“Wie können Menschen an Fettleibigkeit sterben, während andere verhungern?”
Das ist die Macht der Gier, die uns dahin führt. Die Menschen wollen nicht nur reich sein, sondern am liebsten am reichsten von allen. Wir richten unsere Welt zu Grunde. Wir gehen nicht achtsam mit unseren Ressourcen um. Anstatt aber Verantwortung dafür zu übernehmen, reden wir uns alles schön und gehen in die Verdrängung. Wir wollen es einfach nicht wahrhaben und schließen jede Möglichkeit aus, dass es wirklich dazu kommt. Wie soll so das Mitgefühl und Verständnis innerhalb der Gesellschaft für die Gesellschaft wachsen, wenn wir gedankenlos mit unseren Mitmenschen umgehen und davon ausgehen, dass sie es uns durchgehen lassen?

Das perverse verhalten unserer Gesellschaft könnte durch BEWUSSTSEIN verwandelt werden. Keine ‘wir sollten’ Moral kann hier helfen – nur das tiefe Verständnis psychologischer Zusammenhänge und emotionaler Bedürfnisse kann uns dazu bringen – freiwillig kontraproduktive Mechanismen zu überwinden. Nur woher soll dieses dringend benötige BEWUSSTSEIN kommen?

Umgangssprachlich bedeutet Gier auch Begehren. Ist Gier noch normal und erst die Habgier (Raffgier, Habsucht) als eine übersteigerte, rücksichtslose Form der Gier bedenklich? Was ich begehre, verehre ich auch, aber wonach ich giere, kann man sowohl gewinnen, als auch verlieren. In unserer Gesellschaft kommt es immer mehr auf Haben an. Wer sich alles nimmt, kann nichts mehr geben, außer eben, das was er dafür aufgibt, um alles zu besitzen, nämlich die Moral und womöglich seine Freunde, die er durch seine Illoyalität aufs Spiel setzt. Nur kann diese Habgier tatsächlich glücklich machen?

Eine andere Dimension entsteht, wenn man in die Kategorie Karriere eintritt. Hier wird bereits mit fußballerischen Mitteln gearbeitet. Ellenbogenchecks, Tritte in die Hacken oder gegen das Schienbein und andere Fouls gehören zum Erfolgsweg. Sie sind keine Voraussetzung, aber auch nicht ausgeschlossen. Und die Betroffenen wissen, wer ganz oben ankommt, der bekommt richtig viel Kohle und einen Obolus noch dazu: Macht.

Und da kommen wir wieder auf den Narzissmus zu sprechen. Geld zu haben, mächtig zu sein, scheint für viele ein Erstrebenswertes Ziel zu sein. Nur wer sich nur noch über Geld und Macht definiert, kann in ein tiefes Loch fallen, sobald er sein Geld verliert oder die Macht ihm genommen wird, weil sich keiner ihm unterstellen möchte. Die Gier nach Geld, kann den Charakter zerstören, spätestens dann, wenn die Gier befriedigt wurde und der Mensch sich und sein Umfeld über den Kontostand definiert und sich dadurch sein gesellschaftlicher Rahmen minimiert.

Der Finanzbereich ist einer der markantesten dafür, wie sich die Gier darstellt. Die Geschichte der Finanzmärkte zeigt, dass die Menschen selbst in Krisenzeiten und bei instabilen Finanzmärkten auf das glatte Parkett begeben. Sie scheuen sich nicht, ihr Geldvermögen einzusetzen. Immer mit dem Ziel und der Hoffnung, es zu vermehren. Und stellt sich dann sogar ein Gewinn ein, ist das in vielen Fällen kein Grund, es genug sein zu lassen. Jetzt fängt der Nervenkitzel erst richtig an. Es ist wie eine Sucht, vergleichbar dem, was nach dem Genuss von Hasch oder anderen Suchtmitteln in Erscheinung tritt.

Diese Macht der Gier, erinnert mich an so manchen Vierbeiner, der, nachdem sein Futternapf gefüllt wurde, gierig mit der Schnauze ebendiesen auszuschlecken, das darin befindliche Trockenfutter runterzuschlingen um dann wenig später beim nächsten Rascheln aufschaut, mit treudoofen Blick, mit der Hoffnung noch ein weiteres Leckerli zu erhaschen. Hunde haben kein Sättigungsgefühl. Menschen wissen auch oft nicht, wann es genug ist. Sie wollen mehr Geld, mehr Macht, mehr Urlaub, dafür aber weniger arbeiten, weniger geben um ihrem Leben damit einen anderen Sinn zu geben, als nach wahrem Glück zu streben.

Es gibt Bücher und Lieder über die Gier oder das Streben danach, welche weder gelesen noch gehört werden. Selbst vermitteltes Wissen über Dokumentationen oder durch klägliche Erziehungsversuche mancher überforderter Eltern, kann nicht verhindern, dass unsere Kinder in den Strudel des Konsums geraten und nach immer mehr gieren. Immer dann, wenn ein neues Smartphone auf den Markt kommt, werden die Pausenhöfe mit der Gier nach materiellem Besitz überschwemmt, den man nur brauch, um den Selbstwert über den Neid der anderen aufzupolieren. Am Ende aber, wenn die Masse merkt, nicht mithalten zu können, wendet sich ein Großteil dessen ab und der Heranwachsende ist allein. Und wie das bekannteste Sprichwort uns verrät: „Geld allein macht nicht glücklich“ oder „Freunde sind der größte Reichtum auf Erden“

Diese Erkenntnis täte auch so manchem Narzissten gut, der oftmals nicht merkt, ein Narzisst zu sein, denn er hat ja alles: Geld, Macht, ein dickes Auto und eben viele Menschen um sich herum, die sich am Ende als Neider entpuppen, weil auch sie mittlerweile angesteckt wurden mit dieser krankmachenden Droge, der Gier nach mehr.

Text von Leonard Anders