Die histrionische Persönlichkeitsstörung (vom lateinischen: histrio = Schauspieler, Gaukler) erhielt ihre neue, erst einmal ungewöhnlich klingende und wirkende Fachbezeichnung durch den Versuch, den (abwertenden) Beiklang des Begriffes “Hysterie” zu vermeiden. Oder kurz: hysterisch heißt heute histrionisch.

Eine kurze Definition lautet: Durchgängiges Muster emotionaler Instabilität (Gemüts-Labilität) mit übermäßigem Verlangen nach Aufmerksamkeit.

Beschwerdebild:
Nachfolgend ein etwas ausführlicheres Beschwerdebild, um das – besonders in der Allgemeinheit eher schillernde – Phänomen “Hysterie” konkreter zu fassen:

– Neigung zu dramatischen Auftritten, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen; bezaubern anfangs durch ihren Enthusiasmus (Begeisterungsfähigkeit bis zur Schwärmerei), durch ihre scheinbare Offenheit und vor allem Koketterie (eitel-selbstgefällig, Gefallsucht, auf Aufmerksamkeit aus); schlüpfen gerne in die Rolle einer “Stimmungskanone”.

Wenn sie die Aufmerksamkeit zu verlieren drohen, können sie Zuflucht zu dramatischen Reaktionen nehmen: Geschichten erfinden, eine Szene machen. Bei Vorgesetzten, Persönlichkeiten oder dem Arzt schmeicheln sie sich gerne mit Geschenken ein oder ziehen die Aufmerksamkeit mit dramatischen Beschreibungen ihrer seelischen oder körperlichen Beschwerden auf sich.

– Auftreten und Verhalten sind in sexueller Hinsicht oft unangepasst bis provozierend oder gar verführerisch. Dies betrifft nicht nur Personen, an denen die Betroffenen ein sexuelles oder zumindest gefühlsmäßiges Interesse haben, sondern auch andere zwischenmenschliche, soziale oder berufliche Beziehungen. Dabei fallen nicht nur die Unangemessenheit dieses Verhaltens, sondern auch die oberflächliche und rasch wechselnde Gemütseinstellung auf.

– Zur Aufmerksamkeits-Zentrierung auf die eigene Person wird konsequent die eigene Erscheinung eingesetzt, d. h. man versucht unaufhaltsam durch entsprechendes Auftreten zu beeindrucken. Das kostet viel Zeit, Geld und Energie für Kleidung, Körperpflege, Schmuck und exquisite Besonderheiten.

Komplimente werden schnell und fast unersättlich aufgegriffen, kritische Bemerkungen hingegen genauso rasch verdrossen, verärgert, gereizt oder aggressiv zurückgewiesen.

– Der Sprachstil ist übertrieben ausdrucksreich bis “blumig”, aber wenig detailliert. Alles bleibt irgendwie vage, diffus, nicht beweisbar (im Guten wie im Schlechten), ohne Sorgfalt, Tiefgang, vor allem schnell variierbar, austauschbar.

– Charakteristisch ist eine Neigung zur Dramatisierung, zu theatralischem Auftreten und übertriebenem Gefühlsausdruck.

Beispiele: exaltierte (überspannte, überschwengliche) Begrüßungszeremonien, unkontrollierte Weinkrämpfe bei banalen Anlässen, auch Wutausbrüche u.a. Dabei alles rasch “an- und ausschaltbar”, so dass bald der Verdacht aufkommt, diese Gefühle seien nur “strategisch” oder gar vorgetäuscht.

– Hohe Suggestibilität (Beeinflussbarkeit), d. h. Standpunkte und Gefühle können leicht von anderen oder auch nur von Modeerscheinungen beeinflusst werden. Das ist auf der einen Seite eine übertriebene Vertrauensseeligkeit, besonders gegenüber wichtigen Persönlichkeiten, Autoritäten, auch gegenüber dem Arzt (“Zauberkräfte”), auf der anderen Seite eine rasche und vor allem kränkende Abwertung, wenn die überzogenen Ansprüche nicht erfüllt werden können.

– Und diese Menschen sehen ihre zwischenmenschlichen Beziehungen persönlicher und gemütsintensiver (bis zur “Gefühlsduselei”) und flüchten, wenn sie sich enttäuscht sehen, in romantische Phantasien oder abrupte (plötzliche und unvorhersehbare) Reaktionen.

Weitere Einzelheiten, insbesondere, was die psychosozialen Folgen anbelangt, siehe das spezielle Kapitel über Hysterie.

Behandlung
Psychotherapeutisch in Form von Einzel- und Gruppentherapie, in denen die Patienten einen “normalen” zwischenmenschlichen Kontakt erlernen und ihren bisherigen (hysterischen) Beziehungsstil ablegen sollen.

Ähnlich wie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung muss der Therapeut auch hier ständig aufpassen, nicht durch ein nicht selten geschickt verstecktes manipulatives Verhalten des Patienten beeinflusst, ja gelenkt und damit therapeutisch missbraucht zu werden.

Medikamentös sollte man sich bei histrionischen Persönlichkeitsstörungen zurückhalten. Bei der Sonderform der so genannten “hysteroiden Dysphorie” (also einer ständigen Miss-Stimmung dieser Patienten) wurden auch mal Antidepressiva empfohlen, besonders so genannte MAO-Hemmer (Einzelheiten siehe das Kapitel über Antidepressiva).

Quelle: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/persoenlichkeit.html