Wie sie mit ihrem Partner zusammen bleiben können. Die perfekte Konstellation heißt (Selbst-)Liebe.

Das Thema Beziehungen ist nicht wirklich meins. Meine bisherigen Beziehungen waren eher kurz und über Schuld oder Unschuld habe ich nicht wirklich nachgedacht. Wenn es vorbei war, war ich viel zu sehr mit meinem Schmerz beschäftigt, als meiner Partnerin nachzulaufen oder ihr nachzustellen. Mein Überkompensationsmodus hat auch immer funktioniert, so dass ich mir oft mit Männersex die Frau aus dem Hirn ficken konnte. Aus dem Herz kam sie aber nicht so leicht, trotzdem habe ich keinen Sinn darin gesehen in der Öffentlichkeit dreckige Wäsche zu waschen. Darauf bin ich in meiner Biografie auch eingegangen. Über meine rein sexuellen Beziehungen möchte ich an dieser Stelle nicht sprechen, zumal man nicht alles pathologisieren muss. Sex macht manchmal einfach auch nur Spaß ohne jetzt die großen Gefühle für jemand anderen zu haben. Manchmal reicht auch schon die sexuelle Anziehungskraft, wenn z.B. ihre Vorlieben mit meinen übereinstimmen und man sich einfach nur austoben möchte. Als Single geht das ohne Frage. In einer Beziehung aber ist Kommunikation das A und O.

Da ich als bekennender Narzisst, der durch die Therapie immer mehr Zugang zu seinem inneren Kind findet und somit meinen krankhaften Narzissmus immer mehr hinter mir lassen kann, mich trotzdem mit diesem Thema auseinander gesetzt habe, bzw. zwangsläufig auch auseinander setzen musste, aufgrund vielschichtiger Internetberichte, über die ich mich bereits im vorangegangen Artikel ausgelassen habe und ich gesehen habe, dass viele Ex- Partner/innen nach der Trennung in ihrem Schmerz gefangen, im Außen nach Antworten suchen und durch meine Texte bereits Einblicke in die Gefühlswelt eines möglichen Narzissten bekommen haben, was ihnen auch geholfen hat gewisse Zusammenhänge oder Hintergründe besser zu verstehen, möchte ich an dieser Stelle, ihnen (euch) allen Hoffnung machen. Man muss sich nicht immer trennen. Wo Liebe ist, wohnt auch Hass. Aber muss es dazu kommen, dass man sich hasst? Muss es dazu kommen, dass man in der Öffentlichkeit vor allem bei Facebook über seine Beziehungsprobleme redet? Muss man seinen Partner als den Bösen darstellen? Ich denke nicht. Reden hilft zwar und verschafft Erleichterung, aber am Ende des Tages sitzt man mit seinem Schmerz oder seiner Trauer über das Scheitern der Beziehung alleine.

Ich habe mich nun um das Thema „toxische Beziehungen“ oder „die narzisstische Kollusion“ abzurunden, dazu entschieden, nun auch einen wohlwollende Text darüber zu schreiben, um Ihnen die Möglichkeit aufzuzeigen und gleichzeitig auch die Hoffnung zu geben, dass es auch anders geht. Wenn Narzisst und Co- Narzisst (dependente Persönlichkeit) aufeinander treffen und sich ineinander verlieben, muss es nicht im Krieg enden, sondern es kann auch eine ganz wundervolle Beziehung daraus werden.

Diese Beziehung nennt man dann „Symbiose“. Eine Abhängigkeit, die nicht gesund sein kann auf Dauer. Die perfekte Konstellation wäre die(Selbst-)Liebe und damit auch „lieben und geliebt werden“, statt „lieben um geliebt zu werden“. Diese erreicht man durch die Erkenntnis, dass man ist, was man ist und sich von Außen ggf. Hilfe holt damit eine perfekte Konstellation daraus werden kann.

Ein Wort, was den Unterschied bereits deutlich macht. Wenn ich liebe, dann Bedingungslos, mit allen Macken, Ecken, Kanten und Verletzlichkeiten, in guten, wie in schlechten Zeiten, bis der Tod uns scheidet (im besten Falle). Wenn ich aber liebe, nur damit ich selber geliebt werde, dann stelle ich eine Bedingung, die ich selber nicht erfüllen kann, weil ich mich selber nicht liebe und damit auch meinen Partner nicht Bedingungslos lieben kann.

Nun möchte ich sie aber gerne an meinen Erkenntnissen Teil haben lassen. Ich habe mich explizit mit zwei Büchern befasst. Mit beiden Autoren dieser Bücher hatte ich darüber hinaus bereits Kontakt. Beide Autoren habe es mir gestattet mit deren Büchern zu arbeiten und sie zu zitieren. Im Vierten Kapitel dieses Buches, wo ich über den Prozess des Schreibens und einige Therapiebausteine meiner eigenen Therapie explizit eingehe, werde ich ihnen die beiden Autoren (Bärbel Wardetzki und Martin Koschorke) näher vorstellen.

Liebe lässt Zeit vergessen (italienisches Sprichwort)

Wenn wir uns verlieben, vergessen wir alles um uns herum. Wir können sogar erblinden, während wir einen Platz im Herzen des anderen finden. Am Anfang ist wirklich alles schön. Man hat auf einmal Lust und Zeit für Dinge, für die man als Single weder Lust noch Zeit aufbringen konnte oder wollte. Die Motivation ins Kino zu gehen ist zu zweit viel größer, als alleine. Alleine verbringt man die Abende dann lieber vor Fernseher. Was soll man auch alleine im Kino?

(Wenn ich jetzt von mir spreche, muss ich leider sagen, dass ich tatsächlich auch nicht so gerne alleine ins Kino gehe. Ich bin nur zweimal bislang alleine ins Kino gegangen, weil ich keinen fand, der diesen Film gucken wollte. Ansonsten bin ich aber nur in Gesellschaft ins Kino gegangen, aber erst zweimal mit einer Freundin.)

Trotzdem verbringen wir viel Zeit mit unserem neuesten Schwarm, schwelgen in großer Hoffnung, dass er oder sie der Richtige für uns ist. Nachdem wir so lange alleine waren oder unsere letzte Beziehung so und so zu Ende gegangen ist, freuen wir uns einfach nur endlich jemanden gefunden zu haben, von dem wir uns angezogen fühlen, bei dem wir uns wohl fühlen und vor allem jemanden, der sich Zeit nimmt für uns, Zeit mit uns verbringt, etwas von sich erzählt, uns erzählen lässt und uns somit das Gefühl gibt, verstanden zu werden. Unser neuer Partner hat absolute Priorität. Wir zählen die Minuten bis wir uns wieder sehen. Jede gemeinsame Minute die wir zusammen sind, ist in der Zeit die wichtigste Zeit in unserem Leben. Diese Anfangszeit ist kostbar, wir genießen jeden Augenblick und wünschen uns, dass diese Zeit möglichst lange anhält.

Wir gehen beide freiwillig einen Vertrag ein. Uns ist nicht mal bewusst, dass es ein Vertrag ist, weil die Beschließung dessen im Stillen geschieht. Aber dennoch hat dieser Vertrag für uns erhebliche Konsequenzen. Wir beschließen in diesem unausgesprochenen, stillschweigenden Vertrag, ganz viel angenehme gemeinsame Zeit zu verbringen. Denn wir lieben uns. Wir gehören zusammen. Mit dir möchte ich leben. Zeit mit Dir ist mir wichtiger als jeder andere Beschäftigung. Ich denke nur an Dich.

Solange man frisch verliebt ist, ist das wie ein Rausch. Aber man kann nicht ewig frisch verliebt sein. Irgendwann wacht man aus dem Rausch der Verliebtheit auf. Und dann kommt der Alltag. Und damit aus dem Alltag keine Tristesse wird, möchte ich Ihnen in diesem Zusammenhang etwas über die Gefühlswelt eines Narzissten erzählen (nämlich mich), wie ich die Anfangszeit zumeist für mich erlebte.

„Da ich mich nicht selbst lieben konnte, habe ich einfach genossen es gesagt zu bekommen. Aber ich konnte dem Braten nicht wirklich trauen. Ich hatte viel zu große Angst davor nicht um meiner Selbstwillen geliebt zu werden. Ich dachte also ich muss ganz besondere Dinge tun um ihr immer und immer wieder zu zeigen, wie sehr ich sie liebe. Ich war nicht mehr ich selbst, weil ich dachte, wenn ich, ich selber bin, dass ich nicht liebenswert bin. Ich habe jeden Fehler an ihr erst mal hingenommen. Ich habe ihre Fehler aber nicht lieben können, weil mir auch ihre Fehler Angst machten, dass es am Ende nicht reicht. Also habe ich schon früh versucht mir ihre Fehler schön zu reden. Oder ich habe versucht ihr zu helfen, damit sie diese „vermeintlichen“ Fehler los wird. Wenn sie mich auf einen Makel ansprach, den sie vielleicht nicht als Makel sah, sondern als was Besonderes, konnte ich das nicht annehmen. Ich habe das dann sogar als Kritik aufgenommen und habe sie im Kopf schon angefangen abzuwerten. Es war schon jetzt eine Hass- Liebe. Gleichzeitig aber wollte ich unbedingt ganz viel Zeit mit ihr verbringen. Ohne sie ging es mir schlecht. Sie gab mir das Gefühl wichtig zu sein. Ich habe mir immer Sorgen um sie gemacht und gedacht, wenn sie das tut, was sie tut, verliere ich sie. Also muss ich alles dafür tun, damit sie bei mir bleibt. Ohne sie konnte ich mir jetzt schon mein Leben nicht mehr vorstellen. Und ich dachte schon jetzt daran mich wieder zu trennen.“

Bärbel Wardetzki schrieb dazu in ihrem Buch „eitle Liebe“ Folgendes:

Verliebtheit, sich gegenseitig verführen, verschmelzen in der gemeinsamen Grandiosität, das ist wie Feuerwerk. Die Gefühle sind heiß, die Begierde ist groß, das Erlöschen folgt auf dem Fuß. „Meine Beziehungen sind wie ein Lauffeuer. Das Feuer meiner Verliebtheit brennt so stark, dass es immer wieder zum Flächenbrand kommt. Meine Sehnsucht, Leidenschaft und Erwartungen sind so heftig, dass sie den anderen in die Flucht schlagen. Und dann bleibe ich in meinem Elend allein zurück und weiß, dass ich viel zu schnell viel zu viel wollte. Doch immer wieder falle ich drauf rein.

Wer seine Hilflosigkeit mit allen Mitteln verteidigt, ist so mächtig, dass keine Unterstützung daran etwas ändern kann.

Bevor ein Narzisst nicht in der Lage ist, sich selbst zu lieben, wird er somit auch nicht die Liebe seiner Partnerin annehmen können, geschweige denn seine Partnerin aufrichtig lieben können. Zu oberflächlichen Gefühlen und dazu zähle ich die „Verliebtheit“ ist der narzisstisch gestörte Mann durchaus in der Lage. Er wird aber sobald es intimer wird, also sobald der Alltag kommt, seine verletzlichen Gefühle abspalten. Auch wird er die verletzlichen Gefühle seiner Partnerin versuchen nicht an sich ran zu lassen, denn täte er das, würde er sich schuldig und hilflos zu gleich fühlen, weil er es auf sich bezieht und nicht weiß, wie er das verändern kann. Man spricht hier von der als eines der Hauptmerkmale identifizierten mangelnden Empathiefähigkeit gegenüber anderen. Da der Narzisst schon selber mit seinen eigenen intensiven Gefühlen, auch am Anfang zu kämpfen hat, wird er alles dafür tun, dass es seiner Partnerin gut geht, sie also kein Grund hat aus seiner Sicht sich schlecht zu fühlen. Er wird sie permanent aufwerten und bestätigen, ihr Geschenke machen und seine eigentlichen Pflichten vernachlässigen, immer aus Angst seine Partnerin zu verlieren. Damit sein Bild von seiner Partnerin langfristig aufrecht erhalten bleibt, (sie ist seine Retterin) wird er irgendwann anfangen sie narzisstisch zu besetzen. Man spricht hier vom „expanded self“, ein Begriff der von Frank Petermann geprägt und erklärt wurde. Der Narzisst vereinnahmt sein Gegenüber für sich selbst. Das Gegenüber (die Partnerin) dient als Projektionsfläche seiner eigenen Gefühle. Die Gefühle der Partnerin werden nicht wirklich respektiert. Die Partnerin dient als „erweitertes Selbst“ . Was gut für mich ist, wird auch gut für sie sein. Wenn es mir gut geht, muss es ihr auch gut gehen und wenn es mir schlecht geht, muss auch sie mitleiden. Diese Erklärung muss für den Anfang erst mal ausreichen. Mein Tipp: Bleiben sie sie selbst, sagen sie ihrem Freund, dass sich an ihren Gefühlen zu ihm nichts ändert, auch wenn es ihnen nicht gut geht. Er brauch die Bestätigung ihrer Liebe um jeden Preis. Gleichzeitig brauch er aber auch die Sicherheit, dass es nicht seine Schuld ist, wenn es ihnen mal schlecht geht. Und zeigen sie ihm, dass sie trotzdem gerne mit ihm zusammen sind, wenn es ihnen mal schlecht geht. Verzichten sie nicht darauf gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen.

Dabei wird aber nicht über Probleme geredet. Diese Einstellung enthält für beide Parteien eine wichtige Botschaft:

„Du bist nicht mein Feind. Ich bin nicht dein Feind. Ich liebe Dich auch, wenn es dir nicht gut geht oder mir nicht gut geht. Ich bin gerne mit dir zusammen.“

Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten treten in jeder Beziehung auf. Wichtig ist dann aber dass man bei sich bleibt und zu seinen Gefühlen steht.

Wenn zwischen Ihnen beiden Probleme auftauchen, sozusagen dicke Luft herrscht, ist es wichtig, deswegen nicht alles gleich in Frage zu stellen. Lassen sie sich auch von diesen Problemen niemals davon abhalten, trotzdem gemeinsam etwas mit ihrem Partner zu unternehmen. Vermeiden sie dabei aber über das Problem zu reden. Machen sie ihm keine Vorwürfe. Problemgespräche führt man nicht zwischen Tür und Angel, nicht während einer angenehmen Akitivität und schon gar nicht bei einem romantischen Candlelightdinner. Kerzenlicht erweicht die Seele und der Wein die Zunge. Und sie wissen ja selbst, dass man angeschwipst eher dazu neigt, seine Hemmungen fallen zu lassen, den anderen seine Meinung zu sagen. Im Endergebnis ist der romantische Abend im Arsch. (für die ohne Schutzschild einfach nur im Eimer) Aber reden sie trotzdem irgendwann über ihr Problem, nur bitte nicht während sie mit ihrem Partner unterwegs sind. Am besten eignen sich in Zeiten von Streit und Unstimmigkeit, Akitivitäten die nicht unbedingt das Reden anregen wie z.B. schwimmen, Tennis spielen gehen oder ins Kino gehen. Bestrafen sie sich nicht mit Nicht- Beachtung, sondern versuchen sie trotzdem soviel angenehme Zeit wie möglich mit einander zu verbringen. Aus der Ferne dann und mit etwas Abstand, lässt sich dann viel leichter über das Problem reden, um es dann aus der Welt zu schaffen. Wie sie mittlerweile heraus gelesen haben, hat es der Narzisst sehr schwer offen über seine Gefühle zu reden. Lassen sie ihm Zeit. Sie selber brauchen auch Zeit.

„Ich hasse Streit. Vor allem hasse ich Streit mit meiner Liebsten. Ich habe jedes Mal panische Angst davor sie zu verlieren. Ich habe Angst, dass sie mich verletzt, bzw. dass ich mich so verletzt fühle, dass ich ausraste und dann sie damit verletze. Mir wäre es am liebsten bei einer Meinungsverschiedenheit die ganze Sache erst mal so stehen zu lassen. Ich möchte nicht diskutieren. Ich möchte das emotionale Leiden vermeiden. Ich leide so schon genug. Wenn ich jetzt auch noch über meine Gefühle spreche, kann es passieren, dass ich projiziere. Ich rede ihr dann ein Schuld zu sein, weil ich es nicht ertrage mich schuldig zu fühlen. Ich versuche also wirklich jeden Streit im Keim zu ersticken. Ich habe meine Meinung, die sich auf meinen Erfahrungen begründet. Ebenso hat auch sie ihre Meinung, vermutlich aus gleichen Motiven. Mein Pragmatismus kommt durch. Das mag dann im ersten Moment etwas kalt wirken, aber das meine ich gar nicht so. Ich brauche einfach nur in dem Moment eine kleine Pause. Wenn sie mir diese Pause aber nicht lässt, und gleich anfängt zu diskutieren, dann muss ich mich zu meinen Gefühlen auch noch mit ihren Gefühlen auseinander setzen. Das alles überfordert mich. Meine Mutter wollte auch immer alles sofort klären. Es gab nie ein Entkommen für mich. Ich fühle mich an diese Zeiten zurück erinnert. Aus Angst dann verlassen oder verletzt zu werden, verlasse ich entweder die Situation während ich gleichzeitig mit einer Trennung zu kokettieren, ich werte sie ab oder ich verlasse sie auf der Stelle. Und dann ist es mir auch scheiß egal, wie sie sich fühlt. Wenn sie keine Rücksicht auf mich nimmt (ja ich weiß, sie leidet, Frauen leiden sowieso immer mehr, weil sie immer über alles reden wollen) bin ich auch nicht mehr gewillt mich zurück zu halten. Bevor ich implodiere, explodiere ich lieber. Angriff ist dann die beste Verteidigung“

Eine Pause ist immer gut um Zeit für sich zu finden. Man kann sich selber etwas Gutes tun. Man muss nicht jede/r Zeit mit seinem Partner zusammen sein. Es ist auch wichtig, dass man mal an sich denkt und etwas mit anderen Menschen unternimmt. Aus der Distanz dann, lassen sich viele Unstimmigkeiten viel effektiver besprechen. Vermeiden sie dann aber, wenn sie dieses Gespräch führen unbedingt auf die „Du- Du Pistole“. (Du hast, Du bist, Du warst, Du kannst nichts)

Bleiben sie bei sich. Sagen sie, wie sie sich fühlen. Erklären sie ihre Gefühle und versuchen sie auch gleichzeitig ihrem Partner zu vermitteln, dass dieses Gefühl am eigentlichen Gefühl zu ihm (der Liebe) nichts ändert. Sie werden sehen, dass ihr Partner gelassener und verständnisvoller reagieren wird. Er wird sich sicherer fühlen und diese Sicherheit dann auch ausstrahlen. Nichts ist furchtbarer als in Unsicherheit zu sein. Bedrohung forciert die Impulse sich zu verteidigen. Und in der Verteidigung sind alle Mittel erlaubt.

Martin Koschorke beschrieb die Problemlösungsansätze bei Beziehungspartnern wie folgt:

„Männer haben keine Probleme. Männer lösen Probleme. Das ist das Problem.“

„Frauen dagegen brauchen Reden. Reden löst nicht immer Probleme, aber es kann erleichtern. Und Reden schafft Kontakt“

Wenn ihr narzisstischer Partner (Mann) gerade nicht reden will oder kann, bedenken sie immer, dass er als Kind vermutlich gezwungen war, den Kontakt zu seinen Gefühlen zu unterbrechen. Er weiß nun nicht mehr, wie er damit umgehen soll, wenn er sie spürt. Es ist ihm schlichtweg zu viel in dem Moment. Gleichzeitig gerät seine für ihn wichtige Identität als Mann innerhalb der Gesellschaftlichen Wahrnehmung in Gefahr. Männer sind tapfer. Männer sind stark. Männer haben keine Angst. Männer sind wie Indianerhäuptlinge die keinen Schmerz kennen.

Das Mann sein wurde erlernt durch die Überwindung von allen verletzlichen Gefühlen. Ein Mann ist erst dann ein Mann, wenn er seine kindlichen und weiblichen Anteile komplett abgetötet hat. Diese Überlegenheit bezahlt er immer wieder mit dem immerwährenden Angst, dem Druck nicht gewachsen zu sein. Dagegen hilft am besten, Gefühle, Gemütsbewegungen und die Wahrnehmung der Innenwelt (des inneren Kindes) zu ignorieren und sich auf de Außenwelt, also das Objektive und Eindeutige zu konzentrieren. Der Narzisst stellt sich wie ein Schutzschild vor sein inneres Kind. Der Mann baut einen Damm gegen seine Gefühle auf und verliert damit im Lauf der Zeit das emotionale Wissen, dass ihm als Kind irgendwann einmal zur Verfügung stand. Als hätte er das Schreiben verlernt und sei zum Analphabeten mutiert.

Dadurch, dass sie ihren Partner mit ihrem Drang alles sofort ausdiskutieren, in eine sehr bedrohliche Lage bringen und sein inneres Angreifen (Er empfindet sein Innerstes als eine gefährliche Zone, welche er nur äußerst ungern betritt. Für ihn stellt sie ein Minenfeld dar), nötigen sie ihn zum Gegenangriff gegen diesen Widerwillen. In diesem Falle ist die Partnerin, also sie, dieser Widerwille, gegen den er kämpfen muss. Viele Untersuchen bestätigen, dass Frauen stärker emotional reagieren als Männer. Das ist von der Natur so mitgegeben. Louann Brizendine, eine amerikanische Neuropsychologin behauptet, Frauen hätten einen achtspurigen Highway um ihre Gefühle auszudrücken, Männer dagegen nur eine Landstraße. Nehmen sie es also bitte ihrem Partner nicht übel, wenn er weniger emotional reagiert, wie sie es sich wünschen. Männer sind nun mal so und das werden auch sie nicht ändern können. Sie können ihre eigene Emotionalität auch nicht ändern können, so sehr es sich ihr Partner auch wünscht. Akzeptieren sie diese Tatsache einfach. Es ist das Beste für alle Parteien. Bedenken sie auch, dass jedes Gefühl seine Berechtigung hat. Menschen können mehrere Gefühle gleichzeitig haben. Auch gegensätzliche. Sagen sie ihrem narzisstischen Partner in so einer Situation niemals nur was sie gerade fühlen, also dass sie traurig oder sauer sind, sondern sagen sie am besten: „Ich bin traurig, aber ich hab dich trotzdem lieb“. Erwarten sie aber nicht im Umkehrschluss, dass ihr Mann das genauso zu Ihnen sagt. Wenn er es Ihnen sagt, dann freuen sie sich und seien sie dankbar dafür. Wie sie ja schon gelesen haben fällt es dem Mann tatsächlich schwer, so etwas zu sagen.

Es ist meist kein böser Wille, wenn einer der Partner dem anderen einen oft genannten Wunsch nicht erfüllt. Was der eine vom anderen erwartet, ist für den, der es wünscht, leicht, für den anderen jedoch das Schwerste, was man von ihm verlangen kann. Das Schwierigste ist am schwierigsten zu ändern. (Martin Koschorke)

Kennen sie eigentlich die 6 giftigsten Wörter in einer Beziehung?

Es gibt bestimmte Signalwörter die bei sich liebenden und nahestehenden Menschen gravierende Folgen haben können.

Deswegen sollten sie tunlichst vermeiden, alles zu generalisieren, zu pauschalisieren und zu verallgemeinern. Das heißt Worte wie: „immer, nie, alles, nichts, typisch und selbstverständlich“. Sie glauben gar nicht wie oft wir diese Worte verwenden ohne dabei etwas wirklich so zu meinen. Aber gehen wir der Reihe nach.

Ihr Partner verspätet sich. Sie sind sauer oder enttäuscht. Anstatt im aber zu sagen, dass sie enttäuscht sind, passiert es häufig dass sie dann unbewusst sagen:

  • „Immer bist du zu spät“
  • „Nie kommst du pünktlich“
  • „Typisch Mann“
  • „Pünktlichkeit ist doch selbstverständlich“
  • „Nichts kriegst du alleine hin“
  • „Alles machst du falsch“.

Sagen sie das jetzt mal zu einem Narzissten. Sie werden sehen, er wird sich das nicht gefallen lassen. Er wird sie bekämpfen mit allen möglichen Waffen. Er wird u.a. anfangen sie zu benutzen, sie zu manipulieren, sein Verhalten nicht ändern und ihnen dafür auch noch die Schuld geben.

Aber er hat nicht angefangen. Er hat nur reagiert. Er hätte anders reagieren können, wenn er das gelernt hätte. Da dem Narzissten aber der Zugang zu seinem Innersten verwehrt ist und erst in Folge von Verlust oder Trennung die Einsicht eintritt, wird er sich im Moment des Konflikts auch nicht fair verhalten können. Er ist von seinen existentiellen Ängsten umgeben, die ihn lähmen. Er wird nicht in der Lage sein adäquat zu reagieren.

Durch diese 6 giftigen Signalwörter packen sie ihn eine Schublade aus der er nicht wieder rauskommt. Wie denn auch? Es ist eben typisch Mann, dass er nicht pünktlich kommt. Er wird auch niemals in der Lage sein, ihre unsichtbare Latte an Erwartungen zu erfüllen, denn für sie ist es ja selbstverständlich pünktlich zu sein. Und da er aus seiner Sicht nicht immer zu spät kommt, was sie ihm aber durch das „immer“ suggerieren, wird er sein Verhalten auch nicht ändern, weil es ja aus Sicht nichts an ihrer Sichtweise ändern, dass er „immer“ zu spät kommt.

Machen sie diese Bemerkung in der Öffentlichkeit, landet ihre Beziehung in einer Sackgasse und eine Trennung ist nahe. Sie beschämen ihren Partner nicht nur, sondern sie stellen ihn in der Öffentlichkeit bloß. Ein Mann mit gesundem Narzissmus wird dies nicht verstören, aber einen Mann mit krankhaften narzisstischen Zügen wird das in die Verteidigungsrolle bringen. Er wird seine Gefühle versuchen auf sie zu projezieren. Und in dieser Rolle sieht er sich im Recht, sie zu bestrafen. Diese Bestrafung wird oft als Psychoterror gesehen: Liebesentzug, tage- oder wochenlanges Schweigen, Schuldgefühle machen, Schuld zuweisen, sie im Grunde den gleichen Gefühlen aussetzen unter denen er leidet. Ich möchte ihnen jetzt auf keinen Fall sagen, dass sie immer schuld sind, wenn ihr narzisstischer Partner sich so verhält oder so fühlt. Für seine Vergangenheit können sie nichts. Aber in der Gegenwart können sie es verhindern, indem sie sich ihrer Worte bewusst werden, die für sie wahrscheinlich harmlos klingen, weil sie diese nicht so extrem bewerten, für ihn aber eine Katastrophe darstellen, weil er nun seine Identität in Gefahr sieht. Er hat panische Angst davor nicht zu genügen. Er fühlt sich als Versager. Sein mühsam erarbeitetes Selbstwertgefühl fängt an sich aufzulösen.

Bärbel Wardetzki schreibt dazu:

Funktionelle und intakte Liebesbeziehungen beruhen auf Selbstakzeptanz, Selbstliebe, Selbstschutz und Selbstfürsorge oder auch Selbstförderung und führen sowohl zu einem gesunden Narzissmus (die perfekte Symbiose Namens (Selbst-)Liebe ), als auch zu reifen, stabilen und befriedigenden Beziehungen. Zu einem gesunden Selbstwertgefühl gehören aber nicht nur Selbstachtung- und annahme sondern auch Kompetenzerfahrungen. Wenn das (innere) Kind erfährt, dass es etwas kann, stärkt das seine Selbstwirksamkeit und das Gefühl in Ordnung zu sein. Es entwickelt Vertrauen in seine Fähigkeiten und gewinnt die Überzeugung, dass Dinge, die es anpackt zum Erfolg werden können. Wird von dem Kind aber erwartet etwas zu können, was es nicht kann, oder es wird unterfordert, indem man dem Kind neue Erfahrungen verweigert, entsteht das Gefühl inkompetent zu sein, unabhängig davon, ob das Kind intelligent ist und etwas kann oder nicht. Die Erfahrung lernen zu dürfen, Fehler zu machen und dabei unterstützt zu werden, fördert die Selbstsicherheit und Kompetenz.

Ein Narzisst hat als Kind leider oft die Erfahrung machen müssen, dass er nur Lob und Anerkennung bekam, wenn er keine Fehler machte und nahe zu perfekt war.

Narzissten müssen unbedingt die Kontrolle bewahren. Sie brauchen das Gefühl wertvoll zu sein. Sie brauchen die Bestätigung Kompetent zu sein. Ebenso muss man ihnen die Möglichkeit bieten, sich sicher zu fühlen, egal ob sie jetzt perfekt sind oder einen Fehler gemacht zu haben. Durch die 6 giftigen Signalwörter, die einem oft unbewusst über die Lippen kommen, entsteht aber zwangsläufig eine Spirale von Versagens- und Verlassenheitsängsten und immer höheren Ansprüche an die eigene Leistung. „Ich muss perfekt sein um geliebt zu werden“

Tatsächliche Anerkennung wird nicht mehr wahrgenommen, da die Wertschätzung (Selbstliebe) für die eigene Person fehlt. Auf diese Weise wiederholt sich beim Narzissten im inneren die frühe Ablehnung und Entwertung durch die primären Bezugspersonen. Er wird sie als Projektionsfläche benutzen.

Egal was ich mache, es reicht nicht. Warum ist sie dann überhaupt mit mir zusammen, wenn ich ihre Erwartungen eh nicht erfüllen kann? Ich bin scheiße, weil sie sagt, dass ich immer zu spät komme, dabei bin ich doch nur heute zu spät gekommen. Ich hasse sie dafür, dass sie mir so weh getan hat. Ich wollte doch nicht zu spät kommen. Aber ich kann nichts dafür, dass so viel Verkehr war. Ich hätte ihr natürlich eine SMS schreiben können, aber ich hab einfach nicht gedacht. Aber egal, jetzt habe ich versagt. Ich bin ein Versager. Und es ist alles ihre Schuld, dass ich mich so schlecht fühle. Ich liebe sie zwar noch, aber es wird weniger. Meine Schmerzen sind zu groß, aber die interessieren sie ja nicht, weil ich aus ihrer Sicht immer zu spät komme, niemals pünktlich bin, alles falsch mache und nichts richtig mache. Dabei macht sie doch auch Fehler. Sie macht mir immer Vorwürfe, obwohl sie selber nicht perfekt ist. Kann sie nicht einfach mal ihre Fresse halten. Muss ich immer so direkt werden? Wenn sie nicht aufhört mir ein schlechtes Gewissen zu machen, dann bestrafe ich sie dafür mit Nichtachtung. Sie ist ja schlimmer als meine Mutter.

Gewalt passiert nicht da, wo Partner nichts mehr voneinander wollen, sondern dort, wo sie zu viel voneinander wollen. (Martin Koschorke)

Gewalt ist das Gegenteil von Liebe.

Deswegen ist die am Anfang beschriebene angenehme Zeit ja auch so wichtig. In der angenehmen zeit tun sie sich beide etwas Gutes. In dieser Zeit machen sie sich keine Vorwürfe. In dieser Zeit geben sie ihrer Beziehung den nötigen Raum, die sie braucht um zu wachsen. Und sie geben sowohl sich, als auch ihrem Partner die Möglichkeit so zu sein, wie sie sind. Sie lernen sich zu schätzen und auch über ihre eigenen Fehler zu lachen, wenn sie diese nicht problematisieren. Bedenken sie einfach, dass ihr Problem nicht zwangsläufig das Problem ihres Partners ist. Gehen sie in sich. Erkennen sie ihre Anteile. Arbeiten sie an sich. Dann fällt ihnen die tägliche Arbeit an ihrer Beziehung auch nicht mehr s schwer. Sie werden viel mehr Freude an der gemeinsamen Zeit finden und müssen keine Angst haben, dass diese angenehme Zeit durch irgendwas gefährdet wird.

Und bedenken sie auch eine wichtige Aussage:

Immer und nie, gibt es in einer Beziehung nie (Martin Koschorke)

sowie

Du bist nicht perfekt. Ich bin nicht perfekt. Und das ist perfekt so. (Virgina Satir)

Es ist wirklich schön mit ihr zusammen zu ein. Sie ist so wie sie ist und das ist gut so. Ich darf so sein, wie ich bin, wenn ich mit ihr zusammen bin. Ich kann mir keine bessere Partnerin vorstellen. Sie hat zwar ihre Macken, aber ich finde immer noch, dass Menschen ohne Macke Kacke sind.

Text von Daniel S.