder der Fehler unserer Eltern rechtfertigen. Nein irgendwann sind wir an Stelle unserer Eltern und müssen nach bestem Wissen und Gewissen unsere Kinder groß ziehen und Ihnen all die Liebe geben, die sie brauchen um zu werden, was sie sind, nämlich selbstbewusste, sich selbst liebende Menschen, die unser Erbe weiter geben. Ich finde diese Verantwortung für diese Aufgabe haben zu dürfen einfach nur gerecht und auch ein bisschen wundervoll.

Text von Leonard Anders
www.leonard-anders.de