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Können Narzissten lieben?

“Es ist von geringer Bedeutung, ob Sie Milliardär sind oder im Laden an der Ecke arbeiten. Es ist von keinerlei Bedeutung, ob sie gut aussehen, gebildet sind, berühmt oder unbekannt. Worauf es ankommt, ist, ob Sie gelernt haben, wie man liebt.” (Steve Biddulph)

Was ist Liebe? Philosophen, Mystiker, Dichter und Denker aller Jahrhunderte un Kulturen haben darüber nachgedacht, geschrieben, gesungen. Dabei ist reife Liebe, die Basis einer erfüllenden Partnerschaft sein soll, nichts, was einfach vom Himmel fällt oder was uns der Partner liefern kann, wenn er nur der richtige ist. Ade, Traum von der idealen großen Liebe, ade, Traum vom Prinzen auf dem weißen Roß, ade, Traum von der Traumfrau …….

” Gute Beziehungen erfordern Zeit und Mühe, und wer etwas anderes behauptet, der drischt leeres Stroh. Liebe ist Schwerstarbeit. Sie beinhaltet den unaufhörlichen Kampf um Ehrlichkeit und das fortgesetzte Risiko, abgelehnt zu werden. Gewiss, man wird Sie nicht immer mögen, und manchmal wird es recht ungemütlich. Aber Ihre Liebe wird echt sein und die Nähe, die sie aufbauen, unzerstörbar und unvergesslich.” (Steve Biddulph)

Liebe ist Freiheit,. auf die man sich verlassen kann, Nähe die man (auch) erstritten hat, Nähe, die man durch das gemeinsame Lösen von Problemen erreicht hat.

“Ein kühler Kopf und gesunder Menschenverstand, Selbstbeobachtung und -reflexion […], ein gewisses Maß an Weisheit und Humanität. Diese vernünftigen Eigenschaften sind erforderlich, weil das Drama der Liebe nie vernünftig ist, sondern gefährlich und verführerisch, und weil die in unserer individuellen Psyche begründeten romantischen Bilder und Projektionen uns stets von der Realität ablenken und zum Schwärmen verleiten oder in eine innere Phantasiewelt hinab ziehen wollen. Das heißt nicht, man soll Liebe und Leidenschaft ablehnen, im Gegenteil. Es ist vielmehr die Aufgabe von Reife, sie voll auszukosten und so diese einflussreiche Sphäre unseres Lebens mit Herz und Verstand zu begreifen. Wer sich dieser Erfahrung nicht auszusetzen vermag, der hat nicht gelebt. Wer an ihr scheitert, der hat nichts verstanden.” (Marie Louise von Franz)

“Manche Leute glauben, dass […] Glücklichsein eine Art Geschenk sei, das einer dem anderen überbringen kann. Wir müssen wissen, dass es unmöglich ist, einem anderen Menschen zu gehören (denn letztendlich müssen Sie selbst für sich verantwortlich sein – ebenso wie darauf gefasst, allein zu sterben). Wie banal das klingt, wie unerheblich. Doch wie aufschlussreich.” (Stella Bowen)

“Was hoffen wir in den Augen unseres Geliebten zu sehen? Und was sollen unsere Geliebten sehen? Unser ideales Selbst, reflektiert im Spiegel der Liebe? Einen Glorienschein, den wir nicht als den unseren erkennen würden, stünden wir allein da? Lautet die brutale Wahrheit, dass wir in der Liebe nicht einen geliebten Menschen, sondern unser erhöhtes Selbst zu finden hoffen? Narziss fiel in den Teich und ertrank, angezogen von der Schönheit seines Spiegelbildes. Dies war eine angemessene Strafe für seinen Frevel, aus Selbstbezogenheit die ihm angebotene Liebe nicht erkannt zu haben.” (Stella Bowen)

Unreife Liebende (die wir wohl alle einmal waren) wollen also in Wahrheit nicht einen Menschen zum Partner, sondern einen Fan, eine Art Zauberspiegel, der sie perfekt und ohne Makel zeigt.

Drusilla Modjeska schreibt in “The Orchad”: “Wir leben in einer Kultur, die uns täglich animiert, unsere Identität im Spiegel von anderen zu finden, uns erst dann wirklich zu fühlen, wenn wir verliebt sind. Wir leben in einer Kultur, die uns dazu anhält, uns so zu sehen, wie andere uns sehen. […]

In der Folge schreibt sie, dass es trotzdem tatsächlich glückliche Paare gibt. “Paradoxerweise ist dieser Segen jedoch nicht sehr viel anders im Fall jener glücklichen Menschen, die gelernt haben, ein erfülltes Leben ohne Partner, wenngleich nicht unbedingt ohne Beziehungen und Intimität (womit ich nicht zwangsläufig Sex meine), zu führen. Glücklich ist vielleicht der falsche Begriff. Es geht darum, ganz man selbst zu sein.”

Läßt man diese Statements Revue passieren, drängt sich zwangsläufig der Schluß auf, dass wirkliche Narzissten zu echter Liebe nicht fähig sind. Sie stehen sich selbst im Wege, sind im oben beschriebenen Stadium der unreifen Liebe stecken geblieben. Nicht umsonst ist diese Persönlichkeitsstörung nach dem Jüngling Narziss benannt….

Dennoch suchen sie sie aber, haben sie eine unbestimmte Sehnsucht danach und hoffen, dass der nächste Partner die erhoffte Erfüllung bringt, oder der nächste, oder vielleicht der nächste …… Und eilen vom einen zum andern, und die innere Leere wird größer und größer …..

Bleiben sie jedoch in einer Partnerschaft (z.B. weil sie einen Partner mit einer komplementären Störung gefunden haben) führen die mangelnde Empathie, die extreme Ich-Bezogenheit, die Unfähigkeit sich selbst in Frage stellen zu können, zu massiven Problemen. Die Narzissten reagieren oft überempfindlich. Sie rechnen ihre und die Beiträge ihres Partners/Partnerin auf und wirken daher in gewissen Situationen kleinlich. Sie strapazieren mit ihrer Unzuverlässigkeit ihren Partner/ Partnerin. Sie können mit ihrer Kritik sehr verletzend sein. Für ihren Partner/Partnerin ist es schwierig, ihre Gefühlswelt zu verstehen, da sie sich selbst über ihre Gefühle oft nicht im klaren sind. Ihre Prinzipientreue kann es ihnen verunmöglichen, ihrem Partner/Partnerin einen Fehler zu verzeihen, obwohl sie ihn/sie lieben – oder meinen, ihn zu lieben. Sie neigen dazu, egoistisch zu handeln um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Es besteht die Gefahr, dass sie Ihren Partner/Partnerin bevormunden. Es fällt ihnen schwer, offen und ehrlich mit ihrem Partner/Partnerin zu kommunizieren. Tendenziell schenken sie nicht gerne und sind eher geizig. Sie fühlen sich in einer Beziehung unfrei und abhängig. Sie haben (zu) wenig Selbstvertrauen und strahlen es mitunter auch aus. Es besteht die Gefahr, dass sie mit ihrer kritischen Grundhaltung ihren Partner/Partnerin demotivieren und frustrieren. Sie vertrauen ihrem Partner/Partnerin im Grunde genommen nicht. Sie neigen zu einer egoistischen Haltung bei der vor allem ihre eigenen Wünsche im Vordergrund stehen.

Alle diese Probleme können natürlich auch in einer normalen Partnerschaft auftreten, sind in bestimmten Phasen der Reifung und Entwicklung normal. Nicht narzssistische Menschen (im Sinne der definierten Persönlichkeitsstörung) können jedoch reifen. Narzissten können das nicht. Ihnen fehlt im Normalfall die Fähigkeit zur Einsicht, die zu einer Änderung dieses destruktiven Verhaltens führen könnte. Und damit wird eine erfüllende Partnerschaft im Sinne reifer Liebe mit einem Narzissten unmöglich.

Die narzisstische Partnerschaft! (NPS & Co.)

Zitat: DER NARZISST UND DIE PARTNERSCHAFT

Der Narzißt kann sich eine Liebesbeziehung nur so vorstellen, daß einer der Partner seine Bedürfnisse zugunsten des anderen aufgibt. Für ihn ist es nicht vorstellbar, daß man jemanden lieben kann, ohne daß einer auf seine Meinung und Ansprüche verzichten muß, und es ist unvorstellbar, daß man Meinungsverschiedenheiten aufrechterhalten kann, ohne daß dabei die Beziehung kaputt geht. “Für den Narzißten kann eine intensive Liebesbeziehung nur das totale Einswerden, die Verschmelzung, die völlige Konkordanz sein. Eine solche Verschmelzung muß aber für ein derart ungesichertes Selbst eine schwere Bedrohung sein” (Willi, 1975, S. 73). Daher haben Narzißten auch große Angst vor dieser Verschmelzung. Viele Narzißten fühlen sich von Zweierbeziehungen überfordert, wohingegen sie sich in Gruppen sehr wohl fühlen. Oft geht es ihnen auch nur um die Eroberung des Partners als Selbstbestätigung, und die Beziehung wird danach uninteressant.

Zitat: DIE PARTNER VON NARZISSTEN

Während man Narzißten in der Umgangssprache meist als Egoisten bezeichnet, so sind ihre typischen Partner meist altruistisch. Es sind bescheidene Menschen, die es gewohnt sind sich anzupassen und ein schlechtes Selbstwertgefühl haben. Meist sind sie es schon von Kind an gewohnt, entwertet zu werden, und ihnen wurde das Recht auf ein eigenes Selbst abgesprochen.

Sieht man genauer hin, haben sie aber meist Größenphantasien, wegen derer sie sich schämen. Sie versuchen diese Phantasien abzuwehren, da sie glauben, sie hätten keinen Anspruch darauf.

So projizieren sie auf einen idealisierten Partner ihr Ideal-Selbst, um sich mit ihm zu identifizieren und so zu einem eigenen akzeptablen Selbst zu gelangen. In der Liebe leben sie nur für ihren Partner und zeigen die Tendenz, ihn kritik- und bedingungslos zu idealisieren.

Willi nennt solche Menschen Komplementärnarzißten.

“Der Komplementärnarzißt ist im Grunde auch narzißtisch strukturiert, aber mit umgekehrten Vorzeichen. Da, wo der Narzißt nur sich selbst bewundern lassen will, will der Komplementärnarzißt sich ganz für einen anderen aufgeben. Da, wo der Narzißt sein Selbstgefühl erhöhen will, will sein Partner auf ein eigenes Selbst verzichten, um das Selbst eines anderen zu erhöhen, mit dem er sich identifiziert. Da, wo der Narzißt voller Angst vor Verschmelzung mit einer Beziehungsperson ist, hat sein Partner den Wunsch, ganz im anderen aufzugehen” (Willi, 1975, S. 77-78).

Beide haben eine gleich geartete Grundstörung. Beide haben ein ungenügend geformtes, in seiner Abgrenzung zu anderen gefährdetes und als minderwertig empfundenes Selbst. Die Art der Abwehr gegen diesen Mangel ist unterschiedlich: “Der Narzißt versucht sein schlechtes Selbst durch den Partner aufzuwerten, der Komplementärnarzißt dagegen sucht sich ein idealisiertes Selbst bei einem anderen zu entlehnen” (a.a.O, S. 78).

Eine solche Partnerschaft kann ein Narzißt eingehen, ohne sich in seinem Selbst bedroht zu fühlen, da der Partner sich ihm völlig unterordnet. Er wird von seinem Partner uneingeschränkt bewundert und muß auf seine Ansprüche keine Rücksicht nehmen.

Doch in einer längeren Partnerschaft erweist sich dieses scheinbare Gleichgewicht als trügerisch. Die vollkommene Empathie des einen Partners, die jede Regung des Narzißten mitvollzieht, übt gerade durch diese Selbstaufgabe nach einer Weile eine starke Kontrolle aus. Bald wiederholt sich auch eine ähnliche Beziehung, wie die frühere zur Mutter. Das Idealbild engt immer stärker ein.

Dem Narzißten wird immer unerträglicher, daß jemand so sehr in ihn eingedrungen ist, und er versucht sich zu distanzieren, indem er den Partner erniedrigt und verletzt. Der Partner nimmt es hin, mit der Erklärung, daß der Narzißt es im Grunde nicht so meine.

Zitat: DIE NARZISSTISCHE PARTNERWAHL

Der Narzißt versucht einen Partner zu finden, der keine eigenen Ansprüche stellt, ihn bedingungslos verehrt und idealisiert. Außerdem sucht er einen Partner, der alles für ihn aufgibt und nur für ihn lebt. So besteht keine Gefahr, daß er sich für seinen Partner einschränken muß.

Von seiner Motivation her entspricht der Komplementärnarzißt diesen Bedürfnissen. Auf den ersten Blick ergänzen sie sich ideal. Der Narzißt erfährt durch seinen Partner die erforderliche Selbstbestätigung, und der Partner ist glücklich, sich mit dem idealisierten Partner identifizieren zu können. Beide fühlen ihre Art der Abwehr durch den Partner gesichert.

“Der Narzißt glaubt, es könne für ihn keine Gefahr eines Selbstverlustes, einer Verschmelzung oder Fremdbestimmung seines Selbst bestehen, da der Partner sich für ihn aufgibt und ihn idealisiert. Der Komplementärnarzißt sieht keine Gefahr, daß er weiterhin unter Minderwertigkeitsgefühlen wegen unerfüllbarer Größenvorstellungen leiden müsse, weil jetzt der Partner an seiner Stelle diese Ansprüche erfüllen werde”

Zitat: DER BEGINN DES NARZISSTISCHEN PAARKONFLIKTES

Indem sich der Komplementärnarzißt völlig mit seinem idealisierten Partner identifiziert, nagelt er ihn auch auf ein bestimmtes Bild fest. Da der Narzißt so abhängig in seinem Selbstwert von der Bewunderung seines Partners ist, läßt er sich zunehmend von dem Idealbild bestimmen. Er versucht sich zwar von dem Partner abzugrenzen, gerät aber immer mehr unter den Druck der Idealvorstellungen. Er versucht auszubrechen, indem er den Partner erniedrigt. Er kämpft um die Erhaltung seines Selbst, kann sich aber nicht befreien, da er vom Partner ganz durchdrungen ist. Die Schläge gegen den Partner laufen ins Leere, da dieser ihm nichts als Individuum mit eigener Autonomie entgegenzusetzen hat, sondern nur durch ihn lebt.

“Der Interaktionszirkel lautet jetzt für den Narzißten: , und für den Komplementärnarzißten: ” (Willi, 1975, S. 82).

Auch der Komplementärnarzißt ist verzweifelt, da er alles für die Beziehung aufgegeben hat und darauf angewiesen ist, in dem Partner das Ideal-Selbst aufrechtzuerhalten. Daher versucht er in fast wahnhafter Weise, dieses Idealbild immer wieder herzustellen, ohne zu sehen wie der Partner sich fühlt.

Zitat: “DAS THEMA IN DER ORALEN KOLLUSION”

Die sogenannte orale Kollusion ist getragen von der Vorstellung, der eine Partner habe die Funktion der , der andere die des hilflosen . Damit ist die unausgesprochene Annahme verbunden, die Hilfsbereitschaft des einen sei unerschöpflich und erfordere keine Gegenleistung.

Die früheste Mutter-Kind-Beziehung, die orale Phase, ist von dieser Thematik gekennzeichnet. Unbewältigte Schwierigkeiten in dieser Beziehung, sind der Nährboden für die orale Kollusion in der Partnerschaft.

Zitat: DIE ORALE KOLLUSION

Hier treffen Partner aufeinander, die sich auf den ersten Blick idealerweise ergänzen. Der eine möchte in der Beziehung alle sein Bedürfnisse befriedigt wissen und passiv sein. Dabei leidet er unter der Angst, der Partner könnte mit dieser aufopferungsvollen Zuwendung aufhören. Er beansprucht für sich Nachholbedarf, entweder weil er in der Kindheit Frustrationen ausgesetzt war, oder weil er durch Verwöhnung in der frühen Kindheit Anspruch auf Wiederholung zu haben meint. “Die für sich abgelehnten Mutterfunktionen werden in idealisierter Weise in den Partner verlegt, der dem Bild einer spendenden Idealmutter zu entsprechen hat” (Willi, 1975, S. 98).

Der Partner in der anderen Position sucht in einer Beziehung jemanden, den er völlig umsorgen kann. Seine Angst ist die, daß der Partner ihn nicht mehr als Pfleger brauchen könnte. Beide steigern in der Beziehung ihren Selbstwert: Der eine durch die Zuwendung, die er bekommt, der andere durch die selbstlose Pflege, die ihm ein klar definiertes Selbstbild vermittelt.

Beide haben eine orale Fixierung. Bei dem einen ist es eine Progression zu umsorgenden Mutterfunktionen, bei dem anderen Partner eine Regression in die kindliche Bedürftigkeit.

Zitat: DER BEGINN DES BEZIEHUNGSKONFLIKTES

Der Konflikt basiert darauf, daß die verdrängten Konflikte aus der frühen Kindheit wiederkehren. Der umsorgte Partner hat mit immer stärkeren Zweifeln zu kämpfen, ob der Partner der idealisierten Mutterfunktion weiter gerecht werden wird, oder ob er ihn, wie früher seine Mutter, enttäuschen wird. So stellt er dem Partner nun Bewährungsaufgaben, um ihn auf die Probe zu stellen. Außerdem untergräbt das kindlich bedürftige Verhalten auf die Dauer den Selbstwert. Er ist immer der Nehmende und gerät in die Position des Schuldners und hat nichts Gleichwertiges zu bieten. Noch dazu wird ihm bewußt, daß ihm vom Partner keine außer der hilflos-kindlichen Position zugebilligt wird. Er fühlt sich nicht als gleichwertiger Partner angesehen. Da er aber auch selber keine pflegerischen Tätigkeiten übernehmen will, entwickelt er Haßgefühle gegen seinen Partner und versucht ihn mit seiner Gier zu verschlingen.

“Der >Pflegling< regrediert immer mehr auf eine orale Anspruchshaltung, gebärdet sich immer fordernder und unersättlicher und verweigert dem Partner die gerechte Anerkennung für geleistete Dienste, aus Wut über die Schuldnerposition, in die er versetzt worden ist, wie auch aus Angst, dieser könnte bei Dankbarkeitsbezeugungen in seinen Pflegebemühungen nachlassen” (Willi, 1975, S. 99).

Die Aufrechterhaltung der pflegenden Mutterposition ist aus verschiedenen Gründen gefährdet: Die Mutterrolle ist eine Abwehr gegen die Gefahr, selbst in eine abhängige Position zu dem Partner zu geraten. Er fühlt sich aber immer gefährdet, in die kindlich-abhängige Rolle zu verfallen. Diese Gefahr wird dadurch gebannt, daß der Partner in seiner kindlich-abhängigen Position gehalten wird. Er wird dem Partner immer in einer Art und Weise helfen, die ihn noch abhängiger und hilfsbedürftiger macht.

Der pflegebedürftige Partner reagiert auf dieses Verhalten auf die Dauer mit Angst vor totaler Abhängigkeit und vor Enttäuschungen: Er reagiert darauf, indem er den Dank für die Hilfeleistungen versagt, was die einzige Bedürfnisbefriedigung, die sich der pflegende Partner gönnt, darstellt. Dieser beginnt seinerseits mit Klagen und Vorwürfen – was er alles für den Partner getan hat – und versagt die Hilfeleistung. Mit dem Anspruch auf Lob und Anerkennung ist der pflegende Partner genauso maßlos wie der gierig Zuwendung fordernde Partner. Er stellt immer maßlosere Forderungen an die Dankbarkeit des Partners, bis irgendwann der erwartete Undank folgt.

“Das ganze ursprünglich so verheißungsvolle Abwehrarrangement scheitert daran, daß aus dem individuellen Hintergrund bei jedem Partner ausgerechnet dasjenige Verhalten resultiert, das – statt wie zu Beginn die Abwehr zu sichern – diese gerade untergräbt” (a.a.O., S. 101).

Beide suchen die Schuld beim anderen. Der Pflegebedürftige sieht sich als so unersättlich, daß er den Partner als abweisend und vorwurfsvoll empfindet, der Pflegende sieht sein vorwurfsvolles Verhalten als Resultat der Unersättlichkeit und Undankbarkeit des Partners.