Haben sie sich auch schon des Öfteren gefragt, wie es angehen kann, dass eine scheinbar unsichtbare Kraft ihnen im Weg steht? Haben sie sich vielleicht sogar gefragt, warum sie keine Ruhe oder Ausgeglichenheit finden, sich stattdessen aber stets gehetzt, gestresst und quasi zu einer sofortigen Entscheidung genötigt fühlten? Möglicherweise machte sich dieser Zustand auch schon körperlich bemerkbar, sei es via Kloß im Hals, Herzrasen, Übelkeit, Hitzewallungen oder Schüttelfrost. Sie wollten diese Gefühle nicht haben, auch versuchten sie gegen diese Begleiterscheinungen anzukämpfen, sie abwehren, sie einfach nicht fühlen oder spüren wollen. Wenn sie dazu auch noch das Bedürfnis hatten in einen unüberlegten Aktionismus zu verfallen, der sie impulsiv und unreflektiert wie sie waren, stets die Grenzen anderer oder ihre eigenen zu überschreiten, dann fehlt ihnen tatsächlich eines: innere Achtsamkeit in Form eines Kompasses der sie kurz innehalten lässt um dann zu erforschen, welche Richtung es einzuschlagen gilt. Und oft ist es die entgegen gesetzte Richtung, die sie einschlagen müssen, um zur Ruhe zu kommen, also nicht den gewohnten Weg, der sie bislang ebenso nicht zum Ziel führte. Womöglich haben sie sich schon an den gewohnten Weg zu sehr gewöhnt, dass sie vergessen haben, dass es auch noch andere Wege gibt um voran zu kommen. Entgegen gesetzt heißt ja nicht zurück zum Start, sondern entgegen gesetzt heißt tatsächlich nur wie das Wort „entgegen“ schon ausdrückt: „anders“ und anders muss ja nicht unbedingt schlecht sein. Anders fühlt sich anfangs ungewohnt an, aber der Mensch ist ein Gewöhnungstier, wie sonst, konnten sie sich an den alten Weg gewöhnen?

Entgegen gesetzt kann man sowohl gehen, als sich auch verhalten, was wiederum bedeutet, dass sie auch nur anders reagieren, wie sonst, also z.B. das Gefühl, was sie fühlen als Gefühl anzunehmen ohne danach zu handeln.

Wenn sie z.b. verärgert sind oder gar wütend, steht dahinter oft eine Verletzung, die sie aber nicht zeigen, indem sie rumwüten wie ein Elefant im Porzellanladen. Damit verbauen sie sich nämlich den Weg zum Frieden, sowohl in ihrem Inneren, als auch im Außen. Mit Wut jemandem gegen über zu treten, bewirkt nur, dass dieser sich entweder von Ihnen entfernt, also auf Distanz geht oder aber sich auch wehrt mit Wut. Was soll daran gut sein? Leichter wäre es doch, wenn sie sich bewusst umentscheiden und damit weiteres Leiden vermeiden. Sie könnten statt die Energie in ihre Wut zu stecken, diese verwenden, sich selbst etwas Gutes zu tun. Ihr Inneres Kind braucht sie jetzt mehr denn je, als das ihr Gegenüber ihr Schutzschild braucht. Konzentrieren sie sich während ihrer Wut auf sich selbst. Halten sie inne. Versuchen sie heraus zu finden, was sie jetzt brauchen, was ihnen gerade gut tut. Und ich bin mir sicher, wenn sie sich was Gutes tun, wird ihnen niemand böse sein. Vielmehr besteht dann sogar die Möglichkeit, dass ihr Gegenüber in sich geht und sich gegebenenfalls bei Ihnen entschuldigt. Aber selbst wenn die Entschuldigung ausbleibt, haben sie sich nichts vorzuwerfen, denn sie haben statt ihrem Gefühl wie bisher nachzugeben, sich dazu entschieden, sich entgegen gesetzt zu verhalten, indem sie sich selbst etwas Gutes taten. Auch dürfen sie ihrem Gegenüber sagen, dass sie verletzt sind. Sie können statt rumschreien auch flüstern. Was auch immer sie tun, tun sie es bewusst, tun sie es für sich und nicht für den anderen, widmen sie sich ihrem inneren Kind. Probieren sie einfach aus, was Ihnen in solch einer Situation liegt. Dann wird sich ihr Gefühl irgendwann von selbst auflösen. Und ihnen bleibt ein schlechtes Gewissen erspart, was sie möglicherweise haben werden, nachdem sie unbewusst ihr Gefühl am anderen aus gelassen haben. Ich freue mich mit Ihnen, wenn Ihnen das gelingt.

In Kürze:

Wer sich entgegen gesetzt verhält, hat mehr Energie für sich selbst. Wer entgegen gesetzt handelt, spart sich das schlechte Gewissen. Wer sich bewusst um entscheidet, ist achtsam mit sich selbst und vermeidet weiteres Leid. Der Autopilot wird deaktiviert. Sie sind wieder am Steuerknüppel ihres Flugzeugs zum Glück. Entgegen gesetzt heißt nur anders und nicht zurück.

Text von Leonard Anders