Es gibt ja viele Seiten im Internet von Leuten, die über den emotionalen Missbrauch narzisstischer Mütter schreiben, aber so wirklich passt das alles nicht und wenn dann nur Ansatzweise. Mag sein, dass ich wieder das Bild der Mutter schütze, aber daran kannst du erkennen Mama, dass ich Dich nicht verteufele. Im Netz jedenfalls werden viele narzisstische Mütter als Psychopathen beschrieben, die „gaslighting“ an ihrem Kind ausübten. Ich würde das bei Dir auch nur Abwertung und Selbsterhöhnung um narzisstische Zufuhr zu erhalten, nennen. Eine Psychopathin, bist du in meinen Augen nicht, auch wenn du viele böse Dinge getan hast, die im „gaslighting“ Artikel über narzisstische Mütter beschrieben werden. Ich habe mich für Dich und mich mit dem Thema gaslighting auseinander gesetzt. Falls du dich an meine SMS, die ich Dir aus Mainz geschickt habe, erinnern kannst, wurde ich erstmalig mit diesem Thema konfrontiert als ich mich in Mainz mit dem Entstehungsmodell der narzisstischen Persönlichkeitsstörung beschäftigt habe. In dieser SMS warf ich dir emotionalen Missbrauch vor. Dass du mich als Kind geschlagen hast, im Gegensatz zu Cord oder Dietmar, nehme ich Dir nach wie vor übel, weil du gelernte Erzieherin bist und Dich bis heute nicht glaubhaft bei mir dafür entschuldigt hast, bzw. zur Einsicht gekommen bist, dass deine körperlichen Misshandlungen an mir falsch waren. Ich kann mich an mindestens drei Erlebnisse aus meiner Kindheit erinnern, wo du mich geschlagen hast, in einer Art und weise, wie man niemanden schlagen sollte.
Das erste Erlebnis war am Graben in Lübeck, wo wir hingezogen sind, nachdem du dich von meinem leiblichen Vater getrennt hast und mit meinem Stiefvater Dir eine neue Zukunft aufbauen wolltest. Ich wurde wie du weißt im Alter von 6 Jahren das erste Mal am Ohr operiert. Als wir einige Tage später zum Fäden ziehen fahren wollten, hast du wie immer im Haus getrödelt, mich aber schon zu unserem Auto geschickt. Da mir langweilig war, bin ich auf den Spielplatz gegangen, der genau gegenüber von unserem Haus lag. Als ich die Rutsche hochging, kamst du aus der Tür und warst wie immer in Eile, weil du getrödelt hast. Deiner Aufforderung nicht zu rutschen bin ich nicht nachgekommen, weil ich ja schon fast oben war. Dann bist du aber auf den Spielplatz gekommen. Ich bin dann die Treppe an der Rutsche rückwärts runter. Als ich die Treppe halb nach unten gegangen war, standest du bereits davor. Dann hast du mich an meinem operierten Ohr gefasst und die letzten Stufen runtergezogen. Du hast mir fast das Ohr abgerissen. Ich hatte eine Risswunde knapp unterhalb des Ohrläppchens. Diese Narbe Mama, hab ich immer noch. Beim HNO- Arzt hast du dann auch nicht die Wahrheit gesagt, sondern Dich rausgeredet. Und ich durfte nicht die Wahrheit sagen, wer hätte mir denn geglaubt? Du hast ja selbst den Sprechstundengehilfinnen gesagt, dass sie mir nicht glauben sollen, weil es ganz anders war, angeblich. Denkst du, ich hab das nicht gehört? Ich hab aber den Mund gehalten. Ich wollte dir gefallen und ich wollte nicht schon wieder geschlagen werden.
Irgendwann danach, hast du Mal in der Küche gesaugt. Ich bin in die Küche rein und über den Staubsauger gestolpert. Anstatt mir dann zu helfen, bist du ausgerastet und hast noch mal nachgetreten. Und so war das immer. Entweder gab´s Schläge ins Gesicht oder Tritte mit dem Fuß. Mama, ich war ein Kind! Ich war nicht immer einfach, ich war wild, ich war laut und sicherlich auch manchmal vorlaut und frech, aber ist das ein Grund, mich zu schlagen? Deine einzigen Aussagen zu diesem Thema, waren, tut mir leid, ich konnte mich nicht beherrschen oder du hast es provoziert.

Wie ich mich damals gefühlt habe, war dir scheiß egal und ich glaube, das war dir nicht bewusst. Ich stell mir jedes Mal die Frage, ob es anders gewesen wäre, wenn dir bewusst gewesen wäre, was körperliche Gewalt bei einem kleinen Kind auslöst. Ich habe mich immer schuldig gefühlt, hatte immer Angst davor von dir geschlagen zu werden, und dass du mich nicht mehr lieb hast, wenn ich mal unartig war in deinen Augen. Im Alter von 11 Jahren habe ich mich dann gewehrt und zurück geschlagen. Ich weiß, dass ich kein einfaches Kind war, aber statt vordergründig zu gucken, dass ich funktioniere und diszipliniert bin, hättest du einfach in meine Seele schauen müssen, mich ggf. fragen können, wie ich mich fühle, was mir fehlt und wieso ich immer so austicke. Ich habe mich sehr oft, sehr schnell angegriffen gefühlt. Ich wollte einfach nur mal getröstet werden.

Leider hast du danach, trotz mehrmaligen Versprechens mich noch wenigstens 2x im Erwachsenenalter geschlagen und das aus Gründen, die nicht mal meine Therapeuten, Freunde oder Betreuer nachvollziehen konnten. Wir waren im Theater, Du, Papa und ich. Nach der Vorstellung gab es Standing Ovations und Applaus für die Schauspieler. Ich bin vom Sitz ebenso aufgesprungen und habe vor Begeisterung gejubelt und applaudiert. Euch beiden, aber in erster Linie Dir, war das unangenehm. Ihr habt mich gebeten mich zu setzen. Ich bin dem aber nicht nachgekommen, da ich mich aus meiner Sicht nicht falsch verhalten habe, zumal viele andere auch aufgestanden sind. Daraufhin wurde ich von Papa gekniffen, weil du ihn darum gebeten hast. Später dann hast du gesagt, dass du nie wieder mit mir ins Theater gehst weil ich mich aus deiner Sicht falsch verhalten habe. Ich kann dir noch einige Beispiele aus der Kindheit nennen, wo du sowohl meine Autonomie, als auch meine Wahrnehmung in Frage gestellt hast. Als ich Klassensprecher wurde, war ich richtig stolz, meine Mitschüler jedenfalls vertrauten mir, sonst hätten sie mich nicht gewählt. Deine Reaktion war für mich demütigend und verletzend zugleich.

„Ich freue mich für Dich, traue Dir das Amt aber nicht zu. Wenn´s nach mir gehen würde, würdest du das Amt wieder abgeben. Da es nicht nach mir geht, dulde ich es nur, aber stolz bin ich deswegen nicht auf Dich“

Das gleiche war dann bei der Wahl zum Schulsprecher Thema. Ich hab dann viel hinter deinem Rücken gemacht. Und du hast mir natürlich hinterher spioniert. Du hast Briefe gelesen, die nicht an Dich gerichtet waren. Du hast Notizen in Schulheften gelesen und mich damit konfrontiert. Die Begründung warum du das gemacht hast, war „Ich vertraue Dir nicht!“

Weißt du wie weh das tut und wie sehr das an meinem Selbstbewusstsein genagt hat. Meine Mutter traut mir das Amt nicht zu. Du hast mir vieles nicht zugetraut. Du warst auch nicht sehr begeistert, als ich mich entschied Fußball zu spielen, statt zu modeln. Du hast mich nur am Anfang zu spielen begleitet. Bei meinem aller ersten Spiel jedenfalls, welches in Kücknitz von statten ging, warst du nicht dabei. Ich bin ja bei dem Vater von Marc mitgefahren. Zu meinem 2. Spiel bist du auch erst am Ende erschienen. War ich Dir denn gar nicht wichtig?

Ich erinnere mich jedenfalls, wie stolz du darauf warst, mich im Fernsehen zu sehen. Dabei ging es nie um mich, sondern du konntest mit mir angeben. Ich frag mich eh, wie ich zu diesem Casting gekommen bin. Ich kann mich nicht daran erinnern, also hab ich mir bei Nachfragen anderer Leute immer eine Geschichte ausgedacht, bei der du gut weggekommen bist. Ich hab dich ganz oft in Schutz genommen, dich idealisiert und dich größer dargestellt, als du bist. Was war der Dank? Die Aussage du bist krank. Und das jedes mal, wenn Du und ich einen Disput hatten. Wirklich jedes Mal kam von Dir die Aussage:

„Überprüf mal deine Wahrnehmung“ oder „Du bist krank, nicht ich“ oder „Du hast ADHS, das sagt alles“.
Wenn ich dich jetzt frage, warum du das getan hast, sagst du entweder, dass das nicht stimmt, dass das meine Wahrnehmung ist oder dass du dich nicht daran erinnerst. Du sagest auch immer mal wieder, dass dir vieles leid tut, was du getan hast, aber warum machst du dann die meisten Fehler von damals, heute auch noch? Und wieso merkst du nicht, dass du diese Fehler wiederholst? Hast du Angst, dass ich mich mit deiner Antwort nicht zufrieden gebe?

Irgendwann hab ich das realisiert und dich jedes Mal angelogen. Aussagen die ich getätigt habe, die von mir stammten, habe ich den Mund von Therapeuten oder anderen Leuten, von denen ich wusste, dass du denen mehr glaubst als mir, gelegt, damit Du nicht rummeckerst. An einer Therapeutenmeinung kann man nicht rummeckern, der ist ja vom Fach, das waren deine Worte. Zu Fritz Schellberg hast du mich ja auch nur geschickt, weil du gehofft hast, dass Du und ich uns danach besser verstehen. Hast du jemals in Erwägung gezogen, dass du vielleicht auch krank bist und nicht nur ich? Wenn man sich die Entstehungsgeschichte der narzisstischen PS anguckt, und ich bin eindeutig als Narzisst diagnostiziert und dann in Zusammenhang mit unserer Beziehung stellt, dann kann man durchaus davon ausgehen, dass auch Du an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung erkrankt bist. Und auch wenn ich zu Oma ein gutes Verhältnis hatte, weiß ich sehr wohl, dass Oma auch nicht immer eine gute Mutter war. Du hast viel einstecken müssen, das weiß ich und du hast viel kompensiert. Du wolltest bei mir vieles anders machen, aber leider hast du fast alles genauso gemacht, mit dem Unterschied, dass ich als Kind von Dir, einer Erwachsenen abhängig war. Andere Kinder hast du immer freundlicher und liebevoller behandelt, als mich. Wenn ich Besuch bekam, der mal rein durfte, weil oft durfte ich ja nicht mal jemanden mit rein bringen, nur solche, deren Eltern du kanntest, warst du zu den Kindern immer freundlicher als zu mir. Das hat sich bei meinen Ex- Freundinnen gezeigt, auch Arno und Gerd gegenüber warst du verständnisvoller und empathischer zugewandt. Warum aber konntest du nicht so mit mir umgehen?

Bin ich Dir egal Mama? Sind dir meine Gefühle wirklich egal? Oder empfinde ich das nur so? Nur dann frag ich mich, warum ich so empfinde, warum ich denke, dass ich Dir egal bin? In Konfliktsituationen, hast du oft abgeblockt, vom Thema abgelenkt oder das Thema für beendet erklärt, wenn du gemerkt hast, dass ich Recht hatte und dir auch verbal überlegen war. Und jedes Mal wenn du abgeblockt hast, war ich traurig, konnte dir das aber nie zeigen, also habe ich das mit Wut kompensiert. Du hast nie gesagt, dass ich recht habe. Du hast immer nur gesagt, ich möchte mit Dir darüber nicht reden. Wie aber soll ich meinen Frieden mit Dir finden, wenn Du nicht mit mir darüber reden willst und immer von vornherein davon ausgehst, dass ich unrecht habe, obwohl die Möglichkeit besteht, dass auch du mal unrecht hast?
Stimmt, ich erinnere mich, ich bin ja krank! Und du denkst, dass das nicht krank ist? Mama dann lies die folgenden Seiten und du wirst sehen, so krank bin ich gar nicht!

Was ich auch wissen möchte, was sich mir einfach nicht erklären will, warum Du mir wenn´s um Klamotten ging nie wirklich das gekauft hast, was mir gefallen hat. Es ging ganz oft nach deiner Nase, oder aber ich musste einen Kompromiss eingehen. Dein Argument, ich zahle, also muss es mir gefallen, zählt nix. Denn ich muss damit rumlaufen und ich bin nicht deine Puppe, der du die Sachen anziehen kannst, Dir die gefallen. Und jedes Mal, hast du erwartet, dass ich dafür Danke sage. Warum soll ich mich für etwas bedanken, was ich eigentlich gar nicht haben will? An Weihnachten fragst du mich, immer was ich mir wünsche. Ich habe dir geschrieben, Bücher und Konzertkarten. Klamotten kauf ich mir selber. Was bekomme ich? Klamotten und ein Buch. Konzertkarten schenkst du mir nicht mehr. Und dann soll ich danke sagen, für Sachen, die du gekauft hast, weil sie dir gefallen. Hast du jemals ernsthaftes Interesse daran gehabt mir eine echte Freude zu machen? Ich bin einfach nur ehrlich, wenn ich sage, dass ich mich dann lieber über NICHTS freue, als über irgendwelche Verlegenheitsgeschenke wie Shampoo, Deo oder Socken. Wenn du wenigstens die Produkte kaufen würdest, die ich selber benutze. Aber nicht mal das fragst du. Und darüber soll ich mich freuen, weil es sonst undankbar wirkt. Bitte kauf mir nie wieder Sachen, die ich nicht haben möchte. Entweder schenkst Du mir, das was ich mir wirklich wünsche, oder aber du lässt es bleiben!

Kannst du mir mal sagen, ob du diese unbeantworteten Fragen mit ins Grab nehmen willst? Ist das dein Erbe an mich, deinen Sohn? Möchtest du so sein, wie deine Mutter? Kannst du dich an Omas Tod erinnern? Glaubst du, dass sie glücklich war?
Und jetzt frage ich Dich, kannst du mit dem jetzt gewonnenen Wissen, am Ende deines Lebens, glücklich von dieser Welt gehen?

In Kapitel 5 gehe ich auf unsere Aussprache ein, nicht dass du denkst, dass ich dieses Buch mal wieder nur nutzen möchte, um mit dir abzurechnen und/oder dir für alles die Schuld zu geben. Nein, es geht mir nur darum dir mitzuteilen, wie ich mich als kleines Kind gefühlt habe.

Was ist eigentlich Gaslighting?
Es gibt im Internet wie ich erwähnte eine Seite, die sich Töchter narzisstischer Mütter nennt. Auf dieser Seite habe ich bereits zu Beginn meines Appells hingewiesen. Ich möchte gerne mit dem Gerücht aufräumen, es könne sich dabei um den Fachbegriff für den emotionalen Missbrauch der Mutter am eigenen Kind handeln. Meine Mutter ist bestimmt in vielerlei Hinsicht sehr narzisstisch. Aber sie hatte selbst eine schwere Kindheit. Ihr Verhalten ist natürlich keine Entschuldigung für das, was sie mir dann angetan hat, aber ihr jetzt deswegen den Vorwurf zu machen, sie hätte gaslighting betrieben, empfinde ich als unangemessen. Ich habe mich intensiv mit dem Begriff auseinander gesetzt. Ebenso habe ich differenziert zwischen den drei Narzissmustypen und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass gaslighting von bösen Narzissten betrieben wird. Böser Narzissmus, auch maligner Narzissmus genannt, ist keine rein krankhafte narzisstische Persönlichkeitsstörung sondern ein Kombityp, bestehend aus krankhaftem Narzissmus und Antisozialem Verhalten oder wie es im ICD- beschrieben wird, eine dissoziale bzw. antisoziale Persönlichkeitsstörung. Aber was genau ist jetzt gaslighting?

Gaslighting ist eine Form von psychischem Missbrauch. Der Begriff wurde geprägt durch den 40er-Jahre-Film “Das Haus der Lady Alquist”, im Original “Gaslight”. In diesem Film manipuliert ein Ehemann gezielt Gegenstände, um seine Frau in den Wahnsinn zu treiben. Er streitet ihr gegenüber ab, etwas von den merkwürdigen Vorgängen (beispielsweise flackernde Gaslampen) zu bemerken oder schiebt ihr die Schuld für verschwundene Gegenstände (die er zuvor entwendet hat) in die Schuhe – er macht das so lange, bis seine Frau tatsächlich an ihrem Verstand zweifelt. Da der Film halt irgendeinen Plot haben muss, geht es letztlich darum, dass der Mann seine Frau deshalb in den Wahnsinn treiben möchte, damit er sich ungestört mit ihren Juwelen aus dem Staub machen kann.
Aus dieser von einem Film geprägten Bedeutung, jetzt abzuleiten, dass Mütter genauso handeln, nur weil sie die Wahrnehmung ihres eigenen Kindes öfters in Abrede stellt und dies somit eine Form des Gaslighting darstellt, ist nirgendwo begründet. Kein Mediziner oder Therapeut, selbst Alice Miller nicht, haben einen Zusammenhang zwischen der narzisstischen Zufuhr innerhalb einer Mutter- Kind Beziehung und dem Gaslighting abgeleitet.
Gaslighting, wie er beschrieben wurde, wurde früher in der Stasi- Zeit eingesetzt um Verfolgte einzuschüchtern. Personen die damals mit der Stasi im Clinch waren, wurden abgehört, auf Schritt und Tritt verfolgt, es wurde bei Ihnen eingebrochen, wie im Film wurden Dinge verändert, um die Wahrnehmung der Verfolgten zu täuschen, um ihr Verhalten letztendlich zu manipulieren und um ihnen glaubhaft zu machen, sie wären wahnsinnig. Das ist natürlich alles sehr plakativ, verdeutlicht aber ganz gut, worum es sich beim Gaslighting handelt – auch wenn die Motive in echt wohl eher selten so offensichtlich, sondern im Gegenteil nur schwer zu ergründen sind. Es geht dem*der Täter*in darum – warum auch immer –, den Glauben des Opfers an die eigene Wahrnehmung zu zerstören.
Sicherlich tun dies auch narzisstische Mütter, aber nicht weil sie ihr Kind kaputt machen wollen, sondern weil sie der Meinung sind, sie hätten Recht. Das ist der Mangel an Empathie der hier zutragen kommt, innerhalb der Mutter- Kind Beziehung. Beim Psychopathen oder bösen Narzissmus, besteht nicht bloß ein Mangel an Empathie, sondern auch ein fehlendes Schuld- und Reuegefühl. Ich hatte in der Aussprache mit meiner Mutter (siehe Kapitel 5) nicht das Gefühl, dass meine Mutter nicht einsichtig ist, mehr noch taten ihr viele Dinge leid. In diesem Theaterstück, welches den Begriff des Gaslighting prägte, ist keinerlei Reue oder Schuldempfinden auf Täterseite zu erkennen.
Ebenso kann man davon sprechen, dass Stalking eine Form des Gaslighting darstellt. Opfer von Stalking werden ebenso verfolgt, bei ihnen wird eingebrochen und vor Gericht dann, wird ihre Wahrnehmung von den Tätern in Frage gestellt. Bevor es das Stalking- Gesetz gab, sprach man von Körperverletzung oder übler Nachrede. Mittlerweile ist klar, dass Stalking eine sehr grausame Form des psychischen Missbrauchs ist. Viele Opfer werden am Ende ermordet, bringen sich selber um oder landen in der Langzeitpsychiatrie, weil sie mit den Folgen dieses Missbrauchs nicht fertig werden.
Wie Gaslighting in der Realität ausschaut, ist verschieden, aber man kann von folgenden Tatsachen ausgehen:

Der*die Täter*in
spricht den Gefühlen der Betroffenen ihre Berechtigung ab
behauptet, man hätte etwas getan, woran man sich nicht erinnern kann
leugnet, selbst etwas getan oder gesagt zu haben
bestreitet, dass ein bestimmtes Ereignis wirklich stattgefunden hat
gibt betroffener Person die Schuld, zum Beispiel für Streit, Schwierigkeiten in der Beziehung, das Scheitern von Freundschaften oder Probleme am Arbeitsplatz
dreht einem die Worte im Mund um und/oder legt einem Worte in den Mund
wirft unangemessene(s) Verhalten / Körpersprache / Bekleidung vor
redet betroffener Person ein, dass diese etwas nicht kann, nicht gut genug ist, unqualifiziert ist

Wenn ich ehrlich bin, treffen 2-3 Punkte auch auf meine Mutter zu, aber manche Punkte treffen eben auch nicht zu. Deswegen jetzt zu der Aussage zu kommen meine Mutter wäre eine Psychopathin und würde mit mir Gaslighting betrieben haben, finde ich sehr weit hergeholt. Ich gehe im Laufe des Buches und im Rahmen der Entstehungsgeschichte noch näher auf diese Thematik ein.
Meine Mutter hat meine kindlichen Bedürfnisse nicht vollends erfüllen können, teilweise nur unter Bedingungen, die sie gestellt hat. Sie hat mir weh getan, das ist offensichtlich, aber sie hat mich nicht in den Wahnsinn getrieben, geschweige denn kaputt gemacht. Ich kann böse auf sie sein, ich kann ihr für vieles die Schuld geben, aber ich kann sie nicht nachhaltig dafür hassen, wenn ich Kenntnisse über ihre Kindheit habe. Ich weiß, dass sich meine Vorwürfe im Appell, sehr verletzt klingen, aber mit der Durchleuchtung des Begriffes „Gaslighting“ möchte ich noch mal darauf hinweisen, dass Gaslighting keinerlei Bezug hat zur Mutter- Kind- Beziehung. Ich bin kein Arzt oder Psychologe, aber ich würde der Verfasserin der Website „Töchter Narzisstischer Mütter“ ans Herz legen, ihre eigenen Narzisstischen Anteile zu überprüfen und sich gegebenenfalls mit sich, dem inneren Kind und den Folgen näher auseinander zu setzen, gern auch in Form einer Therapie.

Text: Leonard Anders