Warum die narzisstische Abwehr so gefährlich ist und Narzissten latente Frauenhasser sind

Wie der Körper so hat auch die Psyche ein Abwehr- oder Immunsystem, die Projektion ist ein wesentlicher Baustein davon.

Wir alle kennen das Fieber, welches kommt, sobald wir etwas ausbrüten. Das Fieber ist auch als Gesundheitspolizei bekannt und hilft uns beim Aus(schwitz)en jeglicher Viren. Genauso kann man die Projektion verstehen. Nur dass es in dem Falle nicht den Körper betrifft, sondern die Psyche. Wir sitzen einen Konflikt aus, indem wir unser Gefühl zum Gefühl der anderen machen. Die anderen sind „schuld“ dass wir uns so fühlen. Besonders Menschen mit Persönlichkeitsstörung sind von diesem Phänomen der Projektion betroffen. (Liebe Leidensgenossen, nicht nur wir Narzissten sind so)

Die klassische Projektion liegt dann vor, wenn bestimmte psychische Eigenschaften, wie Aggression, Sexualität, Gier, Neid, Lebendigkeit oder Unordnung in einer Person entwertet sind und daher von ihr nicht toleriert werden können. (Ich bin alles, was die anderen nicht sind)

Da diese Anteile als schlecht oder böse bewertet sind, findet man sie nicht bei sich und schiebt sie anderen in die Schuhe und dort werden sie dafür überdeutlich als störend wahrgenommen und bekämpft. (Alles was an uns schlecht ist, schreiben wir anderen zu. Wir wollen es nicht wahrhaben, dass es von Innen kommt, daher bekämpfen wir gerne das Außen. „Die anderen sind der Spiegel, der das falsche Selbst spiegelt“). Zur Projektion eigener Anteile gehört zusätzlich, dass man emotional gereizt auf dieses Thema reagiert und ihm scheinbar überall begegnet.

Fast jeder persönlichkeitsgestörte Mensch lebt in einer Welt, in der es oft nur schwarz

oder weiß gibt und in der Grauzonen (andere mögliche Sichtweisen) eine Rarität sind.

Jeder, der unsere Meinung nicht teilt, wird im Sinne der narzisstischen Abwehr

abgelehnt. (Als Kind wurde der Betroffene zumeist für sein „Andersein“ abgewertet, was er nun als Schutz umgekehrt hat). Jeder, der mit uns auf einer Wellenlänge ist, dagegen wird idealisiert. (Wir glauben, jeder der uns bestätigt, mag uns, versteht uns und lässt uns sein). Wir vergessen allerdings immer wieder, dass Niemand perfekt ist, man selber also nicht perfekt sein muss und weder schwarz noch weiß nötig sind, um sich eine Meinung zu bilden. Tränen sind keine Schwäche und Wut ist auch keine Stärke. Das wirkliche Gefühl, welches durch die Abwehr oft verdeckt wird, wird immer mehr zum Manko, was den Selbstwert mindert. Anstatt zum wahren Gefühl zu stehen, projizieren wir unser erlerntes Schema auf andere, was uns in der Folge daran hindert stabile Beziehungen einzugehen und aufrecht zu erhalten. Anstatt uns anzunähern, entfernen wir uns.

Unser eigentliches Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung kompromittieren wir damit selber. „Der andere will uns an sich nichts Böses, der andere hat nur eine eigene Meinung“.

Die reine Projektion ist ein reifer Abwehrmechanismus, die projektive Identifikation tritt vor allem im Rahmen schwerer Persönlichkeitsstörungen auf und ist ein unreifer Abwehrmechanismus. Auch hier wird der kognitive Anteil projiziert: „Nicht ich bin aggressiv, sondern die anderen, ich wehre mich nur.“ Der Unterschied liegt darin, dass man den emotionalen Anteil nicht wegbekommt. Im Selbsterleben heißt das, man meint genau zu spüren, was der andere vorhat, wie durchtrieben und hinterlistig er ist, denn das Hauptthema der projektiven Identifikation sind Arten von Aggression und Manipulation. Und wie böse der andere ist, schleppt man ständig mit sich herum, kommt jedoch auch hier nicht auf die Idee, dass es eigene Aggressionen sein könnten, die man sieht: denn man spürt ja genau, was der andere will und meint und denkt, dass man sich nicht hinters Licht führen lässt und die Wahrheit nur etwas klarer sieht, als alle anderen. Die Größenphantasien, die hier durchschimmern, sind typisch für die Ebene der schweren Persönlichkeitsstörungen.

Die meisten Narzissten hatten (und haben oft noch immer) eine belastete oder manchmal auch keine Beziehung zur eigenen Mutter (oder zum Vater). Unbewusst sucht sich der Narzisst Frauen die ihn an seine Mutter erinnern (Die Frau sucht sich gerne Männer, die sie an ihre Mutter oder Vater erinnern.) Die Bestätigung nichts wert zu sein symbolisiert den „Schatten“ den wir nicht abschütteln können. Um dem sich diesem Leid zu entziehen, wird unser psychisches Immunsystem angeschmissen. Unser Partner nimmt in dem Falle eine Stellvertreterposition ein, auf den wir unsere Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte projizieren und gleichzeitig zum Blitzableiter mutiert.

Wenn man sich viele meiner Ex- Freundinnen anschaut, fällt sofort auf, dass beinahe Alle eine optische Ähnlichkeit mit meiner Mutter aufweisen. Sobald sie sich aber auch noch wie meine Mutter aufführten, wurden meine Kindheitstraumata maßgeblich getriggert. Ich bin dann automatisch von jetzt auf gleich in die Abwehr gegangen. Ich weiß, dass diese Frauen nichts dafür können und mir im Grunde nichts Schlechtes wollen, aber meine nachträgliche Bauernweisheit lindert leider auch nicht den Schmerz, den ich bei den Frauen verursacht habe. Ich weiß zwar, dass ich nicht wie der Klischeenarzisst, bekannt aus Fernsehen und Internet in meinen Beziehungen aufgetreten bin, aber wirklich glücklich war ich in keiner meiner Beziehungen. Ich hatte immer die unerträgliche Angst die Liebe meiner Partnerin zu verlieren. Und bevor sie sich von mir trennt, weil sie vielleicht „Etwas an mir nicht mag oder verändern will“ habe ich mich getrennt.

Meinen Mutterhass habe ich stets auf meine Mutter lenken können, aber meinen Mangelschmerz habe ich auf beinahe jede Frau projiziert, die mir emotional zu nahe kam, wenn sie dem beschriebenen Bild meiner Mutter entsprach.

Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass meine Mutter ist wie sie ist. Ich bin nach wie vor verletzt. Aber ich werde nicht mehr um ihre Anerkennung oder Liebe kämpfen. Meine Mutter kann sich einfach nicht ändern. Sie ist nicht fähig dazu, mehr noch fehlt ihr die Einsicht dazu. Mit Hilfe der Therapie jedenfalls konnte ich den hauptsächlichen Teil meines Mangelsschmerzes identifizieren und durch positive Erfahrungen mit meinen Therapeuten (Asmussen, Wiedenmann, Senft, Fehlinger) einigermaßen ausgleichen. Ich hoffe so, dass ich langfristig wieder in der Lage bin (oder endlich) die Beziehung zu einer Frau zu führen, die mich glücklich macht.

Die eigene Psyche sonnt sich in Unschuld, das entwertete, böse, schlechte Element ist bei jemand anderem geparkt und nie käme man von sich aus auf die Idee, es könne das eigene sein. (Leonard)

In vielen Internetforen begegnen uns Menschen, die ihre Verachtung auf ihr Selbst, ihren Mangelschmerz und ihren Frust an anderen abreagieren. Ob jetzt in den einschlägig bekannten Narzissmus- Opferdisskusionsforen, Selbsthilfegruppen für Ex- Frauen von Narzissten (die sich im Grunde auch nur einem Menschen emotional verfügbar machten, der sie unbewusst an jemanden erinnerte) oder auf anderen Websiten in denen man in Kommentarfeldern seine Wut ausdrücken kann, spielt dabei keine Rolle. Die Doppelmoral, die sich aufdrängende Ambivalenz und die narzisstische Normopathie, die den Opferkult auf bemitleidenswerte Art und Weise weiter anstachelt, fällt besonders subtil ins Auge. Anstatt sich zu reflektieren, wird um sich geschossen. Die Ex- Partnerinnen von Narzissten (oder auch Kinder narzisstischer Mütter) verhalten sich im Umkehrschluss genauso, wie sie es anderen vorwerfen, sich zu verhalten. Die Projektion wird zum Teufelskreis. Jeder Mensch, der „Opfer“ narzisstischer Übertragung wurde, überträgt von Nun an selber. Der Narzissmus entwickelt sich immer mehr zum Massenphänomen, der dem Noro- Virus gleicht. Jeder kackt und kotzt sich aus, ohne Rücksicht auf Verluste. Was raus muss, muss raus, auch wenn es oft das falsche Objekt trifft. Um aus dieser „Opferhaltung“ raus zukommen, bedarf es schon einem Anstoß von mitfühlenden Menschen, die einem den Anstoß geben, inne zuhalten und über das eigene Verhalten nachzudenken. Vorwürfe sind kontraproduktiv. Verständnis und Mitgefühl ist wichtig. Leider sind diese zu erfüllenden Attribute im Falle der narzisstischen Abwehr nur schwer zu erfüllen. Zum einen werden auch empathische Menschen mit in die schwarz- weiße Welt der Projektion mit hinein gezogen, zum anderen sind die Gefühle im ersten Moment zu extrem, als dass man reflexartig innehalten kann. Oft kann nur eine Therapie (und ich empfehle bekanntermaßen die Schematherapie) dabei helfen, den Mangelschmerz zu lindern und das Erlebte angemessen aufzuarbeiten. Therapeuten, die sich über ihre eigenen narzisstischen Bedürftigkeiten und Anteile bewusst sind und selbstreflektiert dem Patienten gegenübertreten, eignen sich besonders für eine förderliche und wertschätzende Beziehung mit einem NPS´ler. Nicht jeder Therapeut kann damit umgehen, weil auch ein Therapeut nur ein Mensch ist, der wie Du oder Ich nur mit Wasser kocht. Es gibt keine Übermenschen, außer man stellt sich selber über andere oder macht sich kleiner als man ist. In diesem Sinne wünsche Ich jedem von Euch eine erfolgreiche Aufarbeitung eurer Anteile, die euch zu dem Menschen macht, der ihr eigentlich seid. Was in Euch ist, darf gern ins Licht gerückt werden. Euer inneres Kind darf glücklich sein. Ihr dürft euch so fühlen, wie ihr euch fühlt. Ich wünsche Euch weitere positive Erkenntnisse.

Wenn du die Welt verändern möchtest, fange bitte bei dem Menschen an, den Du jeden Morgen als erstes vor dem Spiegel siehst. (Mahatma Gandhi)

Text: Leonard