Bei der vermeidend-selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung (auch ängstliche vermeidende Persönlichkeitsstörung genannt) handelt es sich um Menschen, die aus Angst vor Zurückweisung oder Kritik jegliche zwischenmenschliche Kontakte meiden bzw. nur dann eingehen, wenn sie sich sicher sind, dass sie Erfolg haben oder zumindest akzeptiert werden.

Beschwerdebild
Zwar dominiert der “größte Wunsch in meinem Leben” im Sinne von “mehr Zuwendung durch andere”, doch sind die Betroffenen so unsicher, schüchtern und damit nervös-angespannt, furchtsam, besorgt und von der Vorstellung geplagt sozial minderwertig, unattraktiv, zumindest aber den anderen unterlegen zu sein, dass sie sich im zwischenmenschlichen Kontakt tatsächlich als wenig “kompetent”, ja als ungeschickt erweisen und deshalb überhaupt nicht “aus ihrer Deckung heraustrauen”.

Unbekannte, vor allem aber riskante Aufgaben nehmen sie nur widerwillig auf sich, selbst wenn sie anderen als alltäglich bis harmlos erscheinen, weil sie die Furcht vor Fehlern und damit Beschämung als so unüberwindlich empfinden, dass sie solche “Fehltritte” dann auch tatsächlich begehen bzw. – als fatale Schlussfolgerung – lieber erst gar nicht antreten.

Dies alles führt zum Vermeiden sozialer oder beruflicher Aktivitäten, zum Austrocknen zwischenmenschlicher Kontakte aus Furcht vor Kritik, Missbilligung oder Zurückweisung. Und schließlich zu Einschränkungen im Lebensstil, der zuletzt nur noch von dem überzogenen Bedürfnis nach Sicherheit geprägt ist.

Bei der vermeidend-selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung gibt es viele Ähnlichkeiten und Parallelen zu einer vergleichbaren Angststörung, nämlich der sozialen Phobie (siehe diese).

Behandlung
Patienten mit einer vermeidend-selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung würden diesen Teufelskreis natürlich gerne durchbrechen, stehen aber durch ihre Wesensart der dafür notwendigen therapeutischen Beziehung im Wege, vor allem was ihr geringes Selbstbewusstsein (“das schaffe ich ohnehin nicht”) sowie die Furcht vor Enttäuschung, Zurückweisung und Kritik erschwert (“was wird man alles von mir verlangen”).

Deshalb empfiehlt sich zunächst eine Einzeltherapie, bei der es vor allem um stützende Zuwendung geht, damit der Betroffene allmählich Vertrauen fassen und eine gewisse Belastbarkeit entwickeln kann. Als sinnvoll erwiesen haben sich aber auch verhaltenstherapeutische Konzepte in der Gruppentherapie, wobei man sich untereinander aufbauen, stützen und zu helfen versucht.

Dominieren ängstlich-depressive Verstimmungen, kann man im Einzelfall auch Medikamente erwägen, vor allem Antidepressiva.

Weiterführende Informationen: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/selbstunsicherheit.html