Diplomatie war noch nie meine Stärke. Diplomatie was ist das überhaupt? Ist es die Methode jemanden so in die Hölle zu schicken, dass dieser jemand sich gar auf die Reise freut? Ist es „Lächeln, Nicken, Arschloch-denken“?

Ich war schon immer ein Freund der direkten Ansprache. Ich bin damit aber auch oft angeeckt. Ob ich jetzt angeeckt bin, weil die anderen meine Meinung als Angriff gesehen haben, kann ich nur mutmaßen, man soll ja schließlich nicht von sich auf andere schließen. Aber so war es bei mir häufig. Ich habe vieles auf mich bezogen, mir zu Herzen genommen wo es nur ging und mich tierisch über jeden Furz aufgeregt. Und damit habe ich den anderen auch Futter gegeben und mir die Aufmerksamkeit, die ich nicht wollte. Ich wollte nur dazu gehören und dass man mir meine Meinung lässt. Ich sah mich ständig irgendwelchen Kämpfen ausgesetzt, dachte ich muss mich und meine Meinung verteidigen. Aber das musste ich nicht. Das dachte ich nur. Ich hätte meine Meinung sagen können und fertig. Die Meinungen anderer kann ich mir ja anhören, muss meine deswegen aber nicht ändern und wer weiß, vielleicht kann ich ja trotzdem etwas lernen. Natürlich müssen die anderen mit ihrer Meinung nicht recht haben, aber darum geht es ja auch nicht. Ich habe ja auch nicht immer recht, außer halt das Recht meine Meinung kund zu tun. Dieses Recht gilt, aber auch für alle anderen. Ja, die Meinung anderer ist kein Angriff gegen mich, sie ist was sie ist, nämlich nur eine Meinung, wie die meinige. Man muss nicht immer aus Mücken diesen scharlachroten Elefanten kreieren, auch wenn Elefanten im Gegensatz zu Mücken wirklich sehr beachtliche Zeitgenossen sind, im ernst, einen so langen Rüssel hätte ich auch gerne. Und die Mücken wollen am Ende ja auch nur überleben. Es ist ihre Natur zu stechen. Und unsere Natur ist es eben alles in Frage zu stellen. Nur leider stellen wir uns auch damit selbst in Frage. Wenn jemand etwas sagt,was uns nicht passt, hat das nicht immer etwas mit uns zu tun. Der andere kann nicht immer unbedingt wissen, dass es nicht passt. Und auch ich kann mich ja in Diplomatie üben. Dafür muss ich meine Meinung nicht mal ändern und das müssen sie auch nicht. Wenn sie es am Ende dann aber doch tun, dann bitte aus freien Stücken und nicht weil sie glauben, dass die anderen sie dann mehr mögen. Sie müssen sich nicht anpassen um geliebt werden. Sie sind auch mit ihrer eigenen Meinung ein liebenswürdiger Mensch. Und glauben sie mir, ich habe früher viel getan um geliebt zu werden, weil ich dachte, dass ich das muss. Ich habe mich regelrecht für andere aufgeopfert. Ich war am Ende Opfer meiner selbst und so fühlte ich mich auch.Und ich habe stets im Außen nach dem Verantwortlichen gesucht, schließlich habe ich ja auch für das Außen alles getan,um geliebt zu werden.

Mittlerweile weiß ich, dass ich das nicht musste. Und Mittlerweile habe ich zu dem Kind was ich damals war (auch mein inneres Kind genannt) ein ganz gutes Verhältnis. Jetzt kann ich mir jeden Tag sagen, was für ein toller und liebenswerter Mensch ich bin und das können sie auch. Erlauben sie es sich einfach. Sie sind nämlich nur sich selbst Rechenschaft schuldig.
Wir alle haben eine unterschiedliche Wahrnehmung,entsprechend auch verschiedene Bewertungen, verschiedene Trigger, verschiedene Erfahrungen und darauf basiert am Ende unsere Meinung. Der andere hat die Meinung nicht um mir weh zu tun. Und ich habe meine Meinung auch nicht,weil ich Freude daran habe, anderen zu schaden. Ich habe meine Meinung, weil wegen ist so. Und dafür brauchen sie sich wirklich nicht schämen. Ich schäme mich nicht mehr dafür. Ich merke aber den Schmerz, wenn ich anecke, dabei möchte ich gar nicht anecken und noch weniger möchte ich die ganzen Gefühle, die sich daraus entwickeln: Trauer-Wut- Hass- Vernichtungsgedanken- Sadismus.

Und was tue ich an dieser Stelle für mich?
Lächeln, Nicken und nochmal Lächeln. Ich kümmere mich um mich. Ich versuche es zumindest. (Der Therapie sei Dank!!!) Mensch ist Mensch. Du bist wertvoll, du wertvoll bist. Ich bin wertvoll weil ich wertvoll bin.Und dafür brauchen wir nicht mal der selben Meinung sein. 🙂

Text von Leonard Anders