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Samstag, 11. Februar 2012, 14:28

Mein narzistisch geprägtes Leben. (!!!lang!!!)

Ich ertrage meine Eltern nicht mehr. Jahrelang war ich die Stütze meiner Eltern. Sie haben kaum Geld (mehr finanziellen Krebs), keine Zeit für die 4 Kinder die sie bekommen haben, keine Familie, keine Freunde, keinen Beruf, der sie glücklich macht oder auch nur im geringsten, dass finanzielle Loch stopft. Und für all diese Mankos war bisher immer ich, die Älteste von vier da. Sie packten mir diesen Rücksack schon als ich auf die Welt kam nach und nach auf den Rücken und mittlerweile zerbrech ich unter diesen riesen Rucksack den sie mir auferlegt haben.

Alles ging gut solange ich die perfekte Tochter (mit super Noten und Helfersyndrom) war die stillschweigend diese Päckchen trug. Ich passte von klein auf auf meine jüngeren Geschwister auf. Bei meiner Jüngsten Schwester war es am Extremsten. Der Kindergarten war in der Nähe meiner Schule und ich hollte sie jeden Nachmittag ab und passte auf sie auf, während meine Eltern arbeiteten. Das war mit 14 und die Jahre danach. Die im Kindergarten gaben mir den Namen "Zweitmami". Als junges Mädchen erfüllte dies mich mit stolz aber mittlerweile bemerke ich das ich mich Jahre lang für Dinge aufgeopfert habe, die ich in diesem Maß keine Verantwortung hatte und nur für andere da war, bloß nicht für mich. Dazu kamen die jährlichen Krisen meiner Eltern, wo ich Partei ergreifen sollte und Ratschläge bei mir gesucht wurden. Ich war jung hatte keine Erfahrungen trotzdessen kam meine Mutter immer zu mir und suchte in mir den Freundinnenersatz. Kam dann eine ihr nicht passende Antwort (war halt meine Alter und fehlende Erfahrung) von mir oder hatte ich mal eine andere Meinung als sie hieß es "wie kannst du sowas sagen" oder sie war enttäuscht von mir. Früher sprach ich ihr immer zu Mund. Mein Vater und alle anderen auch. Es war unerträglich wenn sie einem mit Ignoranz und Schuldgefühlen strafte. Alle Welt war immer gegen sie. Die Krisen kamen immer dann zustande, wenn alle halbe Jahr, das ICH meines Vaters hoch kam und er keine Marionette sein wollte. Meine Mutter war natürlich immer erstaunt über seine neue Meinung und überrumpelt. Jedoch eskalierte dies immer und meist haute mein Vater ab und drohte mit Selbstmord, weil meine Mutter immer knallhart war, nach dem Motto: "Du machst was ich will oder wir lassen uns scheiden". Gemacht hat er es nie, aber als ich ihm eines Tages mal gesagt habe nach so einer Drohung: Wie schlimm das für uns Kinder wäre etc...: Meinte er nur:"Interessiert mich doch nicht was mit euch ist, wenn ich tot bin". Mein Vater ist für mich ein leeres Blatt, der sich stets nach meiner Mutter gerichtet hat, teils aggresiv ist, den Kontrolwahn wie meine Mutter teilt und keine Träume oder Ziele hat (laut seiner Aussagen). Er ist nicht er. Ich kenne ihn eigentlich nicht.

Nun bin ich natürlich ohne wohlwollen meiner Eltern ausgezogen (das einzigste Kommentar meines Vaters zum Thema Auszug war: Wie sollen wir das den dann finanziell machen und wer passt auf die Kleinen dann auf!!! Das ist die Funktion die ich meine ganze Jugend erfüllt habe und die ich nicht mehr will). Es war ein Kampf ohnegleichen aber ich hatte mich das erste Mal durchgesetzt gegen meine Eltern. Mit Hilfe meines Freundes und deren Familie, wobei mir diese Unterstützung unangenehm ist, da ich mit Geben und Nehmen nicht mehr zurecht komme. Meine Eltern gaben mir keine Bürgschaft. Ganz im Gegenteil: Kurz vor meinem Auszug war ich für eine Woche im Urlaub, in der Zeit tapizierten sie mein Zimmer neu und packten meine Sachen in Tüten zum Ausziehen. Nahmen Fotos von mir ab und entliesen mich mit dem Satz: "Du brauchst hier keinen Fuß mehr reinsetzen".

Natürlich ist daraus nichts geworden. Mittlerweile ist mein Vater an Krebs erkrankt und sie versuchen mich mit allen Mitteln wieder an sich zu reißen. Weil sie eine Stütze brauchen. Meine Mutter meinte "du bist die Einzige vernünftige". Ich habe es satt, dass man sich auf mich ausruht. Verweigere mich teils und werde damit mit Vorwürfen gestraft. Wie undankbar ich bin und ich hätte eine ach so tolle Kindheit gehabt. "Und wenn wir auf der Straße landen, bist du Schuld". Mittlerweile kann ich damit umgehen. Jedoch bleibt mir nichts anderes üpprig als meine jüngeren Geschwister im Stich zulassen. Und das tut mir sehr weh. Besonders weil ich zu meiner Schwester ein fast mütterliches Gefühl hab und ich sehe wie mein zwei Jahre jüngerer Bruder nun an meine Stelle rückt und daran zusammenbricht. Aber ich muss auch um meinen Selbsterhalt kämpfen. Es ist nicht mal die Krankheit meines Vaters die mich fertig macht, weil ich meinen Eltern gegenüber nur noch Gefühlskälte verspüre.

Naja es ist schwer momentan mit der Entscheidung zu leben sie lings liegen zulassen aber ich fühle mih nichts desto trotz befreit. Lange hätte ich das nicht mehr machen können. Es ist nur so schwer standhaft zu bleiben, daher interessiere ich mich sehr für euren Lernprozess und Erfahrungen. Wie ihr aus diesem Kreislauf rausgekommen seit. Vlt. habt ihr ja ein paar Tipps wie man besser damit lebt.

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Samstag, 11. Februar 2012, 15:08

Hinzufügen will ich noch: wie geht ihr mit der Wut um? Meistens sag ich mir, dass ist ein Familienerbe, diese seelischen Wunden und Probleme, die unsere Eltern an uns kompensieren, mit denen sie unser Leben beeinflussen, sie sind sich nicht dessen bewusst, was sie tun. Sie stammen von deren Eltern und soweiter. Es gibt auch Zeiten, wo ich sage du bist doch selber Schuld, wenn du das mit dir machen lassen hast oder machst. Aber da merkt man wieder, dass ich selber schon ziemlich narzisstisch veranlagt bin und die Schuldfrage stelle. Das müsste mir eigentlich egal sein. Das wichtigste für mich ist diese Familienerbe irgendwann ausgeschlagen zu haben.

Jedoch fragt man sich selber mittlerweile schon, wie narzisstisch geprägt bin ich jetzt schon. Ich habe einige Symptome gezeigt in meinen zwischenmenschlichen Beziehungen, dass ich keine gleichberechtigte Beziehung zustande kriege. Nach meinem Vertsändnis hat nur immer einer das sagen. Und wenn ich merke mein Partner könnte die dominante Position haben, manipuliere ich ihn. Weil ich Angst habe das gleiche wie in meiner Familie zu erleben. Zudem bin ich empfindlich. Und ich habe ein gestörtes Verhältnis zum Geben und Nehmen. Egal wenn ich irgendeine Gefälligkeit von jemandem annehme, denke ich der schreibt sich das auf eine Liste im Kopf und wird irgendwann mit einer Gegenleistung kommen seufz. Ich fühl mich auch öfter als Last von anderen und habe selbst schuldgefühle, weil ich mich gerade hier über meine Eltern auslasse. Am Liebsten würde ich auf Keinen angewiesen sein um diesen Gefühlen aus dem Weg zu gehen. Das ist nicht normal.

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Samstag, 11. Februar 2012, 15:54

Hallo Fay,

ich habe Deinen Thread einmal durchgelesen und ich habe ihn mir nochmal durchgelesen...vllt. bin ich heute einfach nicht auf der Höhe...aber ich konnte die "narzisstische Prägung" Deiner Eltern irgendwie nicht richtig herauslesen. :S
Am Liebsten würde ich auf Keinen angewiesen sein um diesen Gefühlen aus dem Weg zu gehen. Das ist nicht normal.
Was ist nicht normal und weshalb?? Deine Schuldgefühle? Du hast Dich von Deinen Eltern "abgenabelt" und stellst so einiges in Frage...klar, dass da Schuldgefühle aufkommen können... Dass Du diesen Gefühlen aus dem Weg gehen und auf niemanden angewiesen sein möchtest!? Also ich kenne wenige Menschen (eigentlich keinen) die gern auf jemanden "angewiesen" sind! Du warst sehr stark in Deine Familie eingebunden und bist nun ausgebrochen, gut verständlich dass da jetzt Unsicherheit mitspielt, vor allem da Deine Familie ja immer noch Druck auf Dich auszuüben scheint. Aber muss Dein Handeln/Fühlen/Denken deshalb gleich "unnormal" sein?


LG aurora



Is the reason you ask me to change so that you stay the same...!?

http://vimeo.com/21294655

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Samstag, 11. Februar 2012, 16:25

Naja es ist schwer momentan mit der Entscheidung zu leben sie lings liegen zulassen aber ich fühle mih nichts desto trotz befreit. Lange hätte ich das nicht mehr machen können. Es ist nur so schwer standhaft zu bleiben, daher interessiere ich mich sehr für euren Lernprozess und Erfahrungen. Wie ihr aus diesem Kreislauf rausgekommen seit. Vlt. habt ihr ja ein paar Tipps wie man besser damit lebt.
Liebe Fay72,

ich glaube, du könntest mal sowas :kumpel: und sowas :kuschel: und sowas :thumbsup: gebrauchen.
Das schenke ich dir zur Begrüßung, wenn du erlaubst.

Wie hast du das alles geschafft? Hattest du irgendjemanden, der dir den Rücken gestärkt hat?

Tipps wirst du hier mit Sicherheit sehr viele finden. Suchbegriff eingeben und los kann es gehen.

Spontan fällt mir ein: Familienaufstellung. Da kann man immer so schön übernommene Verantwortung und Schuld und so Zeugs an die tatsächlich Zuständigen zurückgeben ;) und das ist sowas von erleichternd. Falls das für dich interessant klingt, bitte unbedingt darauf achten, dass der Therapeut ein Vorgespräch und vor allem ein Nachgespräch mit anbietet. ...und nur, wenn du wirklich das Gefühl hast, dir die Familiengeschichte anschauen zu wollen.

Alles Gute wünsche ich dir und dass du die richtige Unterstützung findest,
Jola
achtsam sein


5

Samstag, 11. Februar 2012, 16:47

Erstmal danke für deine Antwort.

Ja mein Beitrag war womöglich etwas oberflächlich trotz Textfülle: Für mich ist meine Mutter narzisstisch veranlagt. Sie gibt nach außen eine starke Persönlichkeit, die alles unter Kontrolle hat, aber hinter verschlossenen Türen spielt sich etwas anderes ab. Sie hat unsere Familie immer als was besonderes bezeichnet. Wir hätten eine andere Einstellung vorallem sie. Und keiner mag sie, weil sie die Einzigste ja so ehrlich frei raus ist. Sie zieht sozusagen die Fäden, sodass sie bei jedem in einem gutem Licht steht. Sie hatte abwechselnd und stetig mit jedem in unserer Familie Probleme. Und wenn sie gerade Probleme mit dem Einen hatte, geht sie zu dem anderem, holte sich dort ihre gewünschte Zustimmung und Bestätigung und kommt wenn möglich noch mit Geschichten, die den "Feind" in einem schlechten Licht da stehen lassen. Nächste Woche ist der "Feind" wieder der Tollste (weil er sich womöglich unterworfen und entschuldigt hat). Es ist eine ständige Hetzjagd vom einem zum anderen. Zudem empfinde ich sie als ziemlich ausbeuterisch. Sie akzeptiert keine Kritik. Und sollte man ihr auf dem Schlips getreten haben, ist derjenige nach ihrer Meinung zur Entschuldigung gezwungen und strahlt mit Ignoranz. Meine Mutter hat aus ihrer Sicht noch nie Fehler begangen. Mein Vater war immer der Meinung sich entschuldigen zu müssen. Und auch mich bat er nach jedem Streit sich bei ihr zu entschuldigen. Weil sie keine Fehler macht und begeht. Mein Bruder und ich werden grundsätzlich abgewertet, besonders mein Bruder. Er ist derjenige der gerne als Opfer zur Belustigung genutzt wird. Momentan ist er natürlich der Traumsohn schlechthin, weil er meiner Mutter die Stütze ist und sich dabei völlig vergisst. Ich glaube es wird recht deutlich, wie sie sich jedem zum Nutzen macht und wie es nur möglich ist ihr wohlwollen zu bekommen, was man als Kind oder junger Mensch noch anstrebt. Wir haben kein recht mündig zu sein, den wir sind schließlich 20 Jahre jünger und könnten mit ihnen garnicht reden. Wir haben doch keine Erfahrung und bisher noch nichts geleistet, worauf wir stolz sein können?!?!(ähm ja) Und es eskaliert immer wenn man sich gegen sie stellt. Da kommt auch mal ein Backpfeife vor. Sie kommt mit anderen Meinungen und besonders mit gefestigten Persönlichkeiten nicht klar. Vlt. kann man es nicht im vollem Umfange in die Schublade Narzissmus schieben, jedoch stimmt da nach meinem Geschmack definitiv was nicht.

6

Samstag, 11. Februar 2012, 17:33

Kommt mir Alles sehr bekannt vor. :( Herzlich willkommen!

Hier ein Link

Umgang mit narzisstischer Mutter

der dir evtl. Mut macht und dir zeigt, dass du mit diesem Problem nicht alleine da stehst.

Auch die Angst, dass man aufgrund dieser Kindheit eine Störung entwickelt hat und dass man sie evtl. an seine Kinder weitergibt, ist berechtigt.

Der Unterschied zwischen uns und unseren Eltern ist allerdings, dass wir einsichtig sind und uns selbst hinterfragen. Das lässt hoffen, oder? :) Das krankhafte Streben nach Autonomie ist auch eine meiner größten Baustellen.

Mariko

7

Samstag, 11. Februar 2012, 18:13

Willkommen Fay :blume:
Und keiner mag sie, weil sie die Einzigste ja so ehrlich frei raus ist. Sie zieht sozusagen die Fäden, sodass sie bei jedem in einem gutem Licht steht. Sie hatte abwechselnd und stetig mit jedem in unserer Familie Probleme.
Meine Mutter hat aus ihrer Sicht noch nie Fehler begangen.
Wir haben kein recht mündig zu sein, den wir sind schließlich 20 Jahre jünger und könnten mit ihnen garnicht reden.
Es ist, als würdest Du über meine Mutter schreiben...
Es ist nur so schwer standhaft zu bleiben, daher interessiere ich mich sehr für euren Lernprozess und Erfahrungen. Wie ihr aus diesem Kreislauf rausgekommen seit. Vlt. habt ihr ja ein paar Tipps wie man besser damit lebt.
Mir hat das Buch Vergiftete Kindheit von Susan Forward sehr geholfen zu sehen, was in meiner Kindheit schief gelaufen ist.

http://astore.amazon.de/emotionenbnet-21/detail/3442124425
Leben ist Bewegung und ohne Bewegung findet Leben nicht statt.
Moshe Feldenkrais


8

Samstag, 11. Februar 2012, 18:34

Danke für eure Antworten Jola und Mariko :D

Zu Jolas Frage: Wie ich das geschafft hab alles durchzuhalten..? Ich weiß nicht man kennt es nicht anders, nimmt es als gegeben hin. Zudem bekommt man immer den Spruch zu hören: "Familie ist füreinander da" wobei ich mittlerweile eher darin sehe, dass sie uns zurechtrückten, damit wir für sie da sind. Ich hab öfters das Gefühl die Rollen sind bei uns in der Familie vertauscht. Schließlich holen sie sich bei uns Hilfe, Geld, seelische Unterstützung, wir haben wortwörtlich für sie Abruf bereit zu sein (ein kürzlich wortwörtlich gewünschte Forderung meiner Mutter :nene: ) . Die Probleme fingen erst wirklich mit 18 an, erst rebellierte ich wurde wieder zurechtgestützt, ich war zu schwach. Ich glaube alleine wäre ich nicht so einfach oder in diesen jungen Jahren da raus gekommen. Ich lernte vorletztes Jahr meinen Freund kennen. Er selber kennt die Situation durch seine Schwester. Sie hat sogut wie alles auch so erlebt und war auch die Älteste von vier und hatte die selbe Funktion in der Familie. Viele Aussagen meiner Eltern sind identisch mit ihren Erfahrungen. Sie hat sich schlussendlich nur durch Kontaktabbruch daraus retten können. Ich fange jetzt langsam an mich um mich selbst zu sorgen. Dinge zu tun weil ich es möchte, egal ob es Zustimmung findet oder nicht. Und das ist ein befreiendes Gefühl. Ich hab mich mein ganzes Leben in ein Gefängnis gesperrt. So empfinde ich es.

Zu Mariko: Danke für den Link. Der ist gut gefüllt. Werde mich da mal durchforsten. Ich sehe definitv jetzt meine Chance darin, etwas an diesem Kreislauf für mein zukünftiges Leben und meine Familie, die ich hoffe mal haben werde zu durchbrechen. Die Anderen sprich meine Eltern werde ich nicht ändern können. Verstehen werden sie es vlt. niemals. Aber wie gesagt jetzt geht es um mich. Und ich hab hundertprozentig einige dieser ungesunden narzisstischen Aspekte in mir aufgenommen. Und die gilt es zu minimieren. Das erste Mal als ich auf einen Artikel narzistische Persönlichkeitsstörung kam, wurden mir sofort die Augen geöffnet. Mit meinem Therapeuten hatte ich erst kurz vorher geredet. Und das Genialste war die Beschreibung zu Kindern dieser Mütter und ihr Leben in zwischenmenschlichen Personen... haargenau das Problem was ich die ganze Zeit zu meinem Freund empfand und die Beziehung wie ein Schatten umschlich. Ich hab meinen Freund sofort den Link geschickt und das es überhaupt nichts mit ihm zutun hat. Das es einzigst mein Problem ist. Und seither streiten wir uns wg. dem Thema Autonomie und Dominanz sogut wie garnicht mehr. Also Erfolge sind zu verbuchen. :thumbsup:

9

Samstag, 11. Februar 2012, 19:44

Ja mein Beitrag war womöglich etwas oberflächlich trotz Textfülle:
Nein, oberflächlich ist er mir keinesfalls vorgekommen!! Mir fehlte nur der Bezug zur Überschrift und ich konnte es dadurch nicht richtig einordnen...allerdings hatte ich beim Schreiben meines Beitrags Deinen zweiten Beitrag auch noch nicht gelesen :D

Das Verhältnis zu meiner Mutter ist auch alles andere als einfach...dem liegt jedoch ein ganz anderer Sachverhalt zugrunde der hier nicht erörtert werden soll ;) Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, Erkennntisse und einen Weg für Dich, mit der Situation zukünftig gut umgehen zu können!!!



Is the reason you ask me to change so that you stay the same...!?

http://vimeo.com/21294655

10

Samstag, 11. Februar 2012, 22:00

Hi Fay,

stimmt - unsere Eltern können wir nicht mehr ändern. Sie müssten für sich selbst zur Einsicht kommen und da sehe ich - zumindest bei meinen - kein Land in Sicht. Deshalb blieb mir nichts anderes übrig als den Kontakt abzubrechen, um diesen ständigen Abwertungen und diesem ständigen übergriffigen Verhalten ein Ende zu machen. Eine gesunde Abgrenzung war nicht möglich...und Gespräche schon gar nicht.

In Sachen "krankhaftes Streben nach Autonomie" und Nähe- Distanzverhalten. Auch hier sind die Extreme nicht gut. Mit Extremen meine ich entweder die gesamte Schuld an seine Außenwelt abzugeben oder die gesamte Schuld auf sich zu laden.

Mich hat gerade nachdenklich gemacht, dass du deinem Partner/Freund geschrieben hast, dass Alles nur an dir liegt. Das stimmt nicht. Du hast aufgrund deiner Kindheit sicherlich deine Anteile. Er hat sie aber auch. Nicht nur du solltest dir Gedanken machen, wenn bei euch etwas schräg läuft - verstehst du, was ich meine?

Genauso verhält es sich mit Menschen, denen man nach seiner Kindheit begegnet und die einem Hilfe anbieten. Leider sucht man sich häufig unbewusst genau diejenigen aus, die genau nach dem schema der Eltern handeln....also Dankbarkeit in Form von Gehorsam und "ich habe dir geholfen und deshalb hast du jetzt bitteschön nicht aufzumucken und dein Maul zu halten" aus. Man bezahlt dann oft mit einem Preis, der zu hoch ist, um nicht wieder allein gelassen zu werden. :( Das kann es aber doch nicht sein, oder?

Ich werde bei diesem Thema unheimlich wütend...und phasenweise fühle ich mich diesbezüglich völlig ohnmächtig, obwohl ich schon seit ca. 5 Jahren an mir arbeite.

Im Endeffekt strampele ich mich dann doch immer wieder frei, um unabhängig zu sein und niemandem etwas zu "schulden".

Pass auf dich auf! Du bist noch jung und kannst noch viel für dich und deine evtl. zukünftige Familie verändern. :yeah: Ich bin mittlerweile Anfang 40 und meine Einsicht kam erst vor ca. 5 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt waren meine Kids schon 9 und 6 Jahre alt und ich hoffe für sie, dass ich bei ihnen nicht zu viel zerstört habe, weil ich nämlich vor meiner Einsicht ein Mensch war, der jegliche Schuld nach Außen abgab (wieder ein Extrem)...eigentlich wie meine Mutter. :S Bin aber noch zuversichtlich...auch wenn es phasenweise schwer ist.

Zum Thema Kontaktabbruch zu den Eltern:

In eine Familie wird man ohne gefragt zu werden hineingeboren, Freunde allerdings kann man sich aussuchen.

Der Spruch Blut ist dicker als Wasser - für mich mittlerweile Bullshit.

Und.

Du sollst deine Eltern ehren (egal wie scheiße sie sich verhalten). Ein kirchliches Dogma...also auch Bullshit.

Meine Geschwister vermisse ich auch. Leider sind sie noch so sehr in dieses Familiensystem verstrickt, so dass sie eher als Co-Abhängige (sozusagen als Beauftragte meiner Mutter) agieren und mich nicht deshalb kontaktieren, weil sie mich als unabhängigen Menschen schätzen.

LG

Mariko

11

Samstag, 11. Februar 2012, 22:09

Zum Thema Kontaktabbruch zu den Eltern:

In eine Familie wird man ohne gefragt zu werden hineingeboren, Freunde allerdings kann man sich aussuchen.

Der Spruch Blut ist dicker als Wasser - für mich mittlerweile Bullshit.

Und.

Du sollst deine Eltern ehren (egal wie scheiße sie sich verhalten). Ein kirchliches Dogma...also auch Bullshit.
Danke Mariko für diese deutlichen Worte! Schön ist es nicht, wenn man keine andere Möglichkeit sieht, als den Kontakt abzubrechen, um seine Würde zu erhalten. Aber diese ständigen Schuldgefühle, die von diesen co-abhängigen Familiensystemen vermittelt werden, müssen wir uns nicht anziehen. :uschi:
"Bin viel zu müde, um aufzugeben. Wär auch zu früh, weil immer was geht " (aus Herbert Grönemeyer, Der Weg)

12

Sonntag, 12. Februar 2012, 10:09

Guten morgen Allen, besonders Mariko

Zitat

Zitat von Mariko:

In Sachen "krankhaftes Streben nach Autonomie" und Nähe-
Distanzverhalten. Auch hier sind die Extreme nicht gut. Mit Extremen
meine ich entweder die gesamte Schuld an seine Außenwelt abzugeben oder
die gesamte Schuld auf sich zu laden.
Ja ich verstehe was du meinst. Und wahrscheinlich war mein Handeln, die Schuld auf mich zu nehmen nicht richtig (altes Muster). Er löst ja auch aus, dass ich die Autonomie in unserer Beziehung in Frage stelle. Weiß aber nicht, ob das bei einem anderem Partner nicht auch so wäre??? ?( Vermute die Tendenz ist groß, dass ich es vermutlich gleich empfände.

Aber ich kann mittlerweile gut mit dem umgehen, wenn er etwas sagt. Ich konnte die Kritik nicht ertragen, fühlte mich bevormundet. Ich denke, dass wirst du auch kennen. Jedoch höre ich mir, dass nun an und sag mir muss ich mir das zu Herzen nehmen oder nicht. Soll ich es jetzt so machen, wie er es für richtig hält oder nicht? Und wenn mir das nicht entspricht, sag ich einfach: "Ja für dich ist das gut, aber für mich persönlich nicht, ich brauch das nicht". Und mit meiner Meinung kommt er ohne weiteres klar. Er war eh erschocken davon, dass ich so gut wie nie was zu beanstanden hatte. Alles hinnahm wie es kam und damit zufrieden war. Ich hab das immer als Eigenschaft Toleranz benannt, nunmehr denke ich, ich hab kaum Gefühl mehr, was ich will und was mich stört. Kennst du das? Auch "Nein-Sagen" war :schäm: extrem schwer für mich.

Aber ich erlaube es mir jetzt auch wenn ich nach und nach kleine Schritte mache und das tut gut. Nach meinem Geschmack könnte es schneller gehen. :D

13

Sonntag, 12. Februar 2012, 11:54

Hi Fay,

ja - ich kenne das. Ich ertrage Schieflagen oftmals viel zu lang. Fühle ich mich benutzt, kontrolliert, dominiert und manipuliert, dann bin ich mir sehr häufig nicht sicher, ob mit meiner Wahrnehmung etwas nicht stimmt und halte erstmal lieber meinen Mund.

Meistens trügt mich mein Gefühl allerdings nicht. Trotzdem verdränge ich es vorerst. :( Zur Zeit bei mir auch wieder aktuell.

Stimmt - mit Toleranz hat das stillschweigende Ertragen nichts zu tun. Es ist einzig und allein ein Ertragen einer Schieflage, um nicht verlassen zu werden oder um bei niemandem in der Schuld zu stehen.

Ich muss diesbezüglich noch viel lernen! Es ist nicht einfach, sich aus diesen Mustern aus der Kindheit zu befreien.

Dir und euch einen schönen Restsonntag!

Mariko

14

Sonntag, 12. Februar 2012, 13:50

Hallo Fay,

ich schreib auch mal was zu deinem Thema, weil es mich selbst auch betrifft und ich durch das aufschreiben, die Gedanken bei mir auch noch mal besser ordnen kann.
Bei deiner Geschichte scheint es so zu sein, als hätten dich deine Eltern nicht gesehen. Also nicht gesehen als der Mensch, der Du bist. Du wurdest quasi nur als ein "nützliches Werkzeug" oder als eine Art Sklavin ohne eigene Identität wahr genommen. Nicht wer du bist war die Frage, sondern welchen Nutzen deine Eltern aus deiner Existenz ziehen konnten. Ich schreibe es mal so krass, vielleicht stimmt es auch nicht in der Härte. Für mich kommt es aus deiner Beschreibung so rüber.
Jedenfalls konntest du auf die Art und Weise kein Selbstgefühl und keinen gesunden Selbstwert entwickeln. Wenn Liebe und Anerkennung nur kommt, wenn man dem Bild entspricht, was die Eltern von einem haben wollen, dann passt man sich irgendwann an und verliert sich selbst. Das kann bis zum Selbstverrat gehen, wofür man sich dann auch noch schämt.
Wie gesagt, ich habe auch die seelische Wunde des "Nicht gesehen worden seins" und ich bin mir immer noch unsicher ob das, was ich bin etwas wert ist. Ich muss mir das richtiggehend erarbeiten, dafür ein Gefühl zu bekommen. Also, dass ich, einfach ich, als Person, etwas wert bin, eine Existenzberechtigung habe, ohne dass ich mich verbiegen muss oder ganz viel geben muss.
Ich glaube, es ist gut, dass du erst mal auf abstand zu deiner Familie gehst. Wenn Du selbst stabiler bist, dann kann sich das auch wieder ändern, aber vorher wirst du wahrscheinlich immer wieder in Deine zugedachte Rolle rein gezogen.
Hoffentlich hast Du therapeutische Unterstützung.
Ich wünsche Dir viel Kraft für Deinen Weg und vielleicht kannst du dir hier aus dem Forum auch ein bisschen Rückenwind abholen.


15

Sonntag, 12. Februar 2012, 17:52

Also so wie du "tanne"es beschreibst empfinde ich es und das einzusehen, hat ewig gedauert. Um ehrlich zu sein, denke ich mir das erst seit wenigen Monaten. Bei mir kommt dann immer hoch, dass sind doch deine Eltern, so kann man doch nicht denken. Davor hab ich alles immer entschuldigt.

Ich fühle mich auch so emotionslos gegenüber ihnen. Also um meine Geschwister mach ich mir Sorgen. Das es ihnen gut geht ist mir wichtig. Aber bei meinen Eltern??? Ich weiß nicht ich bin so kaltherzig und hab ein riesen Mauer ihnen gegenüber gebaut. Selbst die bedrohliche Erkrankung meines Vaters löst in mir nicht die erwartete Traurigkeit aus, die es sollte. Habt ihr auch so eine Emotionslosigkeit gegenüber euren Eltern und das Gefühl es verbindet euch rein garnichts miteinander innerlich?

Und jetzt wo ich sehe wie mein Bruder in den Himmel gelobt wird, weil er jetzt mein Stelle übernommen hat, bestätigt einfach alles. Vorher ist er das Problemkindnr. 1 was man am liebsten rausschmeißen wollte bzw. schon tat. Nun bin ich weg, jetzt ist er dran. Ich bin jetzt die Böse, deren Meinung. In den letzten Wochen habe ich versucht ihn da irgendwie rauszuholen. Ich konnte da einfach nicht bei zusehen, wie er dabei zerbrach. Er weinte und wurde agressiv. Er meinte Mutter hätte gesagt sie sieht nur noch (-) auf dem Konto. Er unterstützt sie jetzt finanziell und beim Aufpassen und Emotional. Dabei hat er noch einen anstrengenden Job der ihn auch fertig macht und das alles auf einmal. Aber sein Spruch dazu ist:" Mutti ist am Ende ich muss stark sein". Wie gut kenne ich das. Während er sich vertreidigte, weil ich meinte du wirst das nicht schaffen du wirst daran kaputtgehen, sah ich mich in ihm und das machte mich traurig und rasend wütend zu gleich. Um ehrlich zu sein hätte ich ihm gerne ein paar runtergehauen und ich bin alles andere als aggressiv. Er wird das auch nicht so schnell sehen vlt. niemals. Wenn mein Vater wegbricht aus der Familienkonstellation kenne ich seine Rolle gut und wenn er ersetzen wird. Ich hab mich da freiwillig rausmanövriert, die Rolle wollte ich auf keinen Fall auch noch auf dem Rücken haben.

16

Sonntag, 12. Februar 2012, 21:30

Bei mir kommt dann immer hoch, dass sind doch deine Eltern, so kann man doch nicht denken.
Es heisst ja nicht, dass du auf die Liebe in Deiner Familie verzichten musst, die es ja in jeder Familie auch irgendwo gibt, auch wenn alles noch so durcheinander ist. Mir hilft der Gedanke, dass es ein Aussteigen ist aus einem kranken Familienmuster ist und das Niemandem, am wenigsten mir selber damit geholfen ist, in dem Muster drin zu bleiben.
Vielleicht kannst du am meisten für deine Geschwister tun, indem sie sehen, dass Du einen Weg nach draussen findest, dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, aus zu steigen, ohne daran kaputt zu gehen. Die Entscheidung kann letztendlich nur Jeder für sich alleine treffen.
Habt ihr auch so eine Emotionslosigkeit gegenüber euren Eltern und das Gefühl es verbindet euch rein garnichts miteinander innerlich?
Bei mir war das jedenfalls auch so. Ich habe meine Gefühle ganz tief vergraben und bin in die Härte und in die Kälte gegangen. Da fühlte ich mich eine zeitlang wohler.
Der Prozess, wieder Zugang zu meinen Gefühlen zu finden dauert bei immer noch an. da ist sehr viel Schmerz, den ich erst so nach und nach zu lassen kann.
Dass Du jetzt keine liebevollen Gefühle für deine Eltern hegen kannst finde ich absolut nachvollziehbar. Wie soll das denn gehen, nach allem, was war?
Das Beste, was Du für dich tun kannst, ist liebevoll an zu nehmen, was auch immer da bei dir gerade ist. Du darfst dir jetzt selbst eine liebevolle Mama sein.
Du bist nicht für das Leben deiner Eltern oder deiner Geschwister verantwortlich, nur für Dich. Gib dir Zeit!


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