Persönlichkeitsstörung

Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

Als Persönlichkeitsstörungen bezeichnet man in der Psychiatrie und Klinischen Psychologie verschiedene überdauernde Erlebens- und Verhaltensmuster, die von einem flexiblen, situationsangemessenen (“normalen”) Erleben und Verhalten in jeweils charakteristischer Weise abweichen. Sie sind durch relativ starre mentale Reaktionen und Verhaltensformen gekennzeichnet, vor allem in Situationen, die für die jeweilige Person konflikthaft sind. Die persönliche und soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit ist meistens beeinträchtigt.

Persönlichkeitsstörungen werden nach charakteristischen Merkmalen unterteilt, wobei jedoch häufig Überschneidungen vorkommen. In der Psychiatrie und Klinischen Psychologie wurden verschiedene Typologien bzw. Klassifikationssysteme entwickelt, wie  ICD-10 und DSM-IV.

Ursachen

Es existiert derzeit keine einheitliche Vorstellung über die Ursachen bzw. die Entstehung von Persönlichkeitsstörungen. Die Entwicklung der gesunden und gestörten Persönlichkeit wird als Ergebnis komplexer Wechselwirkungen aus Umwelt- und Anlagefaktoren gesehen.

Die verschiedenen Erklärungsansätze der Psychologie bewerten einzelne Aspekte stärker als andere, ergänzen sich jedoch im Großen und Ganzen. Aus Sicht der Tiefenpsychologie werden Störungen in der kindlichen Entwicklung als ursächlich oder begünstigend für die Ausbildung von Persönlichkeitsstörungen angenommen. Beispielsweise werden ein dysfunktionales soziales Umfeld und eventuelle traumatische Erlebnisse als belastende Faktoren angesehen. Die klassische Psychoanalyse wertet die Prozesse der Identitätsentwicklung stärker. Lerntheoretische Ansätze betonen, dass Persönlichkeitsstörungen im Kern ein gelerntes Verhalten darstellen. Prinzipien des operanten Konditionierens (Beeinflussen durch positive bzw. negative Verstärkung) sowie des Modell-Lernens (Lernen am Beispiel) führen demnach dazu, dass bereits angelegte Verhaltensgrundlagen verstärkt werden.

Behandlung

Die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen erfolgt in erster Linie mit psychotherapeutischen Verfahren, am häufigsten mit psychoanalytischer, interpersoneller (nach Lorna S. Benjamin) kognitiver (nach Aaron T. Beck oder Marsha M. Linehan) und verhaltenstherapeutischer Ausrichtung. Therapien dauern oft viele Jahre, stellen große Ansprüche an die Therapeuten und sind häufig nicht erfolgreich. Bei manchen Typen ist Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten vorhanden (z. B. Borderline-PS), bei anderen die Tendenz zu Drogenmissbrauch (z. B. Narzisstische PS) oder Delinquenz und Gewalttätigkeit. All diese Faktoren erschweren die therapeutische Arbeit. In einer Metastudie konnte eine bessere Wirkung der Psychodynamischen Psychotherapie gegenüber der kognitiv, behavioralen Therapie gefunden werden. Allerdings lassen die Ergebnisse nur schlecht einen direkten Vergleich zu.

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