Wege aus der Abhängigkeit


Abgelegt unter: Buchrezensionen 

Destruktive Beziehungen überwinden
Wege aus ***krankhafter*** Abhängigkeit
Extreme emotionale Abhängigkeit ist eine weit verbreitete Persönlichkeitsstörung. Heinz-Peter Röhr zeigt, wie man sich von ihr befreien kann.

Beschreibung/Klappentext
“Ich kann nicht nein sagen; ich kann nicht alleine sein; wenn ich in einer Beziehung lebe, ist es, als ob meine eigene Welt verschwindet” – so beschreiben Betroffene Beziehungsmuster krankhafter Abhängigkeit. Wie kommt es zu dieser Persönlichkeitsstörung, die wesentlich weiter verbreitet ist als selbst Experten bisher annahmen und oft zu Suchtverhalten, psychosomatischen Erkrankungen oder Depressionen führt? Anhand des Grimmschen Märchens “Die Gänsemagd” zeigt Hans-Peter Röhr, wie krankhafte Abhängigkeit entsteht und welche charakteristischen Formen und Spielarten sie annehmen kann. Einfühlsam erklärt er, wie gerade emotionaler Missbrauch in der Familie – im Märchen die Fixierung der Mutter auf die schöne Tochter – zur massiven Schädigung des Selbstwertgefühls führt. Dass und wie Befreiung daraus dennoch gelingen kann, führt der Autor am Entwicklungsweg der Königstochter auf eindrückliche Weise vor.

Vorwort (aus dem Buch)

Emotionale Abhängigkeit gibt es in Form von absoluter Hörigkeit bis hin zu Formen, die das Leben nicht beeinträchtigen, sondern beglücken. Abhängigkeit ist also vielfach etwas Positives. Wer sich verliebt, macht sich abhängig davon, ob seine Gefühle erwidert werden. Wenn nicht, stürzt der Verliebte in tiefen Schmerz. Sich auf eine Partnerbeziehung wirklich einzulassen bedeutet auch, sich abhängig zu machen. Man wird verletzbar, begibt sich in die Hand eines anderen, und so heißt es denn auch, dass man sich “traut”.

Sich tief und bewusst auf eine Beziehung einlassen zu können setzt voraus, dass eine gewisse Eigenständigkeit und emotionale Unabhängigkeit erreicht wurden. Nur jemand, der sein Leben auch allein meistern kann, ist in der Lage, sich auf konstruktive Weise abhängig zu machen. Man könnte auch von der Kunst, sich abhängig zu machen sprechen; dies bedeutet, sich abhängig machen – und gleichzeitig unabhängig bleiben. Sich bewusst auf einen anderen Menschen einlassen können heißt eben nicht, sich ihm unterwerfen oder ihn dominieren müssen.

Viele Beziehungen sind von Machtkämpfen zwischen den Partnern bestimmt, bei denen (unbewusst) ungelöste Probleme aus der Kindheit bearbeitet werden. Gerade die Unfähigkeit sich positiv abhängig machen zu können, führt zu emotionalen Störungen, psychosomatischen Erkrankungen, Hörigkeit oder auch in eine Suchterkrankung. Häufig wird Abhängigkeit mit Liebe verwechselt. Sich zu einem anderen Menschen hingezogen fühlen, ihn nicht loslassen können bedeutet jedoch nicht unweigerlich, dass man ihn liebt.

Sowohl in der Literatur als auch in zahllosen Filmen wird die Problematik der abhängigen Persönlichkeit aufgegriffen. Hörigkeit und destruktive Abhängigkeiten sind oft der Stoff für Nervenkitzel. Als ein berühmtes Beispiel mag der Film Psycho von Alfred Hitchcock dienen. Jeder kämpft im Alltag mehr oder weniger mit Abhängigkeiten, und so spricht das Thema viele an, weil fast jeder bei sich selbst oder bei Menschen in seiner näheren Umgebung negative Abhängigkeiten beobachten kann.

Viele Erwachsene sind von ihrer emotionalen Entwicklung her Kinder. Dies kann auch auf sonst intelligente Menschen wie hoch gestellte Wissenschaftler, Wirtschaftsmanager und Politiker zutreffen, nicht selten mit äußerst negativen Konsequenzen.

Menschen kommen in Beratung oder Therapie, weil sie unter emotionalen Problemen leiden. Oft ist der Hintergrund eine Abhängigkeitsproblematik, die nicht immer bewusst sein muss. Wenn abhängige Muster das Leben umfassend und dauerhaft bestimmen, ist die Rede von einer (dependenten) abhängigen Persönlichkeitsstörung. Dies betrifft besonders viele suchtkranke Patienten, aber auch solche mit psychosomatischen Erkrankungen, Angststörungen oder depressiven Erscheinungsbildern. Destruktive Abhängigkeit ist ein extrem verbreitetes Problem in unserer Gesellschaft, das voraussichtlich weiter zunehmen wird. Emotionale Störungen nehmen zurzeit ebenso zu wie Suchterkrankungen. Eltern wie Heranwachsenden fällt es zunehmend schwerer, den Ablösungsprozess aus der Herkunftsfamilie sicher zu vollziehen. Dabei spielen Schuldgefühle, Verwöhnung, falsch verstandene Hilfe und emotionale Bedürftigkeit eine entscheidende Rolle.

In der Fachöffentlichkeit wird das Problem des emotionalen Missbrauchs in der Familie viel zu wenig berücksichtigt, obwohl gerade dies die Ursache für destruktive Abhängigkeiten ist.

Die abhängige Persönlichkeitsstörung spiegelt sich in dem Grimm’schen Märchen Die Gänsemagd. Es bietet sich daher als Projektionsfläche für die Bearbeitung der Störung an. Im Vordergrund steht nicht die tiefenpsychologische Deutung des Märchens, sondern die Beschreibung der Persönlichkeitsstörung. So lassen sich Genese, Erscheinungsbild, Verlauf, besonders aber Lösungsmöglichkeiten auf eingängige Weise darstellen. Zahlreiche Fallbeispiele tragen zur Verdeutlichung bei.

In meinem Buch Narzissmus – das innere Gefängnis hilft das Grimm’sche Märchen Der Eisenofen, die narzisstische Persönlichkeitsstörung zu verstehen und Wege zu erkennen, wie Betroffene Heilung finden. Beide Märchen, Die Gänsemagd und Der Eisenofen ergänzen sich auf wunderbare Weise. Die Störungen, die sie spiegeln, stehen sich auch aus fachlicher Sicht gegenüber. Erstaunlich ist, dass das Symbol des Eisenofens in beiden Märchen eine entscheidende Rolle spielt. Im Märchen Der Eisenofen muss der eingesperrte Königssohn den Eisenofen, um erlöst zu werden, unbedingt verlassen. Die Gänsemagd muss unbedingt in den Eisenofen, damit der entscheidende Transformationsprozess stattfinden kann.

Dieses Buch ist wie alle meine Bücher ein Beitrag zur Bibliotherapie. Der erste Schritt in der Psychotherapie sollte immer das Verstehen der Störung sein. Der oder die Patient/in sollte Expert/e/in seiner/ihrer Schwierigkeiten werden. Dazu will Bibliotherapie in erster Linie beitragen. In schweren Fällen wird es weiterer therapeutischer Verfahren bedürfen, um Linderung zu erreichen. Einige werden hier aufgegriffen.

Das Problem der emotionalen Abhängigkeit ist Jahrtausende alt. Selbstverständlich wird hier nicht der Anspruch erhoben, dieses extrem vielschichtige Problem umfassend zu behandeln. Die geschilderte Dynamik der Abhängigkeiten und der damit verbundenen Schwierigkeiten begegnete mir in der psychotherapeutischen Praxis immer wieder.

Danken möchte ich allen, die zum Gelingen dieses Buches beigetragen haben. Vor allem schulde ich meinen Patienten Dank, da sie mir immer wieder die besten Lehrmeister sind. Meinem Sohn Frank danke ich herzlich für seine originellen Ideen bei der Durchsicht des Manuskripts. Maßgeblichen Anteil an der Entstehung dieses Buches hatte wieder meine liebe Frau Annemie, ohne sie wäre es nie geschrieben worden.

Bad Fredeburg, im April 2003

ODER

Der Autor bereitet das Problem der Abhängigkeit mit dem Märchen “Die Gänsemagd” auf.
Schon nach den ersten Seiten ist man von dem flüssig geschriebenen Inhalt des Buches gefangen und überlegt bald , ist man selber Gänsemagd, alte Königin oder Kammerzofe.
Das Buch ist für alle jene Männer und Frauen empfehlenswert, die in unbefriedigenden Beziehungen jeglicher Art leben z.B.: Mutter-Tochter, Mutter-Sohn, Vater-Sohn, Mann-Frau, Untergebener- Chef,…..Alter egal.
Das Buch trägt in erster Linie zur Bewusstmachung des Abhängigkeitsproblems bei. Auch die Heilung wird intenviv besprochen.Mich hat das Buch sehr hellhörig gemacht, aber auch sehr aufgewühlt.

Direkt bei Amazon bestellen und Narzissmus.NET unterstützen!

Comments

Comments are closed.