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Freitag, 31. Mai 2013, 07:45

Familientherapeuten fordern auf, über das Thema Vergebung nachzudenken

Hallo zusammen,

seit ein paar Tagen bin ich in diesem Forum in der Hoffnung, eine Möglichkeit zu finden mit meiner Situation umzugehen.

Vor zehn Jahren bin ich eine Beziehung mit einem Mann eingegangen, dessen (nicht offiziell diagnostizierte) NPS ich nicht sofort erkannt habe. Ich wusste damals nicht mal, was das ist. Ich habe zwar schon recht früh bemerkt, dass sein Verhalten widersprüchlich war, aber durch die zunächst immer wieder „guten“ Phasen in unserer Beziehung das Ausmaß der Störung nicht erfasst. Ich habe mich vor zweieinhalb Jahren endgültig von ihm getrennt. Inzwischen weiß ich, dass auch ich meine Anteile an dem Dilemma hatte, in dem ich nun stecke.

Wir haben einen gemeinsamen nun achtjährigen Sohn, der an einer sozial-emotionalen Störung leidet. Er besucht eine entsprechende Schule und auch eine sozialpädagogische Tagesgruppe, in der in regelmäßigen Abständen sogenannte Familiengespräche stattfinden. Unser Sohn ist zwei Tage/Nächte und einen Tag/Nacht am Wochenende in der Woche bei seinem Vater und den Rest bei mir. Da er in der Schule immer wieder durch aggressive Handlungen auffällig wird, habe ich vor ein paar Monaten eine Kinderpsychologin aufgesucht. Nach fünf Terminen beschied sie uns, sie könne uns nicht helfen, es läge ein pädagogisches Problem vor und empfahl uns, etwas zu finden, womit unser Sohn sein Selbstbewusstsein stärken könne, zum Beispiel Reiten. Der Vater fand auch einen Reitlehrer mit psychotherapeutischer Ausbildung. Nachdem ihm unser Sohn vorgestellt worden war, setze er für eine Reittherapie voraus, unser Sohn solle zunächst nur bei einem Elternteil leben. Er bräuchte ein eindeutiges Zuhause müsse erst mal zur Ruhe kommen. Er schätzte auch den Vater als gestört ein und war der Meinung, das Kind solle sein Zuhause bei mir haben. Für mich schien es zum ersten Mal ein Ansatz zu sein, meinem Kind helfen zu können. Mein Ex konnte dem natürlich nicht folgen. Es war aber ein Angebot aus der sozialpädagogischen Tagesgruppe gekommen, eine Familientherapie zu machen, die in deren Rahmen angeboten wird. Diese Therapie machen wir nun, und die Leiterin der Tagesgruppe, welche eine psychotherapeutische Zusatzausbildung hat (und auch unseren Sohn ja kennt) betreut uns nun zusammen mit einem männlichen Therapeuten in diesem Setting.

Inzwischen ist mir klar, dass ich unseren Sohn vor seinem narzisstischen Vater nicht beschützen kann und akzeptieren muss, dass er fünfzig Prozent Rechte und Pflichten an seinem Sohn hat. Er ist nun mal sein Vater, den ich ihm nicht vorenthalten will. Ich kann nur versuchen, ein anderes Rollenmodell vorzuleben und hoffen, dass mein Sohn die „richtigen“ Entscheidungen trifft.

Ich habe nun ein Wechselbetreuungsmodell vorgeschlagen, bei dem ich nicht gleichzeitig mit unserem Sohn und ihm zusammentreffe , um zum einen weitere Spannungen für unseren Sohn zu vermeiden (unser Sohn würde dann vom jeweils zuständigen Elternteil direkt von der Tagesgruppe abgeholt) und zu anderen ich die Wunden heilen lassen kann, indem ich den Kontakt auf die therapeutischen Zusammenkünfte beschränke und Platz gewinne, um eine für mich gesündere psychische Struktur aufzubauen. So habe ich es auch in der letzten Sitzung formuliert.

Die Therapeutin hat gesagt, sie glaubt nicht, dass mein Ex an einer NPS leidet und bei dieser Sitzung sind wir dann gebeten worden, über das Thema Vergebung nachzudenken. Es ginge darum, die Elternschaft so zu organisieren, dass unser Sohn davon profitiert. Das zumindest ist richtig und daher halte ich die Familientherapie für weiterhin sinnvoll.

Dass ich nicht die Reife hatte, zu erkennen, was meine Anteile daran waren, die zu diesem Leid geführt haben, kann ich mir vergeben, denn ich kenne sie jetzt und kann üben, solche Verhaltensmuster zu ändern.

Aber wie kann ich mich in der Therapie verhalten, in der ich von meinem Ex immer wieder massiv angegriffen werde und in der zumindest ausgesprochen ein Therapeut nicht von einer NPS ausgeht und der andere sich dazu nicht äußert? Ehrlich gesagt fällt es mir (vielleicht noch?) schwer zu denken, vergib ihm, er kann ja nix dafür.

Hat vielleicht jemand eine Idee dazu? :kopfkratz:

Ulrike

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Freitag, 31. Mai 2013, 07:58

Hm vergeben heißt ja nicht trotzdem deutlich Aussprechen zu können "Ich möchte nicht dass du so mit mir umgehst". Auch vor Therapeuten.... Die Therapeuten haben nicht die Aufgabe dich zu schützen. Das ist das, was du selbst lernen musst....

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Freitag, 31. Mai 2013, 08:14

Danke fürs Lesen. "Ich möchte nicht dass du so mit mir umgehst" innerhalb der Therapie auszusprechen ist schonmal eine gute Möglichkeit, auf die Angriffe zu reagieren. Danke für den Tipp. Hätte ich auch selbst drauf kommen können.

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Freitag, 31. Mai 2013, 08:27

Im Moment sehe ich wohl vor lauter Bämen den Wald nicht.

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Freitag, 31. Mai 2013, 08:38

Der Vorschlag über Vergebung nachzudenken ist ja nicht gleich eine Aufforderung, dass du es auch tun musst.
Du musst das natürlich nicht und Vergebung entsteht ohnehin in einem Prozess und nicht einfach nur, weil jemand das so vorschlägt.
Tragisch ist es natürlich für euer Kind, wenn zwischen Mutter und Vater ein unerbittlicher Hass steht. Daher verstehe ich den Vorschlag der Therapeuten so, dass ihr Eltern eure persönliche Fehde vielleicht ein wenig hinter dem Wohl des Kindes zurückstellt.

Ob dein Mann eine NPS hat oder nicht, kann diese Therapeutin aber vielleicht besser beurteilen als du. Na ja, um ehrlich zu sein kann das eine Partnerin oder Ex-Partner gar nicht wirklich erkennen, da die Verstrickungen viel zu groß sind. Ist doch interessant, dass du davon so sicher ausgegangen bist und nun scheint es sich ganz anders darzustellen, oder? Das ist was eine Therapie ja erreichen kann und sollte: einen neuen Blickwinkel, der es dir erlaiubt, etwas anders zu machen als bisher.
Warum ist es so wichtig für dich, dass er eine hat? Würde sich für dich die Situation dadurch verändern?

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Freitag, 31. Mai 2013, 10:31

Hallo Paperbag,

vielen Dank für deine Antwort.

Vergeben zu können und Vergebung zu finden halte ich durchaus für sinnvoll. Und ich würde es auch in diesem Zusammenhang gerne hinkriegen, denn es hat mir in der Aufarbeitung der Beziehung zu meinen Eltern geholfen. Ich hasse meinen Ex nicht. Wenn ich an ihn denke, fühle ich mich eher traurig, ermüdet und verspüre auch Angst. Das der Vorschlag der Therapeuten dem Wohle des Kindes dienen soll, ist auch klar.

Ich gehe nach wie vor davon aus, dass er NPS hat. Die Therapeutin hat ihn erst vier Sitzungen lang erlebt, ich kenne ihn seit zehn Jahren und habe mich sehr intensiv mit diesem Thema, (auch was meine eigenen Anteile angeht) beschäftigt und selber nochmal eine Therapie gemacht. Zudem haben wir einige Paartherapiesitzungen in einem anderen Setting gemacht, indem diese Störung deutlich geworden und mir (nicht ihm) bestätigt worden ist.

Aber es ist nicht in erster Linie wichtig für mich, dass er sie hat, sondern, einen Weg zu finden damit umzugehen. Dass es Verstrickungen gibt, ist sicherlich richtig. Ich finde es sehr schwierig, diese Verstrickungen soweit zu lösen, dass wir auf einer sachlichen Ebene und zum Wohle unseres Kindes handeln können. Ich habe Angst, mich zu öffnen, weil ich mich damit wieder angreifbar mache. Hätte ich die Möglichkeit, würde ich den Kontakt sofort und ganz abbrechen. Das geht aber nicht. Und auch wenn ich mich noch so sehr bemühe, bei mir zu bleiben, fällt es mir schwer, mit jemandem umzugehen, der jegliche Verantwortung an der Situation von sich weist und alles Fehlverhalten ausschließlich mir zuschreibt.

Ich bin dir dankbar für den Hinweis darauf, was eine Therapie erreichen kann und soll. Ein neuer Blickwinkel könnte sein, mich nicht mehr zu rechtfertigen und zu verteidigen.
Bisher habe ich das in den vergangenen Sitzungen noch versucht. Und ich kann, wenn ich mich angegriffen fühle, auch durchaus scharf schießen. Das ist mir bewußt. Den Vorschlag von Die Suchende finde ich in diesem Zusammenhang sehr hilfreich.

:thumbsup:

7

Freitag, 31. Mai 2013, 10:52

Ein neuer Blickwinkel könnte sein, mich nicht mehr zu rechtfertigen und zu verteidigen.
Du muss dich nicht rechtfertigen oder verteidigen.

In dem Buch "Emotionale Erpressung" empfiehlt Susan Forward die nichtdefensive Kommunikation.
Leben ist Bewegung und ohne Bewegung findet Leben nicht statt.
Moshe Feldenkrais


8

Freitag, 31. Mai 2013, 11:09

Liebe Ulrike,

Du sitzst da ja auch in einer sehr verzwickten Geschichte. Wie Du weißt, habe ich ja auch so meine Probleme mit dem Verzeihen.

Bei Dir stellt sich mir die Frage, was Du denn vergeben sollst. Was hat der Vater Deines Kindes Dir angetan, was Du ihm vergeben müsstest? Und warum ist es Dir so sehr wichtig, dass die Therapeuten Deine Ansicht, dass Dein Ex eine NPS hat, teilen? Hatte er schon einmal eine entsprechende Diagnose bekommen oder handelt es dabei nur um Deine Vermutung? Oder ist es Dir vor allem wichtig, dass Du Dir sicher sein kannst, dass die Therapeuten der gleichen Ansicht sind wie Du? Ich teile übrigens nicht die Meinung von Die Suchende, dass es nicht die Aufgabe der Therapeuten ist, Dich zu schützen. Es ist m.E. schon ihre Aufgabe darauf hinzuwirken, dass keine Verletzungen stattfinden, dies ja schon allein deshalb, weil ansonsten kein konstruktives Gespräch zwischen den Beteiligten stattfinden kann.

Ich lese auch zwischen Deinen Zeilen, dass Dein Vertrauen zu den Familientherapeuten eingeschränkt ist, auch dies ist keine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie und ich würde Dir vorschlagen, dass Du sie darauf ansprichst, damit hier eine Klärung stattfinden kann. Wenn Du das Gefühl hast, dass die eher auf der Seite Deines Mannes stehen (und so verstehe ich das), wirst Du dich wahrscheinlich nicht auf die Therapie einlassen können.

Und auch wenn natürlich das Wohl Eures Kindes im Vordergrund steht, so gehört dazu auch, dass es Dir gut geht. Nur dann kann ein spannungsfreier Umgang gelingen.

Mir gelingt der mit meinem Ex nach wie vor nicht, aber meine Kinder habe ganz alleine entschieden, dass sie uns nicht zusammen sehen wollen. Das tun sie sich einfach nicht mehr an. Sie pflegen sowohl zu mir als auch zu Ihrem Vater eine eigene Beziehung, aber nachdem erste - überwiegend von mir initiierte Versuche gemeinsam etwas zu unternehmen - grandios (übrigens auch an mir - hatte meine Fähigkeit zu Selbstkontrolle maßlos überschätzt) gescheitert sind, lehnen sie jeden weiteren Versuch kategorisch ab. Sie sind allerdings auch schon älter (mein jüngster war zehn als wir uns getrennt haben und meine älteste sechzehn). Wichtig finde ich vor allem, dem Kind zuzugestehen, zu jemandem eine enge und auch liebevolle Beziehung zu haben, den wir selber aus verschiedenen Gründen ablehnen. Das ist nicht einfach. Die bei Euch gelebte Aufteilung Eures Sohnes finde ich aber auch schwierig und kann verstehen, dass der Reittherapeut hier eine andere Regelung vorgeschlagen hat. Euer Sohn kann ja eigentlich nirgendwo das Gefühl haben, zu Hause zu sein.

Ich wünsche Dir viel Erfolg und starke Nerven.

Liebe Grüße
Flügelmaus

9

Freitag, 31. Mai 2013, 11:19

Ein neuer Blickwinkel könnte sein, mich nicht mehr zu rechtfertigen und zu verteidigen.
Bisher habe ich das in den vergangenen Sitzungen noch versucht. Und ich kann, wenn ich mich angegriffen fühle, auch durchaus scharf schießen. Das ist mir bewußt.


Wie im Krieg, einer greift an, der andere verteidigt sich oder fährt einen Gegenangriff. Ein Angrif verpufft dann total, wenn der Angegriffene beides unterlässt.

Hm, dass du dich nicht total öffnen möchtest wenn er dabei ist, verstehe ich gut. Aber ob das wirklich notwendig ist? Eurer Ziel ist doch, wenn ich das richtig verstanden habe, einen Weg zu finden so miteinander umzugehen, damit ihr den Umgang mit eurem Kind so gestalten könnt, dass der Junge eine Beziehung zu euch beiden haben kann und durch eure Begegnungen nicht dauernd zusätzlich belastet wird.

10

Freitag, 31. Mai 2013, 13:21

Ja, wie im Krieg. Schrecklich. Albertine hat sich die Mühe gemacht, mir die defensive Strategie zu senden. Ich werde es damit versuchen.

Ich habe schon den Eindruck, dass die Therapeuten voraussetzen, dass wir ein neues Vertrauensverhältnis aufbauen. Und zurzeit bin ich noch so wund, dass ich mich nicht mal ein Bißchen öffnen kann. Vielleicht kommt das irgendwann.

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Freitag, 31. Mai 2013, 13:59

Ich lese auch zwischen Deinen Zeilen, dass Dein Vertrauen zu den Familientherapeuten eingeschränkt ist


Was hat der Vater Deines Kindes Dir angetan, was Du ihm vergeben müsstest? Und warum ist es Dir so sehr wichtig, dass die Therapeuten Deine Ansicht, dass Dein Ex eine NPS hat, teilen?


Hallo Flügelmaus,
danke für deine Antwort.

Möglicherweise hast du recht. Ich vertraue ihr vielleicht nicht mehr so, weil sie nach schon vier Sitzungen diese Möglichkeit ausgeschlossen hat. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie auf irgendeiner Seite steht. Ich muß nochmal darüber nachdenken, ob ich dieses Thema anspreche.

Ich glaube nicht, dass es Sinn ergibt, all die Verletzungen, die ich mir habe zufügen lassen, nochmal aufzuführen.

Möglicherweise ist es mir wirklich wichtiger, als ich bisher dachte, dass sie mir Glauben schenken. Hängt wahrscheinlich mit der Angst zusammen, weiterhin verletzt, benutzt und verarscht zu werden. Ich fühl mich noch immer ziemlich wund und hatte mir womöglich Schutz davon versprochen. Aber im Verlaufe der Denkanstöße, die ich hier bekomme, dringt langsam die Erkenntnis durch, dass ich , Strategien entwickeln muß, um mich selber zu schützen. Vielleicht erstmal das, bevor es ans Vergeben geht.

12

Freitag, 31. Mai 2013, 15:20

Ich muß nochmal darüber nachdenken, ob ich dieses Thema anspreche.



Die Therapeuten werden in so einer Konstellation bestenfalls versuchen neutral zu bleiben und nicht Öl in irgendein Feuer gießen wollen. Dass ein Therapeut in einer Paartherapie dir eine Diagnose über deinen Mann anvertraut und ihm nicht, ist sehr unprofessionell und spricht leider gegen die Qualität dieses Therapeuten. Eine Paartherapie kann so nicht funktionieren.

Ich bin daher nicht sicher, ob es sehr nützlich wäre wenn in dieser Familientherapie jetzt darüber diskutiert würde, wer welche psychischen Defizite hat. Was meinst du wie dein Mann reagieren würde, wenn er dort nun gesagt bekäme, er sei schwer psychisch gestört? Stell es dir umgekehrt vor. Möchtest du dort eine Diagnose an den Kopf geknallt bekommen - vor deinem Ex-Mann, während er vielleicht keine erhält?

Du und dein Ex habt sicherlich sehr lange gegeneinander gekämpft und jeder stets versucht die Oberhand zu haben. Das scheint sich ja in dieser Familientherapie fortzusetzen, was natürlich auch normal ist. Ich nehme an, du müsstest diesen Kampf aufgeben, wenn du deinem Sohn helfen willst. Trotzdem kannst du sagen, weil du so stark verletzt wurdest, hast du Schwierigkeiten neues Vertrauen aufzubringen. Das klingt dann auch anders als wenn du sagst, er hat eine NPS, was bei ihm womöglich wie eine Verurteilung ankommt.

Der Vorschlag nach Vergebung geht ja auch in die Richtung: Es geht. Ihr könnt einen Weg finden miteinander umzugehen. Keiner ist zu gestört dafür, nichts was geschehen ist, ist zu schlimm dafür - ihr könnt trotz allem zusammen arbeiten. Es mus ja vielleicht nicht Vergebung sein, vielleicht reicht es auch nach vorne zu blicken statt zurück.

13

Freitag, 31. Mai 2013, 15:33

Ja, wie im Krieg. Schrecklich. Albertine hat sich die Mühe gemacht, mir die defensive Strategie zu senden. Ich werde es damit versuchen.
Nichtdefensive Kommunikation. Mit dieser Art, kommst du nicht in die Defensive. :)
Du schilderst dort deine Wahrnehmungen und Ansichten und der Vater des Kindes seine.
Diese können unterschiedlich sein. Mir hat es geholfen, die Aussagen des anderen als seine Meinung oder seine Behauptung zu sehen und nicht als die Wahrheit schlechthin.
Wenn du das akzeptieren kannst, kannst du sagen, dass du das anders siehst und so deine Sicht darlegen.
Leben ist Bewegung und ohne Bewegung findet Leben nicht statt.
Moshe Feldenkrais


14

Freitag, 31. Mai 2013, 15:36

Liebe Ulrike,

ich denke auch nicht, dass es hilft, die alten Verletzungen noch einmal aufzuzählen. Meistens tun sie dann nur noch einmal weh. Wichtig ist m.E., dass Du Dir deutlich machst, warum er Dich verletzen konnte und wie Du Dich dafür heute schützen kannst. Nur so kannst Du Dich sicher fühlen und läufst dann auch nicht in Gefahr bei Begegnungen mit ihm in Verteidigungsposition zu gehen, was eine sachliche Auseinandersetzung ja häufig sehr erschwert und für außenstehende oft nicht nachzuvollziehen ist. Gerade wenn Dein Gegenüber genau weiß, wie er Dich mit wenigen ruhigen Worten auf die Palme bringen kann, stehst Du dann leicht als der Maniak da und er ist das arme Opfer, welches da von Dir angegriffen wird.

Und ich könnte mir vorstellen, dass genau da der Punkt ist. Du hast wahrscheinlich sehr oft erleben müssen, dass Dein Ex es sehr gut beherrscht die Dinge so darzustellen, dass er als der Gute dasteht und wenn die Leute die Hintergründe nicht kennen, glauben sie ihm. Und wenn Du dann auch noch emotional reagierst, spielst Du ihm in die Hände. Mir ist es jedenfalls sehr oft so gegangen, nicht mit meinem Ex, aber mit meiner Mutter, welche dieses Spiel nahezu perfekt beherrscht. Da hilft meiner Erfahrung nach nur, dieses Spiel nicht mitzuspielen. Und wenn Du die Befürchtung hast, dass die Therapeuten Deinem Ex hier auf den Leim gehen, kannst Du natürlich kein Vertrauen haben. Ich denke nach wie vor, dass es sehr hilfreich sein könnte, dies mit den Therapeuten separat - nicht im Rahmen des Familiensettings - zu klären. Wie sollst Du auch zu jemandem Vertrauen haben, der die Realität nicht blickt. Und auch Therapeuten sind keine Übermenschen, die diese Art von Tricks durchschauen. Das habe ich selber schon erlebt. Es geht hier dann auch gar nicht darum, ob und welche Diagnose Deinem Ex zukommt, sondern wie Du Dich in der Therapie aufgehoben und angenommen fühlst. Und hier sollte Dein Gefühl ein gutes sein. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es Deinem Sohn gut täte, wenn Du Dich hier verstellst. Kinder merken das sehr genau.

Vielleicht hilft es auch, sich über Ziele zu einigen und das Miteinader umgehen auszublenden. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das Ziel, dass Euer Sohn sich geborgen, sicher und gut aufgehoben fühlt. Er wird, denke ich damit umgehen können, wenn Du und Dein Es miteinander nicht klar kommt, aber ihr müsst ihn da komplett herauslassen, keine Parteinahme von ihm verlangen und auch keine Bestätigung Eurer Sichtweise. Ansonsten wird er hin- und hergerissen. Ich hoffe, dass Dein Ex wenigstens dazu in der Lage ist.

Ich wünsche dir alles Gute.

Liebe Grüße
Flügelmaus

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Freitag, 31. Mai 2013, 17:16

Danke dir. Werde später noch näher darauf eingehen, da gerade eingebunden. Hat gut getan.

16

Freitag, 31. Mai 2013, 22:36

Hallo Albertine,
natürlich NICHTdefensive. :schäm:

Ich sehe seine Aussagen auch "nur" als Meinungen und Behauptungen, nicht als die Wahrheit. Denn ich weiß ja, dass es nicht die Wahrheit ist, wenn er mich vor den Therapeuten u.a. als Diebin, Lügnerin und schlechte Mutter (O-Ton) bezeichnet. Aber es ist mir bisher schwer gefallen, unter diesen Angriffen ruhig zu bleiben, zumal ich denke, dass es sich bei diesen Vorwürfen um Projektion handelt. In zwei Wochen ist die nächste Sitzung. Dann werde ich mich bemühen, die Technik der nichtdefensiven Kommunikation anzuwenden.

Danke für die Korrektur.

17

Freitag, 31. Mai 2013, 23:43

Hallo Paperbag,

Dass ein Therapeut in einer Paartherapie dir eine Diagnose über deinen Mann anvertraut und ihm nicht, ist sehr unprofessionell und spricht leider gegen die Qualität dieses Therapeuten.


Da hast du sicherlich recht. Möglicherweise spricht es aber auch gegen die Qualität eines Therapeuten, mir anzuvertrauen, dass er diese Diagnose ausschließt, übrigens ohne die Anwesenheit meines Ex.

Du und dein Ex habt sicherlich sehr lange gegeneinander gekämpft und jeder stets versucht die Oberhand zu haben. Das scheint sich ja in dieser Familientherapie fortzusetzen, was natürlich auch normal ist. Ich nehme an, du müsstest diesen Kampf aufgeben, wenn du deinem Sohn helfen willst. Trotzdem kannst du sagen, weil du so stark verletzt wurdest, hast du Schwierigkeiten neues Vertrauen aufzubringen. Das klingt dann auch anders als wenn du sagst, er hat eine NPS, was bei ihm womöglich wie eine Verurteilung ankommt.


Ja, wir haben lange gekämpft. Und ja, ich muß diesen Kampf aufgeben. Dass ich aufgrund der Verletzungen Schwierigkeiten habe, neues Vertrauen aufzubringen, habe ich von Anfang an geäußert, bevor ich offen gemacht habe, wie ich seine psychische Struktur einschätze. Ich habe mich auch nicht sofort dazu entschieden, das überhaupt offen zu sagen, konnte aber nicht mehr anders, als er anfing, mich u.a. als Lügnerin, Diebin und schlechte Mutter, vor der er seinen Sohn beschützen müsse, zu bezeichnen, was für mich Projektion ist und der bekannte Schutzmechanismus eines narzisstisch gestörten Menschen schlechthin.

Ich bin daher nicht sicher, ob es sehr nützlich wäre wenn in dieser Familientherapie jetzt darüber diskutiert würde, wer welche psychischen Defizite hat.


Das war ursprünglich auch nicht vorgesehen. Nur war ich nicht diejenige, die das Thema psychische Defizite auf den Tisch gebracht hat. Die Therapeuten waren sich bereits nach der ersten Sitzung nicht mehr sicher, ob der rein familientherapeutische Ansatz greift, da die Spannungen, oder der Kampf, wie du es richtig bezeichnest, recht schnell deutlich wurde.

Der Vorschlag nach Vergebung geht ja auch in die Richtung: Es geht. Ihr könnt einen Weg finden miteinander umzugehen. Keiner ist zu gestört dafür, nichts was geschehen ist, ist zu schlimm dafür - ihr könnt trotz allem zusammen arbeiten. Es mus ja vielleicht nicht Vergebung sein, vielleicht reicht es auch nach vorne zu blicken statt zurück.


Der Ansatz, nach vorne zu blicken klingt gut und ich bilde mir ein, auch vor der Therapie schon mehrmals versucht zu haben, dem zu folgen. Vielleicht hat es nicht funktioniert, weil ich mich immer wieder habe zu "Kriegshandlungen" hinreißen lassen und noch nicht so weit war, gelassen zu bleiben, wenn er mal wieder seine Betreuungszeit nicht pünktlich eingehalten oder mir eiskalt serviert hat, er hätte mich darüber informiert, dass er an diesem oder jenem Tag nicht könne, was er nicht hatte, oder wenn er mich informiert hatte, selbstverständlich davon ausgegangen ist, dass ich seine Betreuungszeit übernehme, oder einfach abgehauen ist, wenn sein Sohn nicht sofort mit ihm gehen wollte (übrigens alles Fälle, in denen ich arbeiten mußte und ziemlich in Schwierigkeiten gekommen bin, meinen Job zu machen) und da wären noch einige Oders...

Aber was nützt es, all die Oders wieder durchzukauen. Ehrlich gesagt finde ich ihn tatsächlich zu gestört dafür, eine Zusammenarbeit auf einer Vertrauensebene zu praktizieren. Meine Erfahrungen waren immer nur gegenteilig. Und nochmal ehrlich gesagt denke ich, ich wäre doch mit dem Klammersack gepudert, wenn ich diesem Menschen jemals wieder in irgendetwas vertrauen würde.

Es ist schwierig. :kopfkratz:

18

Samstag, 1. Juni 2013, 00:24

Hallo Flügelmaus,

Wichtig ist m.E., dass Du Dir deutlich machst, warum er Dich verletzen konnte und wie Du Dich dafür heute schützen kannst.


Ja, da hast du vollkommen recht. Ich weiß auch inzwischen, warum er mich verletzen konnte.

Und ich könnte mir vorstellen, dass genau da der Punkt ist. Du hast wahrscheinlich sehr oft erleben müssen, dass Dein Ex es sehr gut beherrscht die Dinge so darzustellen, dass er als der Gute dasteht und wenn die Leute die Hintergründe nicht kennen, glauben sie ihm. Und wenn Du dann auch noch emotional reagierst, spielst Du ihm in die Hände. Mir ist es jedenfalls sehr oft so gegangen, nicht mit meinem Ex, aber mit meiner Mutter, welche dieses Spiel nahezu perfekt beherrscht.


Das hast du sehr treffend beschrieben. Dem Himmel sei Dank gibt es aber auch Leute aus dem gemeinsamen Bekanntenkreis, die ähnliche Erfahrungen mit ihm gemacht und viel Verständnis für meine Situation gezeigt haben. Ich glaube, sonst wäre ich verrückt geworden. Mir ist es mit meinem Ex und meiner Mutter so ergangen, wobei es bei meiner Mutter nicht so ausgeprägt war. Mit ihr bin ich inzwischen im Reinen. Aber da ich ohne Vater aufgewachsen bin, bin ich in diese Falle mit Vollgas reingelaufen. :nene:

Und wenn Du die Befürchtung hast, dass die Therapeuten Deinem Ex hier auf den Leim gehen, kannst Du natürlich kein Vertrauen haben. Ich denke nach wie vor, dass es sehr hilfreich sein könnte, dies mit den Therapeuten separat - nicht im Rahmen des Familiensettings - zu klären. Wie sollst Du auch zu jemandem Vertrauen haben, der die Realität nicht blickt. Und auch Therapeuten sind keine Übermenschen, die diese Art von Tricks durchschauen. Das habe ich selber schon erlebt. Es geht hier dann auch gar nicht darum, ob und welche Diagnose Deinem Ex zukommt, sondern wie Du Dich in der Therapie aufgehoben und angenommen fühlst. Und hier sollte Dein Gefühl ein gutes sein. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es Deinem Sohn gut täte, wenn Du Dich hier verstellst. Kinder merken das sehr genau.


Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich mich gut aufgehoben fühle. Siehe auch meine Antwort an Paperbag. Ich muß darüber nachdenken, wie es da weitergehen kann. Ich hoffe aber, zumindest, die Wechselmodellregelung in diesem Setting durchsetzen zu können. Das wäre auf jeden Fall für unseren Sohn weniger hin und her, weniger Spannungen, da er dann nicht mehr auf uns beide treffen würde und für mich Entlastung, weil ich ihn dann nur noch außerhalb der Therapie sehen würde, wenn es gar nicht anders zu regeln ginge. Er hatte sich zu meinem diesbezüglichen Vorschlag eine Woche Bedenkzeit ausgebeten. Die ist dann heute rum und er hat sich bisher nicht gemeldet. Ich habe es nicht anders erwartet. Übrigens kam er zuerst mit dem Vorschlag des paritätischen Wechselmodells. Er hatte dabei allerdings andere Zeitliche Vorstellungen, denen ich nicht folgen kann, da ich uns ernähren muß. Das hat ihm schon in der letzten Sitzung nicht gepasst. Zeitaufwandstechnisch gesehen ist mein Vorschlag seinem gleich. Er wollte aber in wöchentlichem Rhythmus wechseln, was bei mir aus arbeitstechnischen Gründen nicht geht. Er hat sofort angemerkt, dass er schließlich bisher immer meinen beruflichen Wünschen nachgekommen wäre. Kunststück. Er behält seine Arbeitsstellen meist nicht lange und kann über seine Zeit verfügen.

Vielleicht hilft es auch, sich über Ziele zu einigen und das Miteinader umgehen auszublenden. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das Ziel, dass Euer Sohn sich geborgen, sicher und gut aufgehoben fühlt. Er wird, denke ich damit umgehen können, wenn Du und Dein Es miteinander nicht klar kommt, aber ihr müsst ihn da komplett herauslassen, keine Parteinahme von ihm verlangen und auch keine Bestätigung Eurer Sichtweise. Ansonsten wird er hin- und hergerissen. Ich hoffe, dass Dein Ex wenigstens dazu in der Lage ist.


Ob er dazu in der Lage ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Er liebt seinen Sohn irgendwie, denke ich. Ob er es aus narzisstischen Motiven tut, lasse ich jetzt mal dahingestellt. Vor einigen Monate hat mein Sohn mich, übrigens zum wiederholten Male, gefragt, warum wir uns nicht verstehen. Papa hat gesagt, du bist Schuld. In der letzten Zeit hat er das nicht mehr gesagt. Möglicherweise beherrscht er sich jetzt, weil er in der Therapie sozusagen "unter Beobachtung steht". Ich kann es nur hoffen.

*_trulla_*

19

Samstag, 1. Juni 2013, 00:30

Ich danke euch, dass ihr mir Denkanstöße und Tipps gegeben habt. Mal sehen, wie es weitergeht. In zwei Wochen ist der nächste Therapietermin. Ich melde mich wieder. :blume:

20

Samstag, 1. Juni 2013, 11:57

Liebe Ulrike,

Deine Antworten haben mich etwas fassunglsos gemacht.

Zitat

als er anfing, mich u.a. als Lügnerin, Diebin und schlechte Mutter, vor der er seinen Sohn beschützen müsse, zu bezeichnen,
Hat Dein Ex wirklich diese Worte benutzt oder ist das Deine Zusammenfassung seiner Äußerungen?

Zitat

Vor einigen Monate hat mein Sohn mich, übrigens zum wiederholten Male,
gefragt, warum wir uns nicht verstehen. Papa hat gesagt, du bist Schuld.
Genau das sollte nicht passieren und niemand sollte einem Kind gegenüber, solche Dinge äußern. Ich erwarte von erwachsenen Menschen, dass sie zum einen Einsehen, dass am Scheitern einer Beziehung immer alle Beteiligten ihre Anteile haben. Vor allem aber, sollte ein Kind nicht dazu gebracht werden, Partei ergreifen zu müssen. Das ist - gerade wenn große Verletzungen vorliegen - nicht immer einfach, aber zumindest der Wille und das Bemühen dies zu verhindern, würde ich doch erwarten. Normalerweise liebt ein Kind beide Elternteile und sollte in einen Konflikt zwischen diesen, nicht hineingezogen werden. Du kannst leider nicht verhindern, dass Dein Ex ein solches Verhalten an den Tag legt, aber ich wünsche Dir die Kraft, dass es Dir gelingt, Deinen Sohn da aufzufangen und ihm vor allem deutlich zu machen, dass Du Verständnis für seine Gedanken hast und Dich nicht dadurch verletzt fühlst. Ich betrachte es zumindest als gutes Zeichen, dass er Dir gegenüber so offen war, das anzusprechen. Und weiß nicht, ob ich es als gutes Zeichen betrachte, dass er dies nicht mehr tut, sondern diese Gedanken nun im Stillen mit sich herumträgt.

Ich wünsche Dir eine gute nächste Therapiesitzung für Dich und Deinen Sohn.

Liebe Grüße
Flügelmaus

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