Mehr (Selbst-)Liebe fürs innere Kind mit Hilfe des gesunden Erwachsenen
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(Liebesbrief an meinen gesunden Erwachsenen)
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Unser Autor war lange Zeit nicht in der Lage die Liebe seiner Freundin anzunehmen. Er war schlichtweg unfähig Gefühle anderer wahrzunehmen und anzuerkennen. Mittlerweile hat er mit Hilfe diverser Therapiemethoden zu sich gefunden. Eine davon war das Heilschreiben. Vor kurzem war der WDR bei ihm um sein Leben im Rahmen von Menschen hautnah zu verfilmen. Für die Kamera und unser Magazin hat er exklusiv einen Text verfasst, der nochmal einen tiefen Einblick gibt in einen ehemals schwer traumatisierten Menschen, der sich mit Hilfe des Schreibens fast (wie von) selbst befreite.
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Mein Name ist Leonard, und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, so viel habe ich Dir zu erzählen.
Es fing alles damit an, dass ich mich so einsam fühlte, obwohl ich nie wirklich alleine war. Ich hatte immer Menschen um mich herum. Dennoch spürte ich diese Leere. Ich wusste nicht, was es war, was diese Leere ausmachte. Ich konnte dem Gefühl keinen Namen geben. Es war nicht nur Sehnsucht nach Zuwendung, Aufmerksamkeit, Bestätigung und Nähe, sondern auch der Wunsch, für jemanden etwas ganz Wichtiges und Besonderes zu sein.

Meine Suche nach Dir begann …

Ich habe mich schon immer ungeliebt gefühlt, unbeliebter als all die anderen Menschen auf diesem Planeten. Ich dachte, man mag mich nicht, ich wäre Abschaum und das nicht nur bloß im Albtraum. Ich habe angefangen, mich zu hassen, ohne zu wissen, wofür ich mich hasse. Ich weiß es immer noch nicht; denn niemand sagte mir warum er mich scheiße findet. Ich war der vollsten Überzeugung, dass jeder mich ablehnen würde. Ich litt sehr darunter und idealisierte dann irgendwann die große Liebe.
Tief im Inneren wusste ich, dass auch ich wunderschön bin, und genauso spürte ich, dass ich jemand ganz Besonderes bin. Doch bislang hat mir das noch kein Mensch glaubhaft vermitteln können. Kein Mensch tat es oder konnte es, keiner aus dem World Wide Web, keiner aus meinem näheren Umfeld und kein Wesen von der Straße – und auch wenn ich es wusste, konnte ich es nie fühlen, geschweige denn annehmen, wenn es mir gesagt wurde, bis Du mir vorgestellt wurdest.

Ich lernte Dich dann kennen. Du warst schon immer ein Teil von mir. Den Kontakt vermittelten ganz tolle Therapeuten, Menschen, die mir wirklich helfen wollten und bei denen ich mich dann auch geborgen fühlte. Ich lernte mit dir zu kommunizieren und dann hast du es mir gesagt, und dann habe ich nach anfänglichem Zögern angefangen an deine Worte zu glauben und nach Ihnen zu leben.
Ich habe bestimmt von vielen anderen vor Deiner Zeit und bevor ich wusste, dass es Dich gibt, gesagt bekommen, dass ich liebenswert bin. Doch ich habe es nie glauben können. Ich konnte es einfach nicht annehmen, weil ich mich selbst nicht liebenswert fand. Wenn Du mir das nicht gesagt hättest, wer dann?

Ich bin dem Schicksal so dankbar, dass ich Dich kennenlernen durfte. Dank Dir heilen langsam meine Wunden meiner schlimmsten Kindheitserlebnisse. Der Missbrauch an mir, konnte endlich verarbeitet werden. Dank Dir muss ich nicht mehr hassen. Dank Dir lerne ich zu lieben – erst mich selbst, dann die anderen. Ich danke Dir 🙂

Dein inneres Kind

Dieser kurze Liebes Bzw. Dankesbrief an meinen gesunden Erwachsenen entstand während meiner stationären Psychotherapie, die ich gemacht habe, weil ich sie dringend gebraucht hatte, weil es meinem inneren Kind (mir) so schlecht ging, wie nie zuvor. (Zumindest fühlt es sich jedes Mal so an) Ich war völlig am Ende. Meine Resilienz war aufgebraucht. Und wenn man selbst nicht weiß wie man weiter leben/machen kann und „alles“ was einen umgibt, irgendwie sinnlos erscheint, dann kann man weder ein guter Freund/ Partner für andere sein, noch für sich selbst gut sorgen. Meine Gedanken schwelgten zwischen Selbstmord und Amoklauf. Ich hatte gar Angst vor mir selbst, Angst die Kontrolle zu verlieren und mied entsprechend auch Orte, wo ich wusste, dass die was bei mir auslösen konnten. Wenn man als Kind nur missbraucht wird, verliert man irgendwann auch den Glauben an das Gute im Leben. Ich hatte mich schlichtweg aufgegeben.

Ich habe immer wieder erlebt/ gelesen wie manch Frau/Mann der Ansicht war, dass man mit genug Liebe den anderen heilen könnte. Und ich verstehe bis heute nicht wie mann oder frau darauf kommt. Ich konnte die Liebe meiner Freundin/ Partnerin nicht annehmen. Ich konnte ihr nicht glauben, ich konnte sie nicht spüren, nicht fühlen, aber ich hatte Angst davor sie zu verlieren. Ich wollte, dass sie glücklich ist, aber irgendwie erschien ich mir selber nicht gut genug, weswegen auch viele meiner Beziehungen schnell scheiterten. Ich war damals noch nicht bereit.

Ich konnte mich nicht lieben, wusste nicht ob ich meine Partnerin lieben kann, mehr noch zweifelte ich daran, dass meine Partnerin jemanden wie mich so lieben könnte, wie ich bin. Ich fand mich einfach absolut nicht liebenswert. Ihre Liebe war „quasi“ umsonst und verschwendete Liebesmüh. Aber sie wollte nicht loslassen. Sie klammerte sehr und war der festen Überzeugung, dass, wenn sie nur lange genug an mir festhalten würde, mir beistehen würde oder mich mit Liebe zuschütten würde, dass ich dann „aufwache“ um ihr ein guter Freund/ Partner zu sein. Und ich versuchte ihr zu glauben, hielt daran fest, aber war irgendwann nicht mehr im Stande diese für mich immer größer werdende Last zu tragen. Meine Fassade bröckelte ständig. Ich stand unter enormen Druck. Und unter meiner Maske juckte es. Ich wollte ein guter Liebhaber sein, ein guter Mensch, aber ich hielt mich dafür nur im Traum.

Wenn man sich aber nicht sicher ist, kaum oder keine Selbstliebe in sich trägt, dann ist alles was von Außen kommt nicht verifizierbar, weil es im Inneren keine Resonanz gibt, also nichts, was dem zustimmen kann, nichts was das kommende annehmen kann und nichts, was für einen Ausgleich sorgen kann. Da war nichts, was mir Vertrauen gab und nichts wo ich mich festhalten konnte. Selbst der viele Sex kompensierte nichts auf Dauer.

Die schlimmste Art jemanden zu lieben, ist die Liebe, die einseitig ist, mag sie noch so bedingungslos sein. Wenn nichts zurück kommt, nicht mal ein Danke, dann zweifelt der Partner an sich und an allem, was er zu geben bereit ist. Der Glaubenssatz „Ich bin nicht gut genug“ oder „Nichts, was ich tue ist gut genug“ bzw. „Ich bin unfähig es dir recht zu machen“ manifestiert sich Und so erging es vielen meiner Freundinnen, besonders dieser einen Frau. Und so war es am Ende auch. Sie verzweifelte immer mehr. . Sie opferte sich auf. Sie konnte es mir aber nicht recht machen. Nichts, was sie bereit war, mir zu geben, konnte mich glücklich/zufrieden stimmen. Auch sie war am Ende machtlos gegen meinen „inneren“ Feind. Sie war nicht im Stande meinen Widerstand zu brechen. Ich kokettierte also immer recht schnell mit einer Trennung bis ich diese dann irgendwann auch vollzog.

Ich war zu stark im Abwehr bzw. Schmerzvermeidungsmodus. Ihre Liebe kam bei mir nicht an. Die letzte Rettung für mich war die Therapie, die ich dann auch antrat, zu stark waren meine Selbstvernichtungsgedanken, zu groß war der Wunsch zu sterben. Es gab absolut nichts, was mir eine Freude machte.. Nichts war für mich gut genug, um es anzunehmen. Und jeder der mir wiedersprach, den hasste ich umso mehr.

Ich fing schon als Kind an Gedichte zu schreiben, welche ein gutes Ventil für mich waren um das, was in mir war irgendwie rauszulassen. Irgendwann aber hörte ich auf zu schreiben und kompensierte meine innere Leere mit dem Internet. Ich hatte an die 50 Dates mit Frauen, die alle anfänglich bereit waren mir ihr Herz zu schenken, was ich aber NULL komma Null wertschätzen konnte. Und ja es tut mir leid, für jede einzelne Seele, jedes einzelne innere Kind, was ich dadurch ebenso verletzt oder missbraucht habe.

Dann trat ich die Therapie an, Schematherapie um genau zu sein, also Arbeit mit dem inneren Kind. Es gab Schematherapiegruppen, Einzelgespräche, Ergotherapie, Achtsamkeitstraining, Wahrnehmungstherapie, Körpertherapie und Sporttherapie. Eine bunte Mischung.

Schließlich lernte ich die Methode des Heilschreibens kennen. Genauer gesagt wurden wir animiert Tagesberichte zu schreiben in denen wir unseren Tagesablauf auf Station reflektieren. Es ist ja durch mehrere Studien bewiesen, dass Aufgeschriebenes sowohl befreit, als auch hilft, Reflektiertes /Aufgearbeitetes zu verankern. Mit Hilfe dieser Methode war es mir möglich, mich selbst zu spüren und das, was ich in mir trug unreflektiert rauszulassen um es dann im weiteren Verlauf des Schreibens reflektiert loszulassen. Ich fand somit auch wieder einen Zugang zu meinem inneren Kind.

Ich schrieb wieder Gedichte. Ich tat wieder Dinge, die ich als Kind geliebt habe. Ich liebte es zu schreiben. Manche dieser Gedichte durfte ich auf Station vortragen. Meine Mitpatienten waren begeistert. Ich schöpfte neuen Mut in diese vergessene Stärke. Und mein inneres Kind freute sich über die Anerkennung. Und so entstand dann schließlich auch mein Buch „Ein Narzisst packt aus“. Ich informierte mich sehr akribisch über das Thema, welches ja auch meine Diagnose war. Und ich stellte fest, dass es bislang nur Bücher über die Außenansichten von sogenannten Narzissten gibt, aber eben kein Buch, was die Innenansichten beschreibt. Und das habe ich schlussendlich dann auch getan- nämlich meine Innenansichten preisgegeben um anderen Menschen zu helfen, ebenso zu sich selbst zu finden.

Ich kann jeden Menschen nur dazu ermuntern, erlebtes, bewegendes, belastendes aufzuschreiben, dazu gehören nicht nur negative Emotionen sondern auch positive. Das heißt, ich möchte sie alle dazu ermutigen, Liebesbriefe an sich selbst, an ihr inneres Kind oder einen geliebten Menschen zu schreiben. Denn nur wer schreibt, kann sich befreien. Nur wer schreibt, der bleibt. Ich bin total glücklich JETZT zu leben. Meine Diagnose hat sich auch gewandelt. Ich bin jetzt kein Narzisst mehr. Ich bin ein Mensch, mit gesunden Ressourcen, einem inneren Kind, was immer heiler wird. Und ich habe jetzt eine wirklich tolle Partnerin an meiner Seite. Ich liebe Dich liebe E.

Text von Leonard Anders
www.leonard-anders.de