Ich erinnere mich noch an ihren Namen. Ich weiß sogar noch genau, wann das war. Und ich weiß ebenso, dass es nicht aus Liebe geschah. Was ich dann auch wenig später in einem Gedicht fest halten musste.

Ich war wieder in Rickling. Diesmal aber auf der Borderline- Station. Ich wollte da meine erste Therapie versuchen. Also wirklich, wenn ich vorher gewusst hätte, was mich erwartet, hätte ich mich garantiert nicht darauf eingelassen. Aber ich möchte gerne auf den Punkt kommen.

Ihr Name war Steffi. Sie war neu auf der Station. Sie hatte tiefschwarze Haare wie ich. Sie sagte, sie wäre eine ehemalige Strichgängerin und sie habe Borderline. Und gleich fing das Getuschel auf Station an. „Seid ihr Geschwister?“ Menschen denken so! Ich nahm Steffi dann auch gleich mit zum Chor. Auf dem Weg zur Kapelle, wo das Singen immer stattfindet, sagte Steffi zu mir: „Vielleicht wird ja aus uns was“. Die Sterne leuchteten am Himmel, ich war immer noch Jungfrau und ich bekam von einer Mitpatientin, die ebenfalls schwarze Haare hatte, ein verlockendes Angebot. Aber irgendwie war ich auch unsicher. Ich war in Bezug auf Frauen recht unerfahren und hatte nur überwiegend schlechte Erfahrungen gemacht mit Frauen. Das habe ich sie auch wissen lassen. Sie sagte dann, dass ich mich von meinen schlechten Erfahrungen lösen solle, denn nur so kann ich auch eine gute Erfahrung machen. Sie hatte sicher recht damit, aber sollte ich diese Erfahrung ausgerechnet mit ihr machen? Ich fragte sie dann, ob sie gerne auf Zunge küsst. Ich war immer noch heiß auf Zungenküsse. Der mit Sandra war auch schon länger her. Sie sagte, sie würde es mögen, aber nicht so gut können, da ihre Nase dauernd verstopft sei und sie deswegen durch den Mund atmen müsse. Mir zuliebe, gab sie sich dann aber einen Ruck und wir küssten uns auf Zunge. Da ich Schiss hatte, beobachtet zu werden, dauerte der Kuss auch nur 5 Sekunden. Ich weiß nicht mal ob es ihr gefallen hatte, wie ich küsse. Aber mir gefiel es einigermaßen.

Einen Tag später meinte sie dann, sie wolle gerne mit mir schlafen. Ich sagte ihr, dass ich noch Jungfrau sei. Von da an, wollte sie das noch mehr. Und je mehr sie drängelte, desto weniger Lust hatte ich. Ich wollte es langsam angehen lassen. Wir waren auch gerade mal eine Woche zusammen und so oft geknutscht hatten wir auch noch nicht. Und überhaupt, finde ich dass die Psychiatrie nicht gerade der perfekte Ort dafür ist.

Und dann kam der Tag an dem sie sagte, entweder du schläfst mit mir, oder ich tue mir etwas an. Ich dachte, sie meint das nicht ernst. Wegen so was tut man sich doch nichts an. Also sagte ich Nein. Und dann ging sie kurz auf ihr Zimmer und kam wenig später mit einer Schnittwunde im Arm zurück und ließ sich von den Schwestern versorgen.

Am nächsten Tag dann, waren wir zusammen im Kino. Einfach so. Und auf dem Rückweg meinte sie, dass sie findet, dass wir lange genug gewartet haben und es egal wäre ob wir heute schlafen oder erst in drei Monaten. Ich bekam Angst. Aber nochmal nein sagen konnte ich auch nicht. Die Angst, dass sie sich nochmal was an tut war größer. Also sollte es heute also passieren. Wir verabredeten uns für 19 Uhr auf meinem Zimmer. Jetzt war es kurz vor halb Sechs. Gleich würde es Abendbrot geben. Sie hatte kein Hunger und ich aß nur eine Scheibe Weißbrot mit Nutella. Und dann ging ich nach vorne auf den Flur um eine zu rauchen. Und kurz vor 19 Uhr, kam sie dann. Sie sagte, sie gehe jetzt duschen und danach würde sie zu mir kommen. Ich war mir wieder sehr unsicher. Ich beschloss ins Schwesternzimmer zu gehen und mich mit Bedarf voll zu schießen. Ich nahm sogar meine ganze Tagesration an Bedarf und hoffe, möglichst schnell einzuschlafen. Kurz nachdem ich mich ins Bett gelegt hatte, kam sie dann. Nach einem Kuss und etwa 2 Minuten blasen, so genau weiß ich es nicht, denn damals hab ich nicht auf die Uhr geschaut, sollte ich dann in sie eindringen. Ich kam rein, aber stellte mich blöd an. Ich wusste ja nicht, dass man stoßen muss und das tat ich nicht. Sie aber stöhnte trotzdem. Kurz darauf sagte sie dann, sie wolle auf mir reiten. Nach relativ wenig Zeit, kam´s mir dann. Vielmehr kam ich in Ihr. Sie stand auf, ging ins Bad, wusch sich und verließ dann das Zimmer. Ich hatte gerade mein Erstes Mal erlebt und wusste nicht was ich davon halten sollte. Irgendwie hatte ich mir mehr davon versprochen. Sex war doch auch damals schon das Lieblingsthema der Deutschen. Was die alle so gut daran finden, wusste ich aber nicht. Kurze Zeit später rief dann mein Vater an. Komischerweise ruft er immer dann an, wenn ich gerade etwas richtig Blödes getan habe oder tun wollte. Ich bin mir nicht mal sicher, ob er das weiß, dass er 2x anrief, als ich mir das Leben z.B. nehmen wollte (2 Jahre voll intensivem Schmerz). Jedenfalls erzählte ich ihm von meinem ersten Mal. Und was er dann sagte, werde ich nie mehr vergessen.

„Poppen geht schnell vorbei“

Und dann sagte er noch, dass der Orgasmus nicht das wichtigste sei, sondern das ganze drum herum. Wenn das drumherum stimme, dann brauch man keinen Orgasmus. Und das wurde ab dem Zeitpunkt mein Leitspruch.