Gestern war Muttertag. Eigentlich wollte ich sie nicht anrufen. Dann habe ich es doch getan. Nachdem mein leiblicher Vater mich anrief und mich fragte ob ich sie denn schon angerufen habe, geriet ich ins Grübeln. Ich habe lange mit mir gekämpft, vor allem auch nach den Antworten von Dr. Maaz (Kapitel 12.1.14) , der sagte, dass man selber entscheide ob man sich verletzen lasse oder nicht. Aber es ging mir gut. Ich hatte gerade mein Inhaltsverzeichnis zu Ende geschrieben und dachte mit diesem Erfolgserlebnis und diesem guten Gefühl im Rücken, könnte mir NIEMAND was antun. Doch mein brüchiges Selbst, mein verletztes Kind in mir, machte mir einen Strich durch die Rechnung.

Gut ist, wenn man trotzdem lacht, auch wenn das kleine Kind in einem mal wieder Terror macht. (Leonard)

Weil das zu kurz kam…
Der Grund für dieses, für „normale“ Leute unverständliche Verhalten.
Du hattest als Kind ja nie den safe space, den du daheim eigentlich haben solltest. Um wahrgenommen zu werden musst du immer aktiv auf dich aufmerksam machen. Und du wurdest seit Kleinkindalter auf Konkurrenzdenken getrimmt.
Du stehst also 24/7 unter Leistungsdruck. Und du hast verinnerlicht, dass du erst mal als Person wertlos bist. Erst durch Leistung und angepasstes Verhalten kriegst du ein wenig Zuwendung. Und danach ist man als Kind ja süchtig.
Dein Selbstwert wird dadurch ausschließlich von außen bestimmt.
Und das zerfrisst dich mal bis zur Pubertät. Da hab ich dann die Taktik gewechselt und wurde vom willfährigen Leistungsträger zum zynischen Misanthropen, der statt aus Lob, seine Energie aus Abwertung bis zur Demütigung Anderer saugt. (Ein anderer Narzisst)

Sie fragte mich wie jedes Mal, wie es mir geht. Und ich hatte vor, ihr zu sagen, dass ich nicht darüber reden möchte, um nicht wieder mir anhören zu dürfen, dass ich keine Rücksicht auf ihre Gefühle nehme, wo ich doch weiß, dass sie mit negativen Nachrichten über meine Befindlichkeit nicht umgehen kann, was ich auch tat. Sie meinte dann, wie jedes Mal, dass sie sonst nicht gefragt hätte und ich ruhig mit ihr darüber reden kann.

Aktuell bin ich mit meinem neuen Therapeuten aber tatsächlich bei Thema Mangelerfahrung mit meiner Mutter, also war mein Anruf im Grunde nur mit der Intention der Pflichterfüllung verbunden, mein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Im Grunde wollte ich sie nicht anrufen, so hatte ich das beschlossen. Warum soll ich am Muttertag die Frau anrufen, die mir so viel Leid antat und sich keiner Verantwortung bewusst ist?
Ich erzählte ihr also gerade was ich fühle. Ich fragte sie zudem, wann mein Cousin geheiratet habe, also vor vielen Jahren. Sie wusste nur noch, dass es an meinem Geburtstag war. An diesem verfickten Hochzeitstag haben sie alle an das Brautpaar gedacht, aber total vergessen, dass es auch mein Geburtstag war. Niemand, aber auch niemand hatte es auf dem Zettel und meine Mutter meinte noch, ich soll nicht enttäuscht sein, wenn niemand daran denken würde, da ich ja jedes Jahr Geburtstag habe, aber so eine Hochzeit nur einmal im Leben stattfindet. Lediglich meine Tante dachte von selbst daran und sagte mir schon vorneweg, dass sie mir meine Enttäuschung ansehen würde, sie es verstehen würde, aber leider auch nicht ändern. Dann habe ich meiner Großtante davon erzählt und sie hat es meinem Cousin erzählt, und dann haben sie alle für mich gesungen. Und das war mir hoch peinlich. Sie wären nie von sich aus darauf gekommen, wenn ich nichts gesagt hätte. Und meine Mutter hat meine Enttäuschung wie immer klein geredet. Ich soll mich nicht so anstellen. So was kann ja mal passieren.
Wenn ich dann aber weder mich am Muttertag oder an ihrem Geburtstag mit Blumen oder Pralinen bei ihr meldete, war sie enttäuscht und redete mir bis Weihnachten ein schlechtes Gewissen ein.
Gestern jedenfalls fragte ich sie, ob sie meinen Mangelschmerz von damals nachvollziehen könnte. Und sie sagte dann: „Weiß ich nicht. Ist mir auch gerade egal. Ich will nicht mit Dir darüber reden, weil heute Muttertag ist“.

Ich habe die Pille erst mal geschluckt. Der Schmerz trat später ein. Und dann wurde ich wütend. Und wenn ich auf meine Mutter wütend bin, kann alles passieren. Ich warte immer noch auf den Tag, wo mir alles egal ist und ich sie sowohl vor ihrem Arbeitgeber, als auch vor der Familie bloß stellen kann, damit sie endlich eine THERAPIE macht und sich zu ihren Taten bekennt und diese nicht wieder klein redet, weil sie es ja nur gut meinte und ich ruhig etwas mehr Dankbarkeit zeigen könnte.
Zu Ihrem 50. Geburtstag hat diese Frau die sich Mutter nennt, auch nicht eingeladen. Begründung: Sie habe Angst, dass ich sie blamieren könnte, indem ich eine Rede halte oder für sie singe.
Jeden aus der Familie aber lud sie ein. Nur mich nicht. Ich bin ja das schwarze Schaf der Familie. Auf anderen Familienfesten aber nutzte sie meinen Narzissmus eiskalt aus, indem sie mich dafür benutzte, für andere die große Showmasterin raushängen zu lassen. Das tut wirklich weh. Und ich habe große Probleme aus meinem Modus raus zukommen.

Es endete damit, dass ich dann trotz aller Bedenken wieder bei ihr anrief und sie auf ihrem Anrufbeantworter wüst beschimpft habe. Hab ich ein schlechtes Gewissen? Ich frag mal mein kleines Kind… Geht nicht…. Der Aggro Man steht vor ihm und beschützt es. Tut mir leid.

Text von Daniel S.