Typ 1: Mensch mit narzisstischen Persönlichkeitsmerkmalen, die aber nicht krankhaft sind… nicht pathologisch im Sinne des ICD 10…
man spricht hier vom gesunden Narzissmus, den fast jeder Mensch in sich hat und der am häufigsten in der Gesellschaft vorkommt. Schätzungen zu Folge sind 90% aller Menschen in irgendeiner Weise narzisstisch veranlagt.

Typ 2: Mensch mit narzisstischen Persönlichkeitsmerkmalen, die krankhaft sind, weil sie wiederkehrende Denk- Bewertungs- und Verhaltenmuster in sich haben. Geprägt sind sie durch eine schwierige Kindheit (oftmals ist eine der Bezugspersonen ebenfalls psychisch erkrankt), in der sie sich viele dieser Muster angeeignet haben. (verletztes Kind) Diese Form des Narzissmus entspricht einer klassischen Persönlichkeitsstörung nach ICD F.60.80. Oftmals liegen zusätzlich eine Hochbegabung und eine Hypersensibilität vor. Diese Störung hat Ähnlichkeit mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung, weswegen manchmal Verwechselungen vorliegen können.

Typ 3: Mensch mit narzisstischen und/ oder anti- bzw. dissozialen Persönlichkeitsmerkmalen. Hat im Gegensatz zu Typ 1 und Typ 2… keinerlei Einfühlungsvermögen. Aus seiner Sicht sind alle anderen krank oder weniger bis gar nichts Wert. Sie zeigen keine Reue, sie sind nicht in der Lage ihr Verhalten zu reflektieren. Sie planen oft nicht vorausschauend. Man spricht hier auch von Psychopathen/ Soziopathen/ maligne Narzissten. In vielen Foren wird diese Form des Narzissmus als Böser Narzissmus dargestellt.
Diese Narzissten sind in der Regel nicht therapierbar.

Typ 4: Mensch mit narzisstischen, emotional instabilen und weiteren Persönlichkeitsmerkmalen, die im Sinne des ICD 10 eine kombinierte Persönlichkeitsstörung signifizieren. Diese Menschen sind ähnlich wie Typ 2, nur dass eben nur Anteile der Störung bei Ihnen vorliegen und sich mit anderen Symptomen anderer Störungen kombinieren /zusammen fassen, mit Ausnahme von anti- bzw. dissozialen Symptomen. Diese Diagnose wird am häufigsten gestellt, da sich Ärzte und Therapeuten nach wie vor schwer tun, eine reine Narzisstische Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren.
Klassifizierung im Sinne des ICD 10 und DSM-5

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung wird im ICD 10 nur unter der Rubrik „Andere spezifische Persönlichkeitsstörungen (F 60.8)“ aufgeführt, jedoch nur im Anhang I der Ausgabe „Forschungskriterien“ weiter charakterisiert, obwohl sie als Persönlichkeitsdiagnose häufig gebraucht wird. Im anderen großen, multiaxialen Klassifikationssystem, dem DSM-5 der American Psychiatric Association, wird die narzisstische Persönlichkeitsstörung auf Achse-II aufgeführt, genauer: im Cluster B, der die „launisch, dramatisch, emotionalen“ Persönlichkeitsstörungen beinhaltet, so zum Beispiel die Borderline-Persönlichkeitsstörung oder eben die Narzisstische-Persönlichkeitsstörung.
Die Antisoziale Persönlichkeitsstörung wird im ICD 10 unter F.60.2 der dissozialen Persönlichkeitsstörung geführt und ist im DSM-5 ebenso im Cluster B zugeordnet.

Antisoziale Persönlichkeitsstörung F.60.20

ICD-10
Die ICD-10-Kriterien beschreiben neben sozialer Abweichung charakterologische Besonderheiten, insbesondere Egozentrik, mangelndes Einfühlungsvermögen und defizitäre Gewissensbildung. Kriminelle Handlungen sind also nicht zwingend erforderlich, können aber vorkommen.

1. Mangelnde Empathie und Gefühlskälte gegenüber anderen
2. Missachtung sozialer Normen
3. Beziehungsschwäche und Bindungsstörung
4. Geringe Frustrationstoleranz und impulsiv-aggressives Verhalten
5. Mangelndes Schulderleben und Unfähigkeit zu sozialem Lernen
6. Vordergründige Erklärung für das eigene Verhalten und unberechtigte Beschuldigung anderer
7. Anhaltende Reizbarkeit
Drei dieser Kriterien müssen zustimmen um von einer antisozialen bzw. dissozialen Persönlichkeitsstörung auszugehen.
DSM-5
Es besteht ein tiefgreifendes Muster von Missachtung und Verletzung der Rechte anderer, das seit dem 15. Lebensjahr auftritt. Man unterscheidet dabei die drei Bereiche „Instrumentell-dissoziales Verhalten“, „Impulsiv-feindseeliges Verhalten“ und „Ängstlich-agressives Verhalten“. Auch hier müssen 3 Kriterien erfüllt sein, um von einer Störung im Sinne des DSM-5 zu sprechen.
1. Versagen, sich in Bezug auf gesetzmäßiges Verhalten gesellschaftlichen Normen anzupassen, was sich in wiederholtem Begehen von Handlungen äußert, die einen Grund für eine Festnahme darstellen.
2. Falschheit, die sich in wiederholtem Lügen, dem Gebrauch von Decknamen oder dem Betrügen anderer zum persönlichen Vorteil oder Vergnügen äußert.
3. Impulsivität oder Versagen, vorausschauend zu planen.
4. Reizbarkeit und Aggressivität, die sich in wiederholten Schlägereien oder Überfällen äußert.
5. Rücksichtslose Missachtung der eigenen Sicherheit bzw. der Sicherheit anderer.
6. Durchgängige Verantwortungslosigkeit, die sich im wiederholten Versagen zeigt, eine dauerhafte Tätigkeit auszuüben oder finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.
7. Fehlende Reue, die sich in Gleichgültigkeit oder Rationalisierungen äußert, wenn die Person andere Menschen gekränkt, misshandelt oder bestohlen hat.

Die Narzisstische-Persönlichkeitsstörung F.60.80

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung wird im ICD 10 nur unter der Rubrik Sonstige spezifische Persönlichkeitsstörungen (F 60.8) aufgeführt, jedoch nicht weiter charakterisiert, obwohl sie als Persönlichkeitsdiagnose häufig gebraucht wird. Es bestehen noch keine systematischen Studien zur Entstehung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Es gibt nur einige Faktoren die eine Störung dieser Art forcieren.
ICD-10
1. hat ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit (übertreibt etwa Leistungen und Talente, wünsch sich ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden)
2. ist oft stark eingenommen von Phantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Brillanz, Schönheit oder idealer Liebe
3. glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder hochgestellten Menschen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder mit diesen verkehren zu müssen
4. benötigt exzessive Bewunderung
5. legt ein Anspruchsdenken an den Tag, d. h. hat übertriebene Erwartungen auf eine besonders günstige Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen
6. kann in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch sein, d. h. zieht Nutzen aus anderen, um eigene Ziele zu erreichen
7. zeigt einen Mangel an Empathie: hat Schwierigkeiten, die Gefühle oder Bedürfnisse anderer zu erkennen/anzuerkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren
8. ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn
9. kann arrogante, hochmütige Verhaltensweisen oder Ansichten zeigen
5 Dieser Kriterien müssen erfüllt sein um von einer klassischen Narzisstischen-Persönlichkeitsstörung auszugehen.

DSM-5
1. Signifikante Beeinträchtigung in der Funktionalität der Persönlichkeit
a) Beeinträchtigung der Identität (mangelndes Identitätsgefühl/ fehlende Autonomität)
b) Beeinträchtigung der Selbstlenkung (übertriebene Selbsteinschätzung, Zielerfüllung wird abhängig gemacht von äußeren Faktoren).
2. Signifikante Beeinträchtigung der interpersonalen Funktionen
a) Beeinträchtigung beim Empfinden von Empathie (Schwierigkeiten die Bedürfnisse von sich und anderen anzuerkennen und adäquat anzunehmen, Über-und Unterschätzung der eigenen Wirkung auf andere)
b) Beeinträchtigung der Intimität (Idealisierung der anderen zur Bestärkung des eigenen Selbstwerts, mangelndes ernsthaftes Interesse am Erfahrungsschatz des Partners, Oberflächlichkeit)
3. Pathologische Persönlichkeitszüge
a) überzogenes Selbstwertgefühl/ Selbsterhöhung (offenes und verdecktes Anspruch und Berechtigungsdenken, Selbst/Ich- Zentriertheit, sich für was „Besseres halten“, mit gleichzeitiger Abwertung des Gegenübers)
b) Aufmerksamkeit heischend (starke Bemühung darum Aufmerksamkeit zu erhalten oder Bewundert zu werden)
Die Beeinträchtigungen der Persönlichkeitsfunktionalität und des Ausdrucks der Persönlichkeit sind über die Zeit und über unterschiedliche Situationen hinweg relativ stabil. Man spricht von wieder kehrenden Verhaltens- und Bewertungsmustern. Treten diese oben beschriebenen Symptome häufiger auf, spricht man von einer NPS.
Die Entwicklung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung
Nach Jacob, Fassbinder und Schwaiger im Rahmen der Schematherapie

Man geht davon aus, dass eine narzisstisch pathologisierte und erkannte Persönlichkeitsstörung ihren Ursprung in der frühkindlichen Entwicklungsphase hat. Von außen betrachtet wird der Narzisst oft als fordernd und unsympathisch empfunden, ebenso wird ein erhöhtes Anspruchdenken wahrgenommen, geprägt durch einen oftmals mangelnden Selbstwert. Angriff ist schließlich die beste Verteidigung. Es bestehen noch keine systematischen Studien zur Entstehung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Es gibt nur einige Faktoren die eine Störung dieser Art forcieren. Häufig hatten Narzissten in ihrer Kindheit durch ihre Eltern oder andere an der Erziehung beteiligte Personen ein Modell, dass den Modus der Selbstüberhöhung vorlebte und ihnen vermittelte, dass man entweder ein Gewinner oder ein Verlierer ist und wie man sich zu verhalten hat, damit man zu den Gewinnern zählt.

Ebenso erhielt der Betroffene als Kind, nicht die gewünschte und erforderte bedingungslose Akzeptanz. Belohnt wurde das Kind oft nur bei besonderen Leistungen. Zuwendung und Liebe gab es nur unter besonderen Bedingungen. Beim Zeigen von Schwächen und Verletzlichkeit (z.b. in Mobbingszenarien oder beim nicht verstehen einer schulischen Aufgabe), bei Misserfolgen und Fehlern, wurden Betroffene (das Kind, welches nun als Erwachsener ein Narzisst ist) häufig nicht beachtet, verspottet, ausgelacht, abgelehnt oder beschämt. Das Kind wurde in seiner Autonomie nicht anerkannt und akzeptiert. Gefühlsäußerungen wurden nicht ernst genommen, so dass der Betroffene noch heute darunter leidet, sich nicht zugehörig zu fühlen, missverstanden zu werden oder anderen zu misstrauen. Viele Betroffene machen diese Erfahrungen auch im Erwachsenenalter, dass ihre Autonomie mit Füßen getreten wird, oftmals von denselben Bezugspersonen wie damals. Eine Bezugsperson ist eine Vorbildsperson, damit können die Eltern gemeint sein, ein anderer Verwandter oder eine Vertrauensperson aus dem Umfeld, wie z.B. Lehrer, Ausbilder, Mentor oder Arzt. Heute ist der Narzisst sehr perfektionistisch. Er erträgt keine Niederlagen mehr und kann sich selber nicht verzeihen, weil er nie gelernt hat, dass Fehler an sich keine Schande sind. Er hat auch nie gelernt Hilfe anzunehmen, denn er hat meistens auch keine Hilfe angeboten bekommen. Daher wirkt der Narzisst auch oftmals kalt, distanziert und teilweise auch gefühllos. Nach dem Vernehmen anderer wird beim Narzissten ein Mangel an Empathie, eine gewisse Rücksichtslosigkeit und ein sehr einnehmendes Wesen wahrgenommen. Er erhöht sich über andere und gibt ihnen ein Gefühl der Unzulänglichkeit. Er geht in seinem Innersten davon aus, nur wenn er Abliefert, bekommt er Lob und Aufmerksamkeit, sowie Respekt und Anerkennung. Ebenso geht er auch davon aus, wenn er schwächelt, weniger wertvoll zu sein, als andere und abgelehnt zu werden. Also arbeitet er auch vorrangig allein und nur sehr ungern im Team, weil er als Kind die Erfahrung machen musste, in den entscheidenden Momenten im Stich gelassen zu werden und alleine mit allem klar zu kommen. Der Modus der Selbsterhöhung kommt sowohl im Überkompensationsmodi der Grandiosität vor, als auch als Teil des Kindmodi. Nicht immer ist eine Selbsterhöhung (Bewältigungsmodus) als Abwertung zu verstehen. Manchmal dient sie auch als wichtiger Schutzmantel (Überlebensstrategie) für den Betroffenen, gerade dann, wenn er sich in einer Situation nicht sicher fühlt und einfach nur gesehen werden möchte.

Die Reaktion des Umfeldes, nämlich der Rückzug, oder die Verurteilung seiner Verhaltensweisen, bestätigt dem Narzissten am Ende wertlos und ungeliebt zu sein, sowie zu den Verlieren zu zählen, was er als erneuten Anlass sieht, sich dysfunktional zu verhalten.
Kommen jetzt noch andere Faktoren wie Verluste lieber Menschen, sexueller Missbrauch oder Mobbing hinzu, können sich noch weitere Persönlichkeitssstörungen entwickeln, wie z.B. die Borderline Persönlichkeitsstörung. Zusammen gefasst wird dieses Störungsmodell dann oftmals als kombinierte Persönlichkeitsstörung.

Wer jeden diagnostizierten Narzissten aufgrund seiner Modi mit anderen diagnostizierten Narzissten, die gar an einer antisozialen oder sadistischen Persönlichkeitsstörung zusätzlich erkrankt sind, vergleicht oder gleichstellt, begeht einen Fehler, denn jeder Narzisst ist auch ein eigenständiges Individuum. F.60.80 kann alleine da stehen, klassifiziert als Narzisstische PS oder eben auch in Kombination mit anderen Persönlichkeitsstörungsanteilen. Nicht jeder Narzisst ist gleich. Jeder Narzisst hat andere Bewältigungsmodi. Jeder Narzisst lebt in seiner eigenen Welt. Jeder Narzisst verhält sich anders. Jeder Narzisst hat seine eigene Geschichte, seine eigene Vergangenheit. Es gibt in den Bewältigungsschemata, sicherlich einige Ähnlichkeiten, aber oftmals mit unterschiedlicher Gewichtung und auch Bedeutung.
Verallgemeinerung und Pauschalisierung wäre unrecht. Nicht jeder Narzisst ist selbstverliebt. Nicht jeder Narzisst ist ein Psychopath. Wer nur die eine Erfahrung vorzuweisen hat, der hat zwar erstaunlich viel Pech gehabt, aber der darf trotzdem nicht alle Narzissten über einen Kamm scheren. Eine eigene Meinung ist immer erlaubt, aber ob diese Meinung dem Realitätscheck standhält, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Ich bin ein Narzisst, aber deswegen bestimmt kein schlechter Mensch. Viele meiner Denkmuster kommen automatisch und mein Verhalten ist entsprechend impulsiv. Das tue ich nicht um anderen bewusst zu schaden. Ich tue es in erster Linie um mein inneres Kind zu schützen. Viele meiner Bewertungsmuster sind fest in meinem Unterbewusstsein verankert, sie kommen automatisch, manchmal handele ich dann danach, so dass ich eben auf andere Menschen unsympathisch und unempathisch wirke. Durch die Schematherapie, die für jeden Narzissten aber auch Borderline-Patienten zugänglich ist, lernt der Narzisst sich selber zu trösten und seine Bewältigungsmuster besser zu steuern. Wer den Narzissten jetzt immer noch verteufelt, der sollte mal gucken, wo seine eigenen narzisstischen oder anderweitig gestörten Anteile liegen und ob für ihn oder sie nicht eventuell auch eine Schematherapie eine Möglichkeit ist, sein inneres Kind zu trösten, sowie seine Denk- und Verhaltensmuster entsprechend neu zu programmieren.

Unterscheidung von gesundem und ungesundem Narzissmus anhand eines fiktiven Beispiels, in dem Falle „der Politiker“

Jeder Mensch, egal welcher Personen- oder Berufsgruppe hat irgendwo narzisstische Anteile, das ist bewiesen. Jeder von Ihnen sehnt sich nach Anerkennung und Respekt für seine beruflichen Leistungen. Aber gilt das nicht für alle anderen Berufsgruppen auch? Man sollte jetzt nicht den Fehler machen und jede von der Norm abweichende Verhaltensweise oder jeden noch so außergewöhnlichen Lebensstil pathologisieren oder zur Diskussion stellen. Differenzierungen müssen erlaubt sein, denn gesunder Narzissmus ist nun mal Teil unserer Gesellschaft.

Wenn man bedenkt dass beinahe jeder Mensch narzisstische Anteile in sich hat, aber nur die wenigsten wirklich narzisstischen Persönlichkeiten sich in Behandlung begeben, entweder weil sie nicht wissen, dass sie nicht bloß narzisstische Anteile haben, sondern narzisstisch sind, ist das ganz schön Besorgniserregend. Wenn man dann noch den Klischees und dem Schubladendenken mancher Pseudo-Psychologen oder Ratgeberseiten im Internet allzu viel Beachtung schenkt, dann ist es kein Wunder, dass Narzissten aus Sicht der Gesellschaft böse Menschen sind. Nur wird jedem bösen Menschen gleich eine Persönlichkeitsstörung attestiert? Und ist jeder Narzisst deswegen gleich ein Psychopath? Verallgemeinerungen und Generalisierungen in diesem Bereich führen oft zu kontroversen Diskussionen, die kein Mensch wirklich brauch, weil sie einem die Zeit rauben, für die wesentlichen Dinge, auf die es wirklich ankommt. Politikern, Ärzten, Professoren, katholischen Priestern, teilweise auch Anwälten oder Porschefahrern wird gerne nachgesagt, dass sie ein übertrieben großes Ego haben um vielleicht etwas zu kompensieren. Nur ist das dann auch immer gleich bösartig oder pathologisch? Mag sein, dass manche von den Genannten oder selbsternannten das Selbstbewusstsein eines Zwergkaninchens haben, anatomisch schlecht bestückt sind oder beruflich und privat unter enormen Stress stehen, aber kann man das gleich wieder auf alle Menschen dieser Personengruppen beziehen? All die genannten Personen müssen überzeugend auftreten. Ihre Souveränität kann arrogant und überheblich wirken, aber auch das ist noch kein Indiz für eine Persönlichkeitsstörung. Nicht jeder der genannten hatte eine gestörte Beziehung zu seinen Eltern oder wurde in seiner Kindheit vernachlässigt.

Fakt ist wir alle kommen als Narzissten zur Welt. Als Baby dreht sich alles nur um das Kind. Wenn die narzisstischen Bedürfnisse ausreichend befriedigt werden, kann das Kind einen Zugang zu seinen eigenen Gefühlen entwickeln. (Gesunder Narzissmus) Wird das Kind vernachlässigt oder verhätschelt, besteht die Möglichkeit, dass das Kind in seiner emotionalen Entwicklung nachhaltig gestört wird. (Ungesunder Narzissmus)

Politiker, Investmentbanker, teilweise auch Mediziner und Wissenschaftler, Anwälte und Wirtschaftsbosse oder Manager brauchen ein enormes Selbstwertgefühl um dem Druck der Gesellschaft gewachsen zu sein, Von Ihnen wird ein entsprechendes Auftreten erwartet. Diese Menschen leben den gesunden Narzissmus aus. Nur einige wenige von Ihnen haben kriminelle Energie oder neigen zur Psychopathie. Das zu beurteilen, liegt nicht in der Hand des Menschen, auch wenn dieser die Auswirkungen oftmals am ehesten aushalten muss. Ein Psychopath stellt sich über alle Menschen, hält sich für normal, alle anderen sind krank. Er hat keinerlei Reue – oder Schuldempfinden und bewegt sich oft am Rande der Legalität. Ein krankhafter Narzisst kann keine Kritik ab und wertet andere ab, die nicht seine Meinung haben. Er neigt aber in der Regel nicht zu körperlicher Gewalt. Ein Mensch mit gesundem Narzissmus, überzeugt seine Anhänger lediglich mit viel Aufwand von seiner politischen Meinung, mit souveränem Auftreten. Aber das ist Politik, Machtkampf und Meinungsmache. Psychopathisch (Böser Narzissmus) wäre es, wenn dieser Mensch davon ausgeht, dass nur seine Meinung etwas zählt und er zu kriminellen Methoden greift um die Menschen von sich und seiner Ideologie zu überzeugen.
Krankhaft wäre der Narzisst dann, wenn er von sich und seiner Meinung überzeugt ist, die Meinungen anderer aber nur schwer akzeptieren kann. Fühlt er sich kritisiert, wertet er andere ab. Ein Narzisst kann im Gegensatz zu einem Psychopathen reflektieren und ist zu Empathie in der Lage.

Text: Leonard Anders