Warum wir nicht perfekt sein müssen und eine 2 manchmal die bessere 1 ist

Für wen lebe ich? Ich lebe für mich. Für wen lebst du? Du lebst für Dich. Für wen auch sonst? Für die anderen? Was habe ich davon? Lob, Anerkennung, was noch? Nichts! Na also. Ich lebe für mich und ich genüge mir, wie ich bin. Ich vergleiche mich nicht mit anderen. Ich muss niemandem etwas beweisen. Und du musst mir auch nichts beweisen. Du bist Du, ich bin ich. Wir sind Menschen. Du bist ok, ich bin ok, wir sind ok. Du glaubst mir nicht? Was ist denn wenn du besser bist als ich oder schneller oder gar effektiver? Genau, dann hast du eine raschere Auffassungsgabe als ich. Was noch? Nichts weiter? Und für eine raschere Auffassungsgabe, gehst du mit mir in einen Wettkampf? Was hast du davon? Nichts! Was hab ich davon? Auch nichts! Dann hast du halt eine raschere Auffassungsgabe. Die nützt dir was, mir aber nichts. Dann bist du im Vorteil, was das angeht. Okay. Aber zu einem besseren Menschen macht dich das nicht. Und mich macht das auch nicht zu einem schlechteren Menschen Wie ich schon sagte: Du bist ok, Ich bin ok, wir sind ok.

Wir alle kommen mit unterschiedlichen Temperamentseigenschaften auf die Welt. Dies zeigt sich bereits bei der Geburt und auf der Neugeborenen Station.

Wer am lautesten schreit, bekommt genau dieselbe Zuwendung/ Nahrung wie das Kind, was kaum oder gar nicht schreit. Wie das dann später zu Hause ist, steht auf einem anderen Blatt Papier. Auch wenn die Bedürfnisse dieselben sind, ist das Umfeld die Crux. Aber dafür kannst du nichts und ich auch nicht. Wir sind Babys. Wir können noch nicht reden. Wir sind leider dependent, also abhängig. Und diese Abhängigkeit verhält sich bei jedem anders. Die Eltern sind zwar die Vorbilder für ihre Kinder, aber am Ende haften die Kinder, für ihre Eltern.

Als Kind werden wir nach bestem Wissen und Gewissen von unseren Bezugspersonen erzogen. Und auch unsere Bezugspersonen sich nicht perfekt. Sie machen Fehler. Diese Fehler können fatale Auswirkungen haben. Sie prägen uns, sie geben uns ein gewisses Grundgefühl, wie wir das Erlernte dann aber in die Tat umsetzen, liegt in unserer eigenen Verantwortung. Und wie wir das Erlernte an unsere Kinder weiter geben, ebenso. Wenn ich als Erwachsener einen Fehler mache, trage ich dafür die Verantwortung und nicht meine Eltern. Denn trotz der Fehler, schenkte das Leben mir ein Hirn und ein Herz. Natürlich sind die Umstände oft nicht dieselben. Auch das Umfeld bzw. unsere direkte Umgebung, in der wir aufwachsen, trägt seinen Teil dazu bei. Aber sie bestimmt nicht dauerhaft über unser Handeln.

Unser Handeln wird ausgelöst durch einen Impuls. Diese Impulse kommen vom Hirn. Forciert wurde dieser Handlungsimpuls durch eine Bewertung einer Situation, die ein (un)bestimmtes Gefühl nach sich zieht. Wenn dieses Gefühl bekannt ist und wiederkehrend auftritt, spricht man von einem Automatismus. Oft basieren diese Bewertungen, das Gefühl und der auftretende Automatismus auf deinen individuellen (prägenden oder auch traumatisierenden) Erfahrungen und damit einhergehenden Glaubenssätzen. (Bewertung wird in dem Falle durch die Elternmodi vorgenommen) Um es Dir und mir zu verdeutlichen. Du bist nicht dein Gefühl. Das was passiert ist, dass deine un(ter)bewussten erworbenen Automatismen greifen, die dich nach deinen (falschen) Glaubenssätzen oftmals unüberlegt handeln lassen. Diese Handlung wirkt sich (un)mittelbar auch auf die Reaktionen deines Umfeldes aus. Wie du siehst, geht es den anderen nicht besser als Dir. Auch die anderen haben ihre Erfahrungen machen müssen, die sie durch ihre erlernten Bewertungsmuster in Form von Gefühlen in die Handlungsebene führt, die sie somit ausdrücken. Du magst dich dabei hilflos, machtlos, kraftlos, erfolglos, motivationslos, überfordert oder nicht ernst genommen fühlen. Aber auch dieses Gefühl entsteht aufgrund deiner Bewertung.

Somit kannst du zwar nicht direkt was für dein Gefühl, aber du trägst die Verantwortung für dein Handeln. Dein Umfeld wirst du nicht ändern können. Dein Umfeld ist oft genauso hilflos, überfordert oder angespannt wie Du. Du kannst nur Dich selbst verändern. Dein Fernglas kannst du also getrost stecken lassen.
Erkenne deine Glaubenssätze, überprüfe sie, überprüfe ob sie dir helfen oder dich behindern. Mach Dir bewusst welche Gefühle sie bei dir auslösen (du kannst sie auch aufschreiben) und dann sei achtsam und überlege, wie du diese verändern kannst. Manchmal ist der Schritt zum Psychologen, Coach der richtige.

Für mich war diese Entscheidung genau richtig. Dieser Schritt war nicht einfach, aber ich bin wahnsinnig froh darüber, diesen Schritt gegangen zu sein. So habe ich erkannt, dass ich mein Leben aufgrund meiner wenig förderlichen Glaubenssätzen aufs Spiel gesetzt habe und meine Welt ins Wanken kam. Unzählige Male bin ich aufgrund meiner Glaubenssätze /Bewertungsmustern an die Grenzen anderer und an meine eigenen gestoßen. Chaos, Depression, Unruhe und Lebensgefahr waren die Folgen. . Ich habe erkannt, dass ich für mich lebe, dass ich die Macht darüber habe, zu entscheiden, dass diese Macht im Grunde viel Kalkül erfordert. Ich bin nicht verantwortlich für meine Automatismen, aber für mein daraus resultierendes Verhalten. Denn ich habe die Macht und die Fähigkeit diese aktiv und bewusst zu verändern, damit es mir besser geht. Jeder Tag an dem ich mich nicht meinen alten Glaubenssätzen hingebe, sondern meinen neu erlernten Glaubenssätzen zuwende, ist ein Gewinn. Ich darf JA zu meinem Leben sagen, welches ich jetzt lebe. Ich darf mir und meinem inneren Kind das geben, was es brauch. Es ist in Ordnung, wenn ich auf mein Bauchgefühl höre und mir meine Bedürfnisse einfordere oder selbst besorge (DU kannst es Dir natürlich auch selbst besorgen *fg*, wie Du möchtest; P). Ebenfalls ist es total okay, wenn ich mich zeige, wie ich bin. Für die Bewertung anderer bin ich nicht verantwortlich. Ich kann aber dafür sorgen, dass es mir gut geht (Was du und jeder andere selbstverständlich auch kann). Ich bin nicht auf der Welt um anderen zu gefallen. Wenn ich eine 2 schreibe, ist das eine gute Note. Es muss keine 1 sein. Eine 1 ist immer schön. Eine Zwei ist aber genauso schön. Im Grunde reicht sogar eine 4, denn 4 ist bestanden, bestanden ist gut und gut ist fast eine 1). Wenn ich die 1 schreibe, freue ich mich. Wenn es eine 2 wird, erinnere ich mich daran, dass ich es für mich tue und nicht für die anderen. Und ich erinnere mich an die Tage, wo ich mir das Leben selber zur Hölle gemacht habe, weil es nur eine 2 oder 3 wurde.

Und dann sag ich mir „Es geht immer besser, aber muss nicht sein“.

So ist das im Übrigen auch, wenn wir uns für etwas entschuldigen, z.b. wenn wir Niesen, Husten, uns Übergeben und anderen unbewussten Reaktionen unseres Körpers. Immer wenn wir uns entschuldigen, geben wir automatisch zu, dass wir schuld daran sind. Doch wir können nun mal nichts dafür. Für alles unbewusste, was im Übrigen jeder Mensch tut, gibt es niemanden außer dem lieben Gott, der was dafür kann, wenn überhaupt. Für alles Bewusste wie z.B. Popeln, sich kratzen, pulen, Nase hochziehen tragen wir die Verantwortung. Schuld sind wir in dem Sinne nur, wenn wir etwas mit voller Absicht tun und damit uns oder anderen einen Schaden zufügen z.b. morden, rauben, betrügen oder missbrauchen. Wir sind aber nicht perfekt und das ist gut so. Und Herr Knigge ist auch nur ein Mensch und hat auch nicht immer Recht.

Text von Daniel S.