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Donnerstag, 29. März 2012, 22:46

„Aus Selbstschutz zurück in den Eisenofen?“ oder „Was man nicht kennt vermisst man nicht.“

Zu meiner Person: weiblich, 40, Single, keine Geschwister.
In meiner Kindheit und Jugend bis hinein ins Erwachsenenalter haben es Menschen aus meinem familiären, schulischen, sportlichen und beruflichen Umfeld immer wieder mit
bemerkenswertem Erfolg geschafft, mir zu zeigen, dass engerezwischenmenschliche Beziehungen und größere Menschengruppen unweigerlich zu seelischen Verletzungen führen.
Und dass mein Interesse an männlichen Wesen nie auf Gegenliebe trifft.
Ergo habe ich mich immer mehr aus potentiell verletzenden Gruppierungen und Situationen zurück gezogen, habe mich in meinem selbstbestimmten Single-Dasein eingerichtet und war bis Mitte 30 damit auch recht zufrieden.
Sporadisch gestartete Dating-Versuche über Online-Partnerbörsen endeten immer mit meinem Fazit, dass der gerade gedatete Mann nicht meinen Vorstellungen entspricht, eher die starke
Schulter sucht, die ich aber selber gerne manchmal hätte … Sprich, der Leidensdruck – selbst unter den üblichen blöden Sprüchen im Familien- und Freundeskreis – war nie so groß, daß ich
Kompromisse eingegangen wäre. Zu groß war auch der Horror davor, einen unselbstständigen „Partner“ am Bein und zuhause auf dem Sofa zu haben …
Ratio über Gefühl, erst gar kein Gefühl aufkommen lassen.
Bis ich dann vor fast 5 Jahren beruflich ein männliches Wesen kennenlernte. Dieser Mann begegnete mir auf Augenhöhe, wir waren geistig auf einer Wellenlänge, ich wurde
fachlich gefordert und menschlich immer wieder positiv überrascht. Er zeigte Interesse an meiner Arbeit und an meiner Person. Ganz langsam wuchs ein Vertrauensverhältnis und nach 2 Jahren, als wir dann auch noch am gleichen Firmenstandort arbeiteten, pfiffen es die Spatzen von den Dächern, daß da zwischen uns doch etwas laufen müsste, schließlich würden wir so vertraut miteinander umgehen, Ping-Pong spielen und er würde ja mit mir flirten, was das Zeug hält… So war es und so wirkte es nach Außen.
Und auch in mir wuchs der Gedanke, daß es sich genau so anfühlen muß, wenn aus einem dienstlichen Miteinander Vertrauen erwächst und mehr daraus wird.
Der Grundstein zur Sucht nach diesem Menschen war gelegt.
Das Verhältnis wurde eng und enger, auch über mein Ausscheiden aus dem Unternehmen hinaus. Zu „mehr“ wurde es jedoch trotz eindeutigster Signale von seiner Seite nie. Von Fremden, z. B. bei gemeinsamen Restaurant-Besuchen, wurden wir als Paar wahrgenommen, der Kollegenkreis bis in die Chefetage war sich sicher … Und für mich fühlte es sich auch immer wieder so an. Stundenlange Telefonate über den Tag und die Nacht verteilt, Austausch und Beratung in grundlegenden Lebensfragen … Bis hin dazu, daß ich ihn in seiner Selbstständigkeit unterstützt und ihm schließlich auch durch Jobbörsen-Recherche und Ausarbeitung von Bewerbungsschreiben und Präsentationen für seine Vorstellungsgespräche seinen heutigen neuen Auslandsjob besorgt habe. Und das alles über eine räumliche Entfernung von mehr als 500 km.
Immer wieder habe ich ihn in unserer gemeinsamen Zeit angesprochen, ihm irgendwann auch offen gesagt, daß ich mehr für ihn empfinde. So wie ich all meine Gefühle ihm gegenüber immer klar ausgesprochen habe. Auch, wenn es mal "klemmte" und ich mich in einer Einbahnstraße fühlte. Nein, er stand „nicht zur Verfügung“. So lautete es verbal, nonverbal sah es anders aus.
Und ich kam einfach nicht von ihm los, weil ich süchtig war nach der Fluchtmöglichkeit aus meinem eigenen Alltag, die er mir gedanklich und auch durch manche verrückte gemeinsame Unternehmung bot. Weil ich im Zusammenspiel mit ihm genau die Person war, als die ich mich wohlfühle. Irgendwann habe ich dann nur noch darum gebeten, daß er mir sagen möge, wenn er wieder jemanden fest an seiner Seite hätte, damit ich mich dann zurückziehen könnte.
Im Frühjahr letzten Jahres habe ich dann Angst bekommen vor meiner eigenen persönlichen Entwicklung, war erschreckt, wie ich plötzlich immer mehr in die Emotionalität absinke und in einen Strudel gerate, aus dem ich nicht mehr heraus finde. Also habe ich mich bei einer Therapeutin auf die Warteliste setzen lassen. Als die sich dann nach einem Dreivierteljahr meldete, stand mir ein Jobwechsel bevor, ich musste mich räumlich umorientieren und nach einem ersten völligen Fehlgriff hatte ich jetzt bisher 2 Termine bei einer Therapeutin, mit der die Chemie zu stimmen scheint.
Zwischenzeitlich habe ich meinen neuen Job angetreten, er ist ins Ausland gegangen, trotz Beteuerungen „es bleibt alles, wie es war!“ sind meine Ängste Realität geworden und trotz überbrückbarer Entfernung und modernen Kommunikationsmöglichkeiten hat er mich bei erstbester Gelegenheit aus seinem Leben ausgemustert. Und den Kontakt nahezu abgebrochen.
Ich stand vor einem Scherbenhaufen. Hatte mir das ganze letzte Jahr für ihn und unser Miteinander neben meinem Fulltime-Job den Hintern aufgerissen, hatte emotionale Achterbahnfahrten mit ihm durchlitten, war abserviert und dann wieder gebraucht worden … Und hatte ihn selber immer wieder als Fluchtpunkt genossen. Alles weg. Physisch und
psychisch platt.
Dann habe ich zum ersten Mal in einem Internet-Forum eine Geschichte gelesen, die mir nicht nur gezeigt hat, daß ich nicht alleine mit solchen Erfahrungen bin, sondern die mich auch zum
ersten Mal mit dem Begriff der narzisstischen Persönlichkeitsstörung konfrontiert hat.
Ich habe mir die empfohlene Literatur (Telfener und Röhr) gekauft und beide Bücher verschlungen.
Fazit: Wir haben über die Jahre einen perfekten narzisstischen Paartanz präsentiert. Schlüssel/Schloß-Prinzip in Vollendung. Immer wieder das Nähe-Distanz-Problem auf beiden Seiten, ich entdecke plötzlich Gefühle, bemuttere ihn, enge ihn ein, er gewährt mir Einblick in sein Seelenleben, nur um mich dann weg zu schubbsen … Wie aus dem Lehrbuch.
Leider ist nun meine Therapie noch nicht wirklich angelaufen. Zwischen dem ersten und zweiten Termin lagen 4 Wochen, nun bin ich gerade in der 6-wöchigen Wartezeit auf den dritten
Termin. Danach wird es dann wohl ein Wochenrhythmus werden. Ich habe der Therapeutin gegenüber die Problematik schon angedeutet. Zwei Dinge bringen mich nun aber zum Nachdenken.
Einmal ihr Satz, ich solle die Sache doch positiv sehen, schließlich hätte ich mich mal einem Menschen gegenüber geöffnet … Da geht mir im Moment dann nur die Frage durch den Kopf: Und wohin hat das geführt? Wie immer in Vertrauensverlust und Verletzung!
Und dann die Aussage aus einem anderen Zusammenhang im Rahmen der biografischen Anamnese: Ja, was man nicht kennt, vermisst man nicht!
Und gerade das ist jetzt mein Problem, wegen dem ich hier den Erfahrungsaustausch suche. Die alte Scheune hat angefangen zu brennen und ein Leben kennengelernt, das ihr mehr gefallen hat als alles auf der Welt. Dieses Leben ist zerbrochen. Doch das Bedürfnis nach Auszeiten, nach intellektuellem Austausch, nach der Schulter zum Anlehnen hat überlebt und wird
übermächtig.
Und doch weiß ich rein rational betrachtet, daß die Chance auf einen Lottogewinn größer ist, also noch einmal einen Menschen zu finden, der mir solche Höhenflüge bereitet.
Ich brauche – wenn überhaupt – sehr lange, um Vertrauen aufzubauen. Im neuen beruflichen Umfeld gibt es keine möglichen „Kandidaten“, privat bin ich durch ein zeit-, kosten- und verantwortungsintensives Hobby (und aus der Nummer komme ich auch die nächsten ca. 20 Jahre nicht raus) nicht wirklich flexibel … Ergo habe ich kaum eine Möglichkeit, einen Mann so gut kennenzulernen, daß ich einen Draht und Vertrauen zu ihm finden würde. Und da ich nicht gerade Claudia Schiffer bin, fallen mir die Männer leider auch nicht auf der Straße um den Hals …
Daher ist es mein derzeitiger – nach der Bauchlandung mit der Gefühlsduselei – Ansatz, irgendwie meine Erinnerungen und Bedürfnisse wieder komplett auszublenden, wieder rein auf Ratio zu funktionieren und wieder eine gewisse Zufriedenheit mit dem Spatz in der Hand zu gewinnen. Ich weiß sonst wirklich nicht, wie ich mein Leben zukünftig meistern soll.

Hat jemand diesen Ansatz - also quasi das "Zurück in den Eisenofen" schon einmal verfolgt?

Ich danke Euch für Eure Lese-Geduld und bin gespannt auf Feedback!

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Samstag, 31. März 2012, 18:09

Hallo :) ,

dein Beitrag steht hier irgendwie so verloren, deswegen möchte ich dir schreiben. Ich habe es mit dem "Eisenofen" nicht so. Kenne nur von mir, wenn ich zutiefst verletzt bin, dass ich dann völlig "kalt" werde. "Ihr könnt mich alle mal" oder "ich brauche niemanden". Die Verletzungen, die uns als Erwachsene zugefügt werden, führen (habe ich an mir festgestellt) immer in die Kindheit.

Langer Rede kurzer Sinn: Wie wäre es, wenn du dir helfen lässt (Therapie)

Bei den Menschen die ich kenne und die ihr Leben "verpanzert" verbracht haben, kam immer eine entsprechende Krankheit, durch die sie gelernt haben, oder vielmehr lernen mussten, ihren Panzer abzulegen.

Alles Gute wünsche ich dir,
Jola
achtsam sein


3

Samstag, 31. März 2012, 18:11

Sorry, habe beim nochmaligen Lesen gesehen, dass du dir ja schon Hilfe geholt hast. :nene:
achtsam sein


4

Samstag, 31. März 2012, 18:36

wieder rein auf Ratio zu funktionieren und wieder eine gewisse Zufriedenheit mit dem Spatz in der Hand zu gewinnen

Das machst du automatisch wenn du verletzt genung bist, das ist nichts was du "beschließt".

Wie wäre denn ein Kompromiss für deine Emotions-Planung? Du entscheidest dich eine Beziehung nicht unter diesen Voraussetzungen nochmal so einzugehen.
gut

5

Samstag, 31. März 2012, 18:50

Hat jemand diesen Ansatz - also quasi das "Zurück in den Eisenofen" schon einmal verfolgt?

Ja, verfolgen tue ich ihn ungelogen jeden Tag, nur geschafft hab` ich es bisher nicht mehr...
Ich hab für mich beschlossen, dass sas Rennen gelaufen ist, und es tut täglich wirklich weh...

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Faust« (31. März 2012, 18:56)


6

Samstag, 31. März 2012, 20:33

Hallo! :)

Ich kenne diese Gefühle gut. Zwar ist mir natürlich nicht bekannt, wie deine persönliche Geschichte genau aussieht. Aber ich erkenne mich da wieder.
Durch so eine schöne/schreckliche Begegnung habe ich erst erkannt, dass etwas mit mir nicht stimmt.

Das ist schon einige Jahre her und ich dachte damals, dass ich niemals und nie wieder so einen besonderen Menschen treffen werde. Mit der Zeit hat sich die Sicht darauf gewandelt. Es hat mich fast vier Jahre gekostet wirklich darüber hinwegzukommen, aber irgendwann ging es.
Dann sah ich auch, so toll vieles war, einige elementare Dinge haben einfach nicht gepasst. Es war nicht die richtige Frau für mich. Ich hatte mich nur in eine Illusion, einen Wunschtraum verliebt. Was nicht passt, wird passend gemacht... Was natürlich niemals klappt.

In dieser Zeit habe ich mich wahllos jeder Frau an den Hals geworfen, die mich interessiert und gereizt hat. Insgeheim wohl mit der Hoffnung, sie könnten die Wunden heilen, die mir durch das auslösende Ereignis (verwehrte Liebe und Zuneigung) zugefügt wurden bzw. neu aufbrachen (Stichwort Kindheit, Beziehung zu den Eltern.).

Ich denke, dass man sich zurückzieht ist erst mal normal. Es ist die Schutzfunktion um das Leid zu beenden. Allerdings kann man sich schön in seinem eigenen Leid auch einrichten ohne Fortschritte zu machen. Paradoxer Weise ist das zwar schlimm und tut nicht gut, stellt aber eine gewisse Sicherheit dar und beruhigt. Die Form von verdrehter Sicherheit, welche man sich statt eines gesunden Selbstbewusstseins und Liebe zugelegt hat (gezwungener Maßen).

So sehe ich es zumindest für mich.

Ich habe mich nach einiger Zeit gefragt, wieso ich glaube, dass es nur eine Frau gibt. DIE eine. Und mit der Zeit kam ich darauf, dass das eine weitere Illusion ist. Das, was ich wollte war die EINE Erfüllung, aber das hat nichts mit einem Menschen zu tun, weil niemand perfekt ist.
Meine Vergötterung dieser Frau ging schon fast ins fanatisch-obszessive. Sie wurde so heilig wie die Mutter Maria selbst.

Das ist aber nicht gesund.

Davon losgelöst hat mich erst mal ein Gedanke, eine Erfahrung. Jeder Mensch ist ein einzigartiges Wesen, vom Körper, wie vom Charakter her. Daher ist die Liebe zu einem Menschen und die Zuneigung, die man bekommt, genau so einzigartig.
Es mag sein, dass die Liebe nicht so intensiv ist, oder die Form der Zuneigung anders. Aber das ändert nichts an dem Gefühl an sich. Liebe lässt sich niemals in ein "besser/schlechter" Schema einpressen. Die Liebe ist jedes mal groß und schön. Und jeder Mensch ist daher "der richtige", in dem Moment.

Jeder Mensch trägt eine universelle Liebe in sich, davon bin ich überzeugt. An uns liegt es an ihr zu rühren. Das Herz so weit und unendlich zu machen wie das All.

Puh... große Worte, was? :D
Es ist eigentlich sogar recht einfach. Und dabei unendlich schwer... Man muss lernen loszulassen und besitzen zu wollen. Kontrolle aufgeben.
Dieser Eisenofen stellt Kontrolle dar, eine Barriere. Sie mag schützen, aber das tun Gefängnisse auch. Nur... raus kommt man aus dieser Zelle nicht mehr. Und dabei verpasst man die Fülle der Existenz selbst. Man verpasst sich.

Puh, ich bin grad etwas matschig im Kopf. Ich hoffe es hat einigermaßen Sinn gemacht. ?( :)

7

Sonntag, 1. April 2012, 14:24

Ich hoffe es hat einigermaßen Sinn gemacht. ?( :)

Sinn macht es schon, rein von der Logik her. nur Gefühle haben nix mit Logik zu tun. Das ist ja auch der Grund, warum meinereiner so gerne wieder einen Schalter umlegen würde, zurück in eine Zeit, wo ich mich erst garnicht auf so ein unkalkulierbares Gefühlschaos eingelassen habe...

8

Sonntag, 1. April 2012, 15:29

Zunächst Euch allen vielen Dank für Eure bisherigen Antworten!

@Jola: Ja, ohne Hilfe, bzw. die Aussicht und Hoffnung auf Hilfe, ging es nicht mehr. Je näher wir aneinander waren, umso höher wurden die Höhen und umso tiefer die Täler ... Da habe ich wirklich vor der Entwicklung Angst bekommen und aus einem der tiefen Täler heraus den ersten Schritt in Richtung Hilfe gemacht.
@Niebla: Ich sehe diesen Menschen inzwischen auch als eine Art Katalysator. Dadurch, daß ich mich ihm gegenüber geöffnet habe und diese emotionale Bauchlandung erlebt habe, hinterfrage ich mich, bin auf die Narzissmus-Thematik gestoßen und habe so vielleicht jetzt wirklich die Möglichkeit, aktiv etwas an meinem Leben zu ändern. Daß er als Person immer mehr in den Hintergrund rückt und nur noch die Verletzungen und nicht mehr zu stillenden Bedürfnisse über bleiben ... Damit muß ich dann jetzt irgendwie klar kommen. Problem ist einfach, daß ich jegliche rosarote Brille verloren habe und daher der Tatsache ins Auge schauen muß, daß sich mir kaum noch einmal eine Chance bieten wird, meine erwachten Bedürfnisse zu befriedigen. Ich habe bis Mitte 30 gebraucht, bis mir dieser Mann über den Weg gelaufen ist, habe mehr als zwei Jahre gebraucht, Vertrauen aufzubauen und mir eine Beziehung vorstellen zu können ... Selbst wenn die Therapeutin mir eine Gehirnwäsche verpasst - ich frage mich, wo mir bei den unabänderlichen Gegebenheiten meines Lebens dieser Mensch über den Weg laufen soll?
Und damit sind wir bei @Faust: Das Öffnen für einen Menschen, die Gefühlsduselei hat mich in ein solches Fiasko geführt, das ich kein zweites Mal mehr erleben möchte bzw. aushalten kann. Ergo zurück in die "ruhige" Zeit vor diesen Emotionen und plötzlich hellwachen Bedürfnissen....

Und das ist mein Hauptproblem:
Wie die Bedürfnisse unterdrücken, die durch das Miteinander mit diesem Mann entstanden sind, deren Chancen auf Erfüllung in meinem Real-Life aber gegen 0 gehen? Bleiben diese unerfüllten Bedürfnisse so präsent, werden sie mir weiterhin immer wieder die Tränen in die Augen und jegliches Lächeln aus dem Gesicht treiben ... Also muß ich es schaffen, diese Bedürfnisse rational auszublenden und wieder einfach nur professionell zu funktionieren.

9

Sonntag, 1. April 2012, 15:36

Hey lost-in-emotion,

ich verfolge diesen Thread nicht so richtig, aber was Du eben geschrieben hast, ist mir aufgefallen:

Zitat

Bleiben diese unerfüllten Bedürfnisse so präsent, werden sie mir weiterhin immer wieder die Tränen in die Augen und jegliches Lächeln aus dem Gesicht treiben ... Also muß ich es schaffen, diese Bedürfnisse rational auszublenden und wieder einfach nur professionell zu funktionieren.


Hast Du noch nie die Erfahrung gemacht, dass schlimme Gefühle plötzlich viel besser auszuhalten sind und dann ganz unerwartet viel schneller weggehen, wenn man sie zulässt und spürt? Die Erfahrung mache ich immer wieder. Zuerst ist es ein Riesenkampf, weil ich negative Gefühle eigentlich ums Verrecken nicht zulassen will, aber wenn ich es dann doch tue, dann spült auch Liebeskummer einmal über mich drüber und verebbt dann früher oder später zu einem Gefühl, das sich aushalten lässt und sich tausendmal besser anfühlt als dagegen anzukämpfen.

Ich geh ja schon fast davon aus, dass das gar nix hilft, dass ich das jetzt schreibe. Aber vielleicht macht's Dir etwas Mut, es doch mal zu versuchen. Gegen Gefühle anzukämpfen, kostet am meisten Kraft, und dann geht's Dir nur schlechter. :(
The more crap you put up with, the more crap you are going to get.

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Sonntag, 1. April 2012, 15:50

Hallo lost-in-emotion,
Zuerst ist es ein Riesenkampf, weil ich negative Gefühle eigentlich ums Verrecken nicht zulassen will, aber wenn ich es dann doch tue, dann spült auch Liebeskummer einmal über mich drüber und verebbt dann früher oder später zu einem Gefühl, das sich aushalten lässt und sich tausendmal besser anfühlt als dagegen anzukämpfen.


Probier mal beim Baden-gehen einen Basketball unter Wasser zu drücken. Das schaffst Du eine Zeitlang mit größter Kraftanstrengung. Aber irgendwann schießt das Teil mit so einer Gewalt nach oben, dass Du das Körperteil in dem Ratio beheimatet ist ganz schnell in Sicherheit bringen musst....

Ich glaube auch, dass es nicht möglich ist, Gefühle aus Angst vor Verletzung dauerhaft zu unterdrücken....Auf Dauer ist es da vielleicht weniger schmerzhaft durch die Verletzung durchzugehen....

LG vom :kampf:
"Bin viel zu müde, um aufzugeben. Wär auch zu früh, weil immer was geht " (aus Herbert Grönemeyer, Der Weg)

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Sonntag, 1. April 2012, 16:04

Das Öffnen für einen Menschen, die Gefühlsduselei hat mich in ein solches Fiasko geführt, das ich kein zweites Mal mehr erleben möchte bzw. aushalten kann. Ergo zurück in die "ruhige" Zeit vor diesen Emotionen und plötzlich hellwachen Bedürfnissen....

Und das ist mein Hauptproblem:
Wie die Bedürfnisse unterdrücken, die durch das Miteinander mit diesem Mann entstanden sind, deren Chance auf Erfüllung aber in meinem Real-Life aber gegen 0 gehen? Bleiben diese unerfüllten Bedürfnisse so präsent, werden sie mir weiterhin immer wieder die Tränen in die Augen und jegliches Lächeln aus dem Gesicht treiben ... Also muß ich es schaffen, diese Bedürfnisse rational auszublenden.

Hallo LiE,

Du siehst deine Perspektive momentan sehr, sehr Dunkel. Ich weiß zwar nicht wie Deine Lebenssituation konkret aussieht, aber unter normalen Umständen kann man niemals vorhersagen, ob dies Deine letzte Chance im Leben war, oder nicht.

Und noch was: Die Erinnerung an die schönen Momente, die man andernfalls nie erlebt hätte, sind es wert wachgehalten und erinnert zu werden, Sie sind ein Quell der Freude, nicht der Trauer, jedenfalls für mich.

Aber vielleicht sind die äußeren Umstände unerer beiden "Erfahrungen" auch nicht vergleichbar...

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Faust« (1. April 2012, 16:11)


12

Sonntag, 1. April 2012, 16:20

@Einzelkämpfer, Fulmen, Faust: Es geht hier nicht darum, Gefühle zu unterdrücken. Die Höhenflüge werden mir als die schönsten Gefühle ever in Erinnerung bleiben, keine Frage. Und die Durchhänger werden irgendwann verblassen. Das alles bezweifele ich nicht. Aber dieses Miteinander hat das Bedürfnis nach einem Mitstreiter an meiner Seite geweckt, mit dem ich mich intellektuell austauschen kann, bei dem ich mich auch einmal anlehnen kann und der mich fördert und fordert. Und das ist das Bedürfnis, an dessen nochmalige Erfüllung ich derzeit nicht mehr glauben kann. Und es geht mir darum, dieses Bedürfnis wieder auszublenden. Wieder zu einem zufriedenen Einzelkämpfer-Dasein zurück zu finden.

13

Sonntag, 1. April 2012, 16:20

Hm, nur kurz. War genau da die letzten 3jahre. Nu bin ich wo,wo ich die letzten 3jahre gedacht hätt, das gibts nie wieder, da wag ich mich nie wieder, nichtmal n zentimeter in die Nähe von, das halt ich nicht nochmal aus. Und hätt mir das vor 3monaten wer gesagt, das das passiert was ich grad tu, hätt ich den für komplett bescheuert erklärt, hätt dem gesagt "das mag ja für alle andren auf diesem Planeten gelten, das es irgendwann aushaltbarer wird,sich verändert, das irgendwann sogar der Mut kommt, nochmal was zu wagen, es nicht das letzte Mal gewesen zu sein lassen. Aber für mich gilt das nicht." nu, ich denk,ich hab grad nicht irgendnen blöden Frühlingskoller, Jahreszeit ist Zufall. Mir ist da n Mensch begegnet, und ich hab ganz bewußt beschlossen, mich vorsichtig und behutsam auf Neuland anzufangen zu bewegen.

14

Sonntag, 1. April 2012, 16:32

Und es geht mir darum, dieses Bedürfnis wieder auszublenden. Wieder zu einem zufriedenen Einzelkämpfer-Dasein zurück zu finden.


Wie wäre es mit Ablenkung, statt kompletter Ausblendung?

Oder schließt das Bedürfnis zu spüren ein zufriedenes Einzel..oder Single-Dasein ohne Kampf komplett aus?

lg
skajar
Es ist nicht genug, zu wissen - man muß es auch anwenden.
Es ist nicht genug, zu wollen - man muß es auch tun

Johann Wolfgang von Goethe

15

Sonntag, 1. April 2012, 17:01

Oder schließt das Bedürfnis zu spüren ein zufriedenes Einzel..oder Single-Dasein ohne Kampf komplett aus?
:thumbsup:
"Bin viel zu müde, um aufzugeben. Wär auch zu früh, weil immer was geht " (aus Herbert Grönemeyer, Der Weg)

16

Sonntag, 1. April 2012, 17:21

Mir ist da n Mensch begegnet, und ich hab ganz bewußt beschlossen, mich vorsichtig und behutsam auf Neuland anzufangen zu bewegen.
Ganz fest Daumendrück :-)

17

Sonntag, 1. April 2012, 17:25

Ganz fest Daumendrück :-)
Es ist besser, Liebe empfunden und Verlust erlitten zu haben, als niemals geliebt zu haben.
Alfred Lord Tennyson, (1809 - 1892), englischer Dichter, Elegien, Gedichte und Verserzählungen

"Bin viel zu müde, um aufzugeben. Wär auch zu früh, weil immer was geht " (aus Herbert Grönemeyer, Der Weg)

18

Sonntag, 1. April 2012, 17:37

Es ist besser, Liebe empfunden und Verlust erlitten zu haben, als niemals geliebt zu haben.
Alfred Lord Tennyson, (1809 - 1892), englischer Dichter, Elegien, Gedichte und Verserzählungen

Wohl wahr, wobei ich persönlich glaube, die wahre Liebe gibts echt nur einmal, wenn man Glück hat. Ich hatte dieses Glück.

Der Rest entspringt dem Bedürfniss nicht allein durch die Welt gondeln zu müssen...

19

Sonntag, 1. April 2012, 17:54

EDIT da falsch zitiert
Es ist nicht genug, zu wissen - man muß es auch anwenden.
Es ist nicht genug, zu wollen - man muß es auch tun

Johann Wolfgang von Goethe

20

Sonntag, 1. April 2012, 19:06

Wohl wahr, wobei ich persönlich glaube, die wahre Liebe gibts echt nur einmal, wenn man Glück hat. Ich hatte dieses Glück.



Der Rest entspringt dem Bedürfniss nicht allein durch die Welt gondeln zu müssen...

So ein Quatsch :cursing: lieber Faust :D der Frühling ist gerade angefangen :yeah:

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