Bei der Psychotherapie, also der Behandlung mit psychologischen Mitteln hängt die Wahl des therapeutischen Vorgehens einerseits von der speziellen Form der Persönlichkeitsstörung und andererseits vom Schweregrad bzw. evtl. begleitenden psychischen Erkrankungen ab.

Die Heilungsaussichten sind gerade bei Persönlichkeitsstörungen individueller zu beurteilen als bei anderen psychischen Störungen. Darüber hinaus gibt es auch eine Unterteilung nach Unterformen mit jeweils eigenen Erfolgsaussichten.

Zu einer eher guten Prognose tendieren die histrionischen (früher hysterisch genannten), zwanghaften, dependenten und vermeidend-selbstunsicheren Persönlichkeitsstörungen. Unter den heutigen Behandlungsbedingungen zunehmend auch die früher eher pessimistisch beurteilten Borderline- und narzisstischen Persönlichkeitsstörungen.

Die derzeit wichtigsten bzw. anerkannten Therapieformen in dieser Hinsicht sind die so genannten kognitiv/verhaltenstherapeutischen und supportiven (unterstützenden) Techniken sowie tiefenpsychologische und/oder störungsorientierte Behandlungsverfahren, die gezielt auf die spezifischen Problembereiche einer gestörten Persönlichkeit eingehen. Daneben pädagogische bzw. psychagogische (Kombination aus psychologischen und pädagogischen) Therapiemethoden. Und alles mit der Tendenz, möglichst viel Selbsterfahrung und selbstgesteuerte Veränderungsmöglichkeiten zu nutzen.

Die Dauer einer solchen Therapie pflegt in der Regel längere Zeiträume zu umfassen, jedenfalls oftmals mehr, als für eine durchschnittliche Psychotherapie für andere Heilanzeigen vorgesehen ist. Es geht einfach um die allmähliche, dafür aber dauerhafte Umgestaltung vieler – oft eben auch negativer – Eigenschaften im Bereich des Erlebens, Befindens und sozialen Verhaltens – und das kostet Zeit. Manchmal helfen aber auch kürzere Krisen-Interventionen, vor allem wenn es sich um akute Zuspitzungen im zwischenmenschlichen Bereich handelt (Familie, Beruf, Nachbarschaft), aus denen dann ernstere soziale Konflikte zu entstehen drohen.

Der narzisstische Patient muß in der Psychotherapie lernen, seine Ansprüche zu reduzieren, sich zurückzunehmen, eine gewisse Anpassung an die Umgebung zu üben und die Probleme nicht nur bei anderen, sondern auch bei sich selber zu suchen. Und vor allem anschließend das gemeinsam erarbeitete zu akzeptieren und auch zu bewältigen trachten.

In allen Fällen kann es nicht verwundern, dass es bei solchen Therapeut-Patient-Beziehungen besonders gut „funktionieren“ muss (was zwar in jeder Psychotherapie die unverzichtbare Grundlage ist, bei solch „schwierigen“ Klienten, wie im Falle einer Persönlichkeitsstörung aber ganz besonders).

Manchmal können auch Paar-Gespräche hilfreich sein, besonders, wenn sich die Probleme auf die Partnerschaft konzentrieren. Gut geeignet sind für viele (allerdings nicht alle, insbesondere nicht allzu sehr gestörte) Patienten die Gruppentherapien. Das Stichwort lautet: „Beispiel-Lernen“, d h. die Beobachtung der anderen mit ihren negativen, auf jeden Fall belastenden bis störenden Verhaltensweisen kann manchmal Wunder wirken, indem der Betreffende plötzlich spürt, dass er ja selber nicht viel anders ist bzw. mit seiner Umgebung ähnlich umspringt. In solchen Gruppen-Runden geht es dann in der Regel auch nicht zimperlich zu. Und wenn die einzelnen gelernt haben, nicht nur Kritik auszuteilen, sondern auch einmal einzustecken und vielleicht sogar langsam konstruktiv zu nutzen (Fachbegriff: positives Feedback), dann kommt es schließlich auch zur therapeutisch erwünschten Stärkung positiver und zumindest Milderung störender Verhaltensweisen.

Der Leidensdruck wäre nämlich dann die Grundlage der Selbstbesinnung und Um-Orientierung im zwischenmenschlichen, d.h. partnerschaftlichen, familiären, nachbarschaftlichen und schließlich beruflichen Bereich.

Das heißt allerdings auch, dass ggf. mit entsprechend belastenden Gemüts-Reaktionen bezahlt werden muss, d.h. Resignation, Niedergeschlagenheit, Angst, mit Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln. Doch solche Symptome pflegen in der nachfolgenden stützenden Behandlung eine eher günstige Ausgangslage zu sein und verbessern bei konsequenter Therapie die langfristigen Heilungsaussichten.

Quelle: Prof. Dr. med. Volker Faust, Zentrum für Psychiatrie – Die Weissenau, Abt. Psychiatrie I der Universität Ulm, D – 88214 Ravensburg

Die wichtigsten Therapieformen in Kurzform

Wichtig für den Patienten ist zuerst zu entscheiden, ob er sich schon in der Lage fühlt, sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen – was unter Umständen sehr schmerzhaft sein kann – oder ob es ihm im Moment genügt, die Symptome abzuschwächen. Je nachdem wird er sich für eher tiefenpsychologisch oder kognitiv orientierte Verfahren entscheiden. Schnellere Erfolge werden mit der kognitiven Verhaltenstherapie erzielt. Erfolgversprechend ist sicher auch eine Kombination der Verfahren. Auf jeden Fall ist dies aber immer mit dem behandelnden Arzt und/oder Therapeuten abzuklären. Nachfolgende Beschreibungen – ebenso wie obiger Text – sollen nur informieren, nicht beraten.

Psychoanalyse nach Sigmund Freud

Die Psychoanalyse beruht auf den Erkenntnissen von Sigmund Freud. Ziel hierbei ist es, seelische Konflikte des Patienten zu erkennen, auch wenn sie sehr tief in seinem Unterbewusstsein vergraben sind. Freud setzt voraus, dass die Ursache von psychischen Problemen in der Kindheit liegt. Zentrale Begriffe sind dabei das Ich, das Es und das Über-Ich. Das Es ist dabei der Teil, der weitgehend aus Urinstinkten und Trieben besteht und nach nichts anderem als deren Befriedigung strebt. Das Über-Ich steht dem Es gegenüber und baut sich auf aus Verboten, Zurückweisungen und Anpassungen an gesellschaftliche Konventionen und Familiengesetze. Dazwischen liegt das Ich, die bewusste Persönlichkeit, die zwischen Ansprüchen und Einflüsterungen von Es und Über-Ich hin- und hergerissen wird.

Eine „Erfindung“ der Psychoanalyse ist das Unbewusste, dass das Denken, Handeln und Fühlen beeinflusst. Bedrohliche Konflikterfahrungen werden ins Unbewusste verdrängt, wodurch dann Neurosen entstehen. Ein neurotisches Verhalten entsteht z.B., wenn ein verdrängter Konflikt auf ein gegenwärtiges Problem projiziert wird.

Das Ziel der Psychoanalyse ist nun, beim Patienten eine Einsicht zu erlangen, wie dieser psychisch gebaut ist, wie die individuelle Problematik entstanden ist und wie diese Dinge das Alltagsleben beeinflussen.

Der Patient liegt während des Therapiegesprächs auf einer Couch, der Therapeut sitzt hinter ihm, außerhalb seines Blickfeldes. Der Patient soll alles äußern, was ihm durch den Kopf geht, egal ob es unerheblich erscheint oder vielleicht sogar peinlich ist. Der Analytiker bleibt relativ passiv, seine hauptsächliche Aufgabe ist es, zuzuhören. Erkennt der Therapeut jedoch Zusammenhänge, so gibt er dem Patienten Deutungen, gibt Hinweise auf „Knackpunkte“.
Der Patient soll Konflikte erkennen, neu erleben, die damit verbundenen Gefühle empfinden und durch Einsicht lernen, sein Verhalten zu ändern. Der Therapeut steht dabei symbolisch für Bezugspersonen des Patienten. Die Gefühle, die der Patient z.B. gegenüber seinen Eltern hat, überträgt er nun auf den Analytiker. Da dieser anders reagiert, positiver, verständnisvoller, nicht ablehnend, kann der Konflikt neu bearbeitet werden.

Analytisch orientierte Psychotherapie

Die analytisch orientierte Psychotherapie ist ein verbales Therapieverfahren in der Tradition der Psychoanalyse, das auf der Annahme basiert, daß im therapeutischen Gespräch Erkenntnis- und Veränderungsprozesse stattfinden. Dabei wird angestrebt, gegenwärtige Probleme unter der Berücksichtigung innerer, in der Vergangenheit verwurzelter Konflikte zu lösen. Man geht davon aus, daß diese inneren Konflikte den Hintergrund für aktuelle Probleme bilden können.

Es können je nach Bedarf auch Angehörige hinzugezogen werden, wobei sich die Arbeit in dem Fall um die Probleme des Patienten dreht und nur sekundär, soweit das dafür relevant ist, um die Konflikte zwischen den Familienmitgliedern. Die analytisch orientierte Psychotherapie ist synonym mit der tiefenpsychologisch orientierten Therapie.

Verhaltenstherapie (Kognitive Therapie)

Die Verhaltenstherapie (VT) zielt vielmehr auf die Symptome und konkreten Konflikte der vorliegenden Krankheit. Besonders bei Ängsten hat sich die VT als wirkungsvoll erwiesen. Diese Therapie beruht auf der Erkenntnis, dass viele Verhaltensweisen erlernt sind. Entsprechend kann man umlernen, die „falsche“ Verhaltensweise wieder „verlernen“.

Die ersten Therapiestunden dienen jedoch auch hier zunächst der Konfliktfindung. Es wird jedoch nur der konkrete Konflikt bearbeitet, der sehr viel schneller erkannt werden kann als die Konflikte der frühen Kindheit, die in der Analyse bearbeitet werden.

Auch in der Verhaltenstherapie gibt es verschiedene Unterarten. Bei spezifischen Phobien wird z.B. häufig eine Konfrontationstherapie angewendet. Der Patient wird dabei dem befürchteten Objekt ausgesetzt, zunächst in abgeschwächter Form. Innerhalb kürzester Zeit kann der Patient so lernen, dass das befürchtete Objekt keinerlei Gefahr darstellt.

Bei Depressionen oder bei sozialer Phobie wird mehr in Richtung kognitives Verhalten gearbeitet. Die Kognition umfasst die Gedankengänge, damit verbundene Gefühle. Es handelt sich hier quasi um eine Verhaltenstherapie, die sich im Kopf abspielt. Hat der Depressive, immer wenn er von einer bekannten Person nicht gegrüßt wurde, stets daraus geschlossen, dass er etwas falsch gemacht haben muss, lernt er nun, dass möglicherweise das Gegenüber ihn einfach nicht gesehen hat, schlecht gelaunt ist oder ähnliches.