Wer kennt sie nicht die Menschen, die extrem misstrauisch sind, überängstlich, immer im Glauben man würde über sie reden, es würde sich (fast alles) um sie drehen, sie wären gemeint, sie wären angesprochen. Man redet von Ich-Bezogenheit, Selbstzentriertheit oder Egomanie, im schlimmsten Falle sogar paranoiden Zügen.

Man sieht von Außen wie sie sind. Sie werden als störend wahrgenommen bzw. empfunden. Man macht gern einen Bogen um sie herum. Man nennt sie in Foren sogar selbstverliebt, narzisstisch.

Andere sagen dazu Borderline. Warum eigentlich?

Sie stören. Sie sind lästig. Sie sind aber auch ein Spiegel, könnte man meinen. Wir gehen schließlich in Resonanz damit. Es löst etwas in uns aus. Was genau eigentlich?
Warum sie so sind, fragt aber kein Mensch, zu sehr ist man damit beschäftigt diese Menschen sich vom Leib zu halten oder sich gar selbst zu fragen, was man falsch gemacht hat. Die Frage nach dem „Warum verhält der sich jetzt so?“ darf aber gerne gestellt werden.

Diese Menschen sind oftmals traumatisiert, traumatisiert durch permanentes Mobbing, durch permanente Zurückweisung, Ablehnung, Ausgrenzung, manchmal sogar schlimmer Gewalt oder sexuellem Missbrauch. Sie waren Opfer, wurden in ihrem Schöpferdasein behindert, nicht ausreichend gefördert, nicht wertgeschätzt, nicht gesehen, stattdessen wurden sie gezwungen teilnahmsloser, stiller, hilfloser Zeuge zu werden der Scheißbehandlung ihres Umfelds.

Ihr Verhalten ist nur ein verzweifelter Hilfeschrei, eine Traumaabwehrstrategie, vielleicht auch ein projektiver Abwehr- oder Überlebensmechanismus. In jedem Falle sind diese Menschen, die sich so verhalten tief in ihrem innersten schwer verwundet. Und was hat das jetzt mit uns zu tun?

Nicht immer verhält sich ein Mensch so, wie wir glauben, dass er sich so verhält. Nicht immer kennen wir den genauen Grund. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass es keiner weiß, bevor er nicht nachgefragt hat oder besser noch einen Tag in den Schuhen desjenigen gelaufen zu sein.

Selbst das, was Fachleute im Studium darüber lernen oder was in Büchern steht,. muss nicht immer stimmen. Und auch Ärzte können nur eine Vermutung anstellen, genauso wie Pädagogen und Psychologen.

Manchmal verhält er sich auch nur so, gerade weil wir so über diesen Menschen denken, statt zu schauen, was das mit uns zu tun hat, was das mit uns macht und danach erst zu entscheiden, wie wir damit umgehen können. Sind wir vielleicht sogar selber gerade etwas überfordert und wissen nicht, was wir tun sollen?

Etwas zu beschreiben, statt dauernd zu bewerten, erhöht das Verständnis und ist sogar Empathiefördernd.

Unsere Gedanken über Jemanden oder Etwas beeinflussen unsere Gefühle. Wer aber hat die Macht über unsere Gedanken? Sind das nicht wir selbst? Oder sind wirklich immer die anderen daran schuld?

Nachfragen kostet nichts oder?

Text von Leonard Anders
www.leonard-anders.de