Das Helfer-Syndrom

Manche Menschen mit Helfersyndrom sind übrigens auch Menschen mit narzisstischen
Zügen. Wieso? Will ich jetzt jeden verteufeln, der anderen hilft? Nein. Anderen zu helfen ist
menschlich, aber wenn diese Art von Hilfe eine Bedürfnisbefriedigung für den Helfer
darstellt und nur dazu dient, von sich abzulenken, dann lässt sich dahinter oft eine eigene
Leidensgeschichte verbinden, die mit dieser geleisteten Hilfe überdeckt wird. Manchen
Menschen bereitet es eine Riese Freude, wenn sie anderen helfen können, aber gibt es
auch etwas, was ihnen eine Freude macht, wenn sie anderen mal nicht helfen oder hängt
ihr alleiniges Wohlergehen davon ab, wie hilfsbereit man selber gegenüber anderen sein
konnte? Eine Gute Tat hat schließlich noch keinem geschadet.

Ebenso spielt der Hintergedanke dabei eine Rolle, die der Helfende möglicherweise damit
verfolgt. Geht er davon aus, dass nur seine Hilfe zu einem Erfolg führt? Oder möchte er
einfach nur ein bisschen Aufmerksamkeit und Wertschätzung als Gegenleistung erfahren?
Und wie geht er damit um, wenn man Nein sagt? Ist der Helfer dann beleidigt? Mault der
Helfer dann gar herum und wünscht dem aus seiner Bedürftigen innerlich ganz viel Pech?
Ein schwieriges Thema, wie sie merken.

Menschen, die einen fragen, ob sie helfen dürfen oder können, die sind in der Regel
gesund. Sie bieten ihre Hilfe an, was heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit mehr
ist. Sie helfen aus freien Stücken, entweder weil sie beauftragt wurden, es ihr Job ist oder
sie gefragt haben, ob Hilfe nötig ist. Ganz oft lässt sich allerdings auch beobachten, dass
andere einem helfen, obwohl man diese Hilfe nicht wollte und dann dafür auch noch einen
Dank erwarten. Dabei wird dann aus meiner Sicht, das Recht auf Selbstbestimmung
verletzt, auch wenn hinter dieser Hilfe ein guter Gedanke inne wohnt. In vielen Fällen
können sich die aus unserer Sicht Bedürftigen am besten selber Helfen. Was man als
Kompromiss anbieten kann, wäre Hilfe zur Selbsthilfe, aber daran denkt man im ersten
Moment nicht, was vollkommen verständlich ist und nicht zu verurteilen ist.

Oft fehlt dem Helfenden, der ungefragt hilft, das Feingefühl, was nicht mit dem Mitgefühl
zu verwechseln ist. Nein, es fehlt dieses zwischen menschliche Gefühl, ob die Hilfe
erwünscht, erforderlich oder notwendig ist. Manchmal gibt man nämlich durch diese
ungebetene Hilfe, den zu helfenden /bedürftigen Menschen ein schlechtes Gefühl, auch
wenn man eigentlich etwas Gutes wollte. Der Mensch fühlt sich dann bevormundet oder
übergangen. Manchmal möchte der Mensch keine Hilfe und dies gilt es dann auch zu
beherzigen, auch wenn man das nicht mit ansehen kann, wenn sich jemand abrackert oder
etwas länger für etwas brauch. Aber gerade hier gilt es dann die Distanz zu wahren. Schnell
kann die gebotene Hilfe auch als Druck empfunden werden. Der Mensch, der keine Hilfe
wollte, diese aber nun doch bekommt, kann sich dadurch genötigt fühlen, die Hilfe
anzunehmen oder schafft es aus dem schlechten gewissen heraus nicht, die Hilfeabzulehnen,
weil man dem Helfenden auf jeden all nicht vorn Kopf stoßen will. Nur ist es
oftmals auch so, dass der Helfende eine eigene individuelle Art und Weise hat, dem
anderen zu helfen und es somit zu weiteren unangenehmen Assoziationen auf Seiten des
Bedürftigen kommt.
Und nicht jeder Mensch ist dann in der Lage zu sagen: „Nein danke, ich kann das schon/
noch alleine!“

Des weiteren ist nicht jede Hilfe im Sinne des Menschen, der sich helfen lässt. Jeder
Mensch hat seinen eigenen Stil und in manchen Dingen, lehne auch ich Hilfe ab, denn ich
möchte dass es so wird, wie ich es möchte und ein Helfer hilft nur eben so gut er kann,
aber selten, wie ich es möchte. Am Ende sehe ich es auch nicht ein, mich dafür zu
bedanken, auch wenn die Person dann sagt, „Ich meinte es doch nur gut“. Toll, wundervoll,
wirklich. Nur was ist, wenn mir das nicht gut tat? Soll ich dann trotzdem Danke sagen? Das
wäre dann ja gelogen, weil diese Art der Hilfe mir nicht geholfen hat.
Man kann es eben nur ganz selten jemandem recht machen, außer sich selbst. Also helfen
wir uns doch erst mal lieber selber, bevor wir anderen helfen. Und danach können wir
immer noch andere um Hilfe bitten, oder anderen unsere Hilfe anbieten.

Text von Daniel S.