Der wahre Wert der Selbstliebe

Ich bin dies und das und will dass es passt. Und am Ende erlebe ich dann doch eine Beziehung, wie im Knast. Wem geht’s da genauso?
Ich weiß was ich will, schreibe aber oft was ich nicht will und bekomme dann genau das. Kennen Sie das auch so?
Und Warum sagen wir nicht was wir wollen? Etwa aus der Angst heraus es nicht zu bekommen? Oder ist es hier auch der Glaubenssatz der greift, es nicht verdient zu haben glücklich zu sein, oder nur etwas Gutes zu erfahren, wenn man sich dafür aufopfert, sich verbiegt also im Grunde genommen die Angst bekämpft, es wieder zu verlieren?
Und wenn wir es dann doch mal bekommen haben, warum erkennen wir den Wert meist erst, wenn es uns wieder weggenommen wurde?

Projiziere ich gerade? Projizieren sie gerade? Oder gilt dieser Spiegel wirklich für jeden, außer Sie und mich? Es ist einfacher auf das Außen zu schimpfen, als zu sich selber liebevoll zu sein. Aber warum machen wir uns selbst damit das Leben so schwer? Hat es nicht jeder verdient glücklich zu sein? Hat nicht jeder das Recht auf eine harmonische Beziehung zu sich selber und damit auch zu anderen? Oder ist das jetzt reines Wunschdenken, welches meiner Phantasie entspricht, aber im wirklichen Leben nicht umzusetzen ist? Ja? Nein? Vielleicht?

Warum habe ich in der Liebe dauernd Pech? Warum mache ich dauernd Erfahrungen, auf die ich gerne verzichten würde? Und wie ist das bei Ihnen? Wie sehen Sie das alles? Sind sie glücklich?

Wenn Sie all das, was sie nicht mögen, annehmen würden, so glaube ich, dass Ihnen fortan nur noch Gutes widerfährt. Ob Sie das Gute dann aber auch als etwas Gutes erkennen, liegt an Ihnen.

Warum ich so denke (fühle), will ich Ihnen gerne erläutern. Ob ich dann projiziert habe, dürfen Sie am Ende dieses Textes selbst entscheiden. Ich habe bewusst im „Wir“ Ego geschrieben, weil ich Sie ansprechen wollte. Wenn Sie jetzt an dieser Stelle aussteigen möchten, obliegt auch dies ihrer eigenen Entscheidung.

Fangen wir mal an und zwar mit dem, was ich im Außen wahrnehme.
Ich bin in Singlebörsen aktiv und sehe ganz viele Profile von Menschen, die meiner Meinung nach der Liebe suchen, welche Sie in ihrem Inneren allerdings nicht haben. Sie stellen sich dar, wie sie meinen zu sein, indem sie erzählen, was andere von Ihnen meinen zu denken. „Meine Freunde beschrieben mich so und so“. Oder Sie schreiben wie Sie sich selber sehen, wer Sie ihrer Meinung nach sind und was Sie von ihrem Gegenüber erwarten.

Wünschen darf man sich alles. Auch ich wünsche mir so einiges. Aber ich erwarte nichts.

Oft lese ich dann jedoch Aussagen über ihre Erfahrungen und Enttäuschungen, die Sie gemacht haben, weil Sie vom anderen etwas erwartet haben, was der andere Ihnen nicht geben konnte. Warum der Ihnen das nicht geben konnte, steht da nicht. Da steht aber, dass der oder diejenige Schuld sein soll daran, dass es einem nun so scheiße geht. In vielen Youtubevideos wird dann erklärt, warum derjenige, der diese Erwartungen nicht erfüllen konnte, ein Narzisst, Borderliner oder sonst wie egozentrischer oder manipulativer Mensch sein soll. Ist diese Erklärung nicht ein bissel einfach?

Ist das nicht ein wenig einfach gedacht?

Ich schrieb ja, es ist einfacher auf das Außen zu schimpfen, jedoch schwer im Inneren zu schauen, was man selber dazu beigetragen hat. Und selbst wenn man aus eigener Sicht nichts dazu beigetragen hat, bringt es ebenso nichts auf das Außen zu schimpfen. Ein Perspektivwechsel würde da ein kleines Wunder bewirken. Aber wenn die Stimmung aufgeladen ist und die Emotionen die Vernunft lähmen, kann ich es sehr gut nachvollziehen, wenn man einfach nur schimpfen möchte, statt sich in das Gegenüber hinein zu versetzen. Nur wie war das noch mit dreimal tief durchatmen und bis Zehn zählen? Selbstempathie wo steckst du?

Und hier greift dann auch der Spruch „Was der Bauer nicht kennt, darf nicht sein!“ Das heißt also, nur weil der anders ist, als ich mich selber wahrnehme, also der andere anders denkt als ich, darf er nicht sein. Nun jeder hat seine eigene Wahrheit, seine eigene Lebenswirklichkeit, nach der er/ sie lebt. Wenn wir das wissen, warum fällt es uns dann aber so schwer, dies auch umzusetzen, also in der Situation, in der uns dieses „Anderssein“ auffällt, zu erkennen, dass der andere einfach nur anders ist, als man selbst, also er im Grunde auch nichts dafür kann, dass wir nicht auf einer Wellenlänge sind, die wir erwartet haben?

Liebe ist nur dann eine Enttäuschung, wenn man sich selbst nicht liebt.

Und wenn wir uns nicht lieben können, wen sollen wir dann lieben können? Wenn wir uns nicht lieben können, weil wir in der Annahme über die Liebenswürdigkeit unserer Selbst erheblich gestört sind, wie wollen wir dann jemand anderen annehmen können? Was zählt heutzutage noch die eigene Meinung? Muss alles gleich sein?

Ich will gar nicht abstreiten, dass es schön ist, wenn ich Menschen um mich herum habe, die mich verstehen oder gar mit mir auf einer Wellenlänge schweben. Aber selbst das ist am Ende keine Garantie dafür, dass es auch wirklich klappt.

Das sind jetzt gerade nur ein paar Gedanken, die ich mir zwischen durch gemacht habe.

Wenn der andere nicht passt, heißt es nur, dass ich mit seiner Meinung oder Einstellung nicht übereinstimme. Dieser Mensch kann trotzdem liebenswert sein. In der Regel ist er das auch, genauso wie ich liebenswert bin. Es passt halt nur nicht. Wir sind unterschiedlicher Meinung. Aber dennoch hat dieser Mensch sein Recht auf seine eigene Meinung. Jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung. Ich bin nicht auf der Welt um zu sein, wie andere mich gerne hätten. Genauso wenig sind Sie nicht auf der Welt um zu sein, wie andere Sie gerne haben wollen.

Das war vielleicht einmal. Aber jetzt ist es anders. Und das gilt für jeden. Sie sind wertvoll, weil sie wertvoll sind. Jeder ist wertvoll. Bitte beherzigen Sie das, wenn Sie das nächste Mal jemanden treffen, der anderer Meinung ist.

Text von Leonard Anders
www.leonard-anders.de