Die Eltern sind die Vorbilder, sie leben es ihren Kindern vor, wie es gemacht werden soll. Leider machen sie es oft nur, wie sie es machen. Die Fehler, wenn man denn von Fehlern sprechen will, geschahen oft unbewusst, also ungewollt als wiederkehrendes Muster.

Die Kinder von damals, die nun heute Eltern sind, bekamen es von ihren Erziehungsberechtigten auch oft so vorgelebt und die Grenzen verschieben sich von Generation zu Generation, genauso wie sich Erziehungsstile verändern. Das Problem ist das Bewusstsein. Was früher vielleicht noch richtig war, ist heute nicht mehr zeitgemäß und wie sie vielleicht auch wissen ist die Theorie immer einfacher als die Praxis, zumindest in psychologischen und erziehungstechnischen Fragen. Ist man sich seiner Fehler bewusst, kann man diese mit Hilfe von Reflektion und Übung ändern. Sind die Fehler oder Muster einem nicht bewusst, wird man sich immer wieder fragen, warum man schon wieder in so einen Schlamassel geraten ist und oft nach Antworten im Außen suchen. Wenn keine Antwort gefunden wird, weil der Blick ins Innen einem durch die vielen Ablenkungsmöglichkeiten, die unsere heutige Zeit einem bietet (Internet, Fernsehshows, Freizeitparks, Flatt-Rate-Bordelle etc.) oft verwehrt bleibt, wird auch dieses Muster mitgenommen in die nächste Beziehung und möglicherweise an die Kinder weiter gegeben. Und selbst wenn die Einsicht da ist, dass etwas in einem nicht rund läuft, fällt es vielen Menschen immer noch sehr schwer sich zu öffnen. Früher galt ja noch die Bauernweisheit „Was von alleine kommt, geht auch wieder von alleine“. Diese Bauernweisheit gilt heute nur noch teilweise und eben nicht beim Thema Lebensschemata und Muster, die ja auch den Selbstwert mit ausbilden. Eine Therapie lehnen manche Menschen aus Angst vor Stigmatisierung und Ausgrenzung noch ab, sie meinen sie würden es eben wegen der alten Bauernweisheit alleine schaffen sich zu ändern. Das mag in manchen Fällen gelingen, erscheint aber aus meiner Sicht schwierig bis kaum machbar, denn es fehlt die Projektionsfläche, in dem Falle der Therapeut oder die Therapeutin, die noch freundlich und empathisch bleibt, wenn man mal wieder grenzüberschreitend gehandelt hat. Kennen sie eigentlich ihren Autopiloten? Ich habe ihn kennen gelernt. Diese Bekanntschaft hat mein Leben verändert.

Für mich war es eine befreiende Erkenntnis, dass ich meine erworbenen Muster und Überzeugungen umwandeln konnte. Die Narzisstische Persönlichkeitsstörung ist also behandelbar, auch wenn nicht der Narzissmus an sich behandelt wird, sondern eben nur die Symptome,aber es gibt Mittel und Wege, wie man seine Kindheit (kindgerecht) aufarbeiten kann und wie man am Ende lernt, sich selbst das zu geben, was man oft beim Gegenüber gesucht hat, aber nicht finden konnte und sich dann frustriert wieder abwendete um die unendliche Leidensgeschichte am Leben zu erhalten. Ich wünsche jedem Menschen, dass er langfristig Frieden finden kann, denn nur wer verzeiht, ist frei von Hass und kann dauerhaft glücklich werden. Bestes Beispiel dafür sind für mich die Eltern des 2011 ermordeten 10jährigen Mirco Schlitter. Sie haben mit Hilfe ihres Glaubens und ihrer Selbstliebe dem Täter verzeihen können. Ich war beeindruckt, als ich davon Kenntnis bekam und habe seitdem versucht auch zu verzeihen. Es gelingt mir nicht immer, aber dort wo es mir gelang, konnte ich tatsächlich sehr positive Erfahrungen machen, die mein inneres Kind erfreuten.

Auch meine Eltern und meine größten Schmerzverursacher waren mal an meiner Stelle und handelten im Grunde nur so, wie sie es gelernt/ vorgelebt bekamen. Ihnen dafür Vorwürfe zu machen, wäre sehr unreflektiert. Natürlich habe ich vor meiner Bewusstwerdung meine Eltern gehasst und mich gefragt wie sie dieses oder jenes mir nur antun konnten. Aber sie haben sich schon Mühe gegeben. Und die eine Weisheit, die immer stimmt lautet „Nobody is perfect“

Text von Leonard Anders