Probleme mit dem Selbstwertgefühl sind die Ursache der meisten Persönlichkeitsstörungen und vieler anderer psychischer Probleme.

Jeder Mensch hat Minderwertigkeitsgefühle. Viele reagieren darauf mit Resignation und Kompensation. Um zu einem gesunden Selbstbewusstsein zu gelangen, müssen Sie Ihre Schwächen akzeptieren. – Das ist der erste Schritt zu Selbstsicherheit und Erfolg.

Zehn weitere Tipps helfen von da an weiter.

Jeder Mensch hat mehr oder weniger starke Minderwertigkeitsgefühle. Besonders stark ausgeprägt sind Minderwertigkeitsgefühle bei körperlichen Missbildungen. Die amerikanische Sprinterin Wilma Rudolph hatte beispielsweise Kinderlähmung und hinkte als Mädchen. Sie trainierte trotz ihrer Schwächen so lange, bis sie sogar zu einer Stärke wurden: 1960 erreichte sie in Rom einen dreifachen Sprint-Olympiasieg.

Der Psychotherapeut Alfred Adler hat sein Leben der Forschung von Minderwertigkeitsgefühlen gewidmet. Seiner Ansicht nach ist das wichtigste menschliche Bedürfnis das Streben nach Selbstsicherheit und Überlegenheit. Im Kontakt mit anderen Menschen äußern sich Minderwertigkeitsgefühle als Schüchternheit, leichte Verlegenheit, übertriebene Bescheidenheit, starke Eitelkeit, gesteigertes Geltungsbedürfnis und starkes Verlangen nach Lob und Anerkennung. Ein übermäßig stark ausgeprägtes Selbstbewusstsein ist nicht unbedingt positiv. Es kann beispielsweise zu Leichtsinn verführen. Extrem selbstsichere Menschen handeln oft mit einer naiven Sorglosigkeit und Unbekümmertheit. Besonders stark ausgeprägtes Selbstbewusstsein fördert ein konfliktreiches Zusammenleben mit anderen Menschen. Wer übertrieben sicher auftritt, erscheint oft rücksichtslos und hat deshalb mehr Feinde als Freunde.

Ganz normal: Minderwertigkeitsgefühle!

Nach Ansicht von Psychotherapeuten gibt es zwei Möglichkeiten, auf Minderwertigkeitsgefühle zu reagieren: Im Fall der Resignation wird die vermeintliche Minderwertigkeit als unüberwindbar angesehen.

Alfred Adler erkannte, dass Minderwertigkeitsgefühle aber häufig kompensiert werden. Dieser Ausgleich kann auf verschiedene Weise geschehen. Eine Möglichkeit liegt in der direkten Kompensation, wie bei der kindergelähmten Wilma Rudolph. Der Unsichere versucht damit seine Unsicherheit gerade in dem Bereich zu überwinden, in dem sie besteht.

Ein treffendes Beispiel dafür ist auch der Grieche Deosthenes. Er entwickelte sich durch gezieltes Training zu einem exzellenten Redner, obwohl er als Kind stotterte.
Eine zweite Methode, um Minderwertigkeitsgefühle auszugleichen, ist die Kompensation auf anderem Gebiet. Als Ersatz für eine Schwäche wird eine andere Fähigkeit besonders gut entwickelt. Wer beispielsweise körperlich nicht kräftig genug ist und im Sport wenig leistet, kann sich durch besonderen Fleiß auf geistig-theoretischem Gebiet profilieren. Wer im Beruf nicht weiterkommt, betreibt ein Hobby, für das er sich besonders stark engagiert. Durch diese Ersatzbefriedigung wird das Selbstbewusstsein verbessert.

Eine dritte Möglichkeit ist schließlich die Kompensation durch eine “als-ob-Sicherheit”. Wenn es einer Person nicht gelingt, ihr Selbstbewusstsein durch direktes Training der Schwäche oder durch Entwicklung von Ersatzfähigkeiten zu steigern, greift sie zu Täuschungsmanövern. Sie täuscht dabei nicht nur die anderen, sondern häufig auch sich selbst. Verhaltensformen dieser Kompensation sind: Trotz, Rechthaberei, Prahlerei, Imponiergehabe und Eigensinn. Die empfundene Minderwertigkeit wird dabei jedoch nicht verarbeitet, sondern verdrängt. Die Selbstsicherheit, mit der diese Menschen auftreten, ist also nicht echt und kann leicht erschüttert werden. Deshalb ist es wichtig, dass Sie ihr Selbstbewusstsein nicht vortäuschen, sondern von innen heraus entwickeln.

Wichtig ist außerdem, dass Sie Schwächen nicht durch Stärken ausgleichen, sondern sie auch akzeptieren. Nur dann ist die Grundlage für ein neues, gesundes Selbstbewusstsein gegeben.

So können sie ihr Selbstbewusstsein verbessern:

Finden Sie zunächst heraus, wodurch Ihre Minderwertigkeitsgefühle verursacht werden. Wenn Sie die Ursache kennen, besitzen Sie die wichtigste Voraussetzung, um Ihre Selbstsicherheit gezielt zu verbessern.

Trainieren Sie Ihre Schwächen. Die Hauptsache ist, dass Sie sich mutig zu Ihren Schwächen bekennen. Dann werden Sie auch geringe Verbesserungen als Erfolg empfinden.

Versuchen Sie ihre Fähigkeiten und Begabungen weiter auszubauen. So schaffen Sie einen Ausgleich (Kompensation) für Ihre Schwächen, die Ihnen dann nicht mehr so wesentlich erscheinen.

Freuen Sie sich über Ihre guten Leistungen auf einem Gebiet und seien Sie ruhig stolz darauf. Die persönliche Beurteilung Ihrer Leistungen ist für Ihr Selbstwertgefühl wichtiger als das Urteil anderer Menschen.

Machen Sie sich von den Meinungen Ihrer Mitmenschen frei. Handeln Sie nie gegen Ihre persönliche Überzeugung; nur dann fühlen Sie sich innerlich frei und selbstsicher.

Wenn Sie zum Beispiel im Beruf unzufrieden sind und im Moment keine Möglichkeiten sehen, sich zu verbessern, sollten Sie Ihre Fähigkeiten in einem Hobby entfalten. Dadurch gleichen Sie Ihre Enttäuschungen aus und verhindern eine Verstärkung Ihrer Unsicherheit.

Wenn etwas Schwieriges von Ihnen verlangt wird, versuchen Sie diese Aufgabe mit Optimismus zu lösen. Wenn Sie kneifen, werden Sie in Zukunft weniger Vertrauen in Ihre eigene Leistungsfähigkeit haben und dann auch bei leichteren Problemen versagen.

Seien Sie nicht so ehrgeizig, denn übermäßiger Ehrgeiz ist schädlich. Je ehrgeiziger Sie sind, desto schwerer können Sie Ihre hohen Ansprüche erfüllen.

Vergleichen Sie sich nicht so häufig mit anderen Personen. Es gibt bei vielen Tätigkeiten Menschen, die besser sind als Sie. Wenn Sie sich stets vergleichen, geraten Sie leicht in Gefahr, von sich selbst enttäuscht zu sein. Das beeinträchtigt nur Ihr Selbstwertgefühl.

Machen Sie den Satz “Was andere gut können, muss ich auch gut können.” nicht zu Ihrem Leitmotiv, denn gibt keinen Menschen, der auf allen Gebieten genauso gut ist wie die jeweils Besten.

Quelle: http://www.lifeline.de