Schuld und Verantwortung in der narzisstischen Beziehung!

Übersetzt aus “Malignant Self Love” von Sam Vaknin.

Selbstbestrafung ist charakteristisch für die, die gewählt haben (und es ist eine Wahl!) mit einem Narzissten zu leben.

Konstante Schuldgefühle, Selbstunterdrückung und folglich Selbstbestrafung typifizieren die Beziehungen die zwischen einem sadistisch-narzisstischen und einem masochistisch-abhängigen Partner, dem Kind oder Ehegatten bestehen.

Warum ist der Narzisst sadistisch?

Der Narzisst ist sadistisch, weil er gezwungen wurde, seine eigene Schuld und Selbstbestrafung, seine Selbstvorwürfe auf diese Art auszudrücken:

Es ist sein “Superego“, welches unberechenbar, kapriziös, launisch, widersprüchlich, grausam, verurteilend ist. Und dabei ist es doch so makellos?

Bestimmte interne Eigenschaften zu “externalisieren” ist eine Möglichkeit, innere Konflikte und Ängste zu vermeiden, die natürlich durch die innere Aufruhr erzeugt werden.

Der Narzisst projeziert seinen “inneren Bürgerkrieg” und zieht jeden um sich herum in einen Strudel der Verbitterung, des Misstrauens, der Aggression und des Selbstmitleides.

Die Beziehungen des Narzissten sind die Spiegelung seiner inneren psychologischen Landschaft: Er fühlt sich verdammt dazu, anderen anzutun, was er sich innen drin selber antut. Die äusseren Konflikte spiegeln seinen inneren Kampf wieder.

Einige Narzissten sind subtiler als andere. Sie tarnen ihren Sadismus:

Sie “erziehen” ihre Partner und Angehörige ( zum Wohle der Zukunft, wie sie es präsentieren). Diese “Erziehung” ist kompulsiv, besessen, besitzergreifend, überkritisch, scharf, gewaltsam und streng.

Der Effekt diese “Erziehung” ist, dass das Subjekt der erzieherischen Massnahmen ausgewaschen, ausgeätzt wird. Es wird kontrolliert, paralysiert und gedemütigt.

Emotionale Abhängigkeit durch Verinnerlichung der Kritik

Vor allem aber erzeugt diese Art der “Erziehung” eines:
Emotionale Abhängigkeit des Partners vom Narzissten.

Das Subjekt verinnerlicht die endlosen Predigungen und die scharfe Kritik und macht sie sich zu eigen.
Die Partnerin beginnt also Gerechtigkeit zu erkennen da, wo lediglich verdrehte Logik ist, die auf brüchigen Annehmungen basiert. Sie beginnt sich selber zu bestrafen, sie fühlt sich schlecht, wertlos und schuldig.

Sie beginnt, ihre eigene Identität, die durch die scharfe Kritik des Narzissten immer mehr ausgehöhlt und entwertet wurde ( erst von ihm und dann von ihr selber ) aufzugeben. Sie hält nichts mehr von sich selber und hat nichts mehr zu verlieren, denn von ihr ist nichts mehr übrig, was es wert wäre, behalten zu werden. Die Suggestionen des Narzissten, mal früher manchmal erst nach Jahren, haben sie ausgehöhlt und umprogrammiert.

In der emotionalen Abhängigkeit gefangen, bleibt ihr nichts mehr als der Narzisst, an den sie sich klammert, und sie wird alles tun, um ihn nicht zu verlieren. In der Hoffnung, dass die grausamen Qualen aufhören werden, versucht sie ihm nun, jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

Das ganze läuft ab wie ein Überlebenskampf von ihrer Seite und sie ist deshalb bereit, alles, aber auch alles aufzugeben, nur um ihn nicht zu verlieren.

Andere Narzissten sind weniger weltmännisch und sie benutzen alle Arten des Missbrauchs, um ihre Kinder und Partner zu domestizieren.

Das geht von physischer über verbale Gewalt (bei intensiven Wutanfällen)bis hin zu psychologischem Missbrauch, sexuellem Missbrauch, brutalster “Ehrlichkeit” , krankem Sinn für Humor und so weiter.

Beide Arten von Narzissten benutzen aber sehr simple und einfache Verhaltensweisen, die irreführend für die Angehörigen sind, um ihre Ziele zu erreichen.

Gibt es einen Plan?

Eine Sache muss klar gestellt werden:

Es gibt keinen Plan!
Es gibt auch keine “im Voraus geplante Kampagne” oder dergleichen!

Das Benehmen des Narzissten ist diktiert von Zwängen, die er selber nicht im Griff hat. Meistens ist er sich noch nicht einmal darüber bewusst, warum er tut, was er tut.

Wenn er es manchmal doch ist, kann er gar nicht beschreiben, wie das passiert ist.. Sogar wenn er es kann, fühlt er sich machtlos, sich anders zu verhalten.

Der innere Widerspruch

Der Narzisst ist eine Spielfigur auf einem Schachbrett, welches zwischen seinen brüchigen Strukturen der fragmentierten Persönlichkeit gespielt wird!

Somit ist der Narzisst auch nicht ” schuldig ” im klassischen juristischen Sinne. Er ist nicht voll verantwortlich dafür oder sich darüber im Klaren, was er anderen eigentlich antut
Diese Aussage scheint einer anderen zu widersprechen, die ich an anderer Stelle machte:

Ein Narzisst weiss richtig und falsch zu unterscheiden. Er ist perfekt angepasst an die zu erwartenden Resultate seiner Handlungen und ihren Einfluss auf die menschliche Umgebung.

Der Narzisst ist sehr scharfsinnig und sensibel gegenüber den feinsten Nuancen. Er hat keine andere Wahl: die ganze Integrität seiner Persönlichkeit hängt vom Input der anderen ab.

Eine Person, die an NPS leidet, wird offiziell der gleichen moralischen Beurteilung wie der Rest von uns ausgesetzt und noch nicht einmal die Gerichte sehen NPS als “mildernde Umstände ” an. Warum sollten wir?

Dennoch ist der Widerspruch offensichtlich! Der Narzisst ist perfekt dazu in der Lage, richtig von falsch zu unterscheiden. Er ist auch perfekt dazu in der Lage, die Konsequenzen seiner Handlungen vorherzusagen.

In diesem Sinne sollte der Narzisst dann aber doch zur Verantwortung gezogen werden können für den emotionalen Raub und die Taten, die er begeht.

Um es schärfer zu formulieren:

Der Narzisst ist unfähig, die Frage zu beantworten:

” Warum? “

” Warum hast du das getan?”

Die Entscheidung, etwas zu tun wird unterbewusst getroffen!

Doch sobald der Kurs der Handlung unterbewusst ( und bei dem Narzissten ist unterbewusst vieles nicht in Ordnung ) getroffen ist, hat der Narzisst eine hervorragende Art zu begreifen, was er tut, wie er es tut und was der Preis ist, den andere dafür bezahlen oder auch nicht.

Dann kann er sich auch dem inneren unterbewussten Impuls, etwas zu tun, widersetzen.

Folglich: In einem Sinne ist er unschuldig, im anderen wiederum total verantwortlich für sein Handeln.

Die Verwechslung von Verantwortung und Schuld

Der Narzisst verwechselt oft Verantwortung und Schuld: Die Konzepte dieser beiden Begriffe sind so ähnlich, dass er die Unterscheidungen nur verschwommen erkennt.

Er attributiert verantwortungsvollen Positionen mit “Schuld”. Deswegen tendiert der Narzisst dazu, das Leben mit einem Gerichtssaal zu verwechseln. Eigentlich empfindet er den Gerichtssaal selber als Bestrafung und wenn das Leben ein Gerichtssaal ist und dieser wiederum Schuld und Strafe bedeutet, dann ist das ganze Leben eine Frage nach ewiger Bestrafung. Und deshalb hat er den Drang, auf der Hut zu sein: ein Fehler und er ist schuldig.

Versagen zum Beispiel, indiziert beim Narzissten “Schuld”.

Und der Narzisst bezeichnet gerne die Anstrengungen des anderen als Versagen oder Schuld ( die von ihm gerne mit Verantwortung verwechselt wird.)

Deswegen schiebt der Narzisst gerne die Verantwortung zum Gegenüber, so dass er selber nicht bestraft werden kann.

Dadurch maximiert sich natürlich das Potential des anderen zu versagen oder schuldig zu sein, erheblich.

Diese Logik verläuft in zwei Stufen:

Erst wird alle zusätzliche Verantwortung an den Partner abgegeben, denn Verantwortung ist aus der Sicht des Narzissten dazu bestimmt, Versagen herbeizuführen und dies bedeutet: Schuld.

Die ganze Verantwortung und Schuld wiederum, das ganze Versagen verursacht beim Opfer Schuldgefühle und Minderwertigkeitsgefühle und führt zu der “unterbewussten Bereitschaft zur Selbstbestrafung”.

Zweitens: Immer mehr Verantwortlichkeiten werden auf den Partner abgewälzt so dass mit der Zeit eine totale Asymmetrie bezüglich der Verantwortung und Schuld entsteht.

Mit immer weniger Pflichten und Verantwortlichkeiten belastet, kann der Narzisst weniger versagen und schuldig sein.

Es bewahrt den Narzissten davor, seine eigene fehlerlose Grossartigkeit in Frage zu stellen und legalisiert gleichzeitig die sadistischen Handungen, um den schuldigen Partner zu bestrafen.

Das Opfer

Der Partner ist also “schuldig”.

Doch solch eine folie-a-deux könnte niemals stattfinden ohne die volle Kooperation mit einem freiwilligen, unterwürfigen Opfer.

Diese wiederum haben den unterbewussten Wunsch oder zumindest die Bereitschaft, bestraft zu werden. Ausgesaugt zu werden. Gedemütigt und gequält zu werden, denn sie fühlen sich ja “schuldig“.

Häufig wurden diese Schuldgefühle ihnen schon in frühester Kindheit vom Elternhaus eingeredet.

Sie wollen ausgeätzt werden, verschwinden durch konstant beissende Kritik, scharfe Vergleiche, Demütigungen. Sie fühlen sich unterbewusst so schuldig, dass sie fertig gemacht werden wollen, dass sie sich vernichten lassen wollen!

Diese “Prozedur des Ausätzens” macht sie nämlich endlich “rein”, “heilig” , “ganz” –
“Jesuslike”. Es nimmt ihnen die schwere Last der ´”Schuld”.

Viele der “Opfer”, die ihre Situation realisieren ( und diese ist von “innen” sehr hart zu erkennen, wenn man im System steckt ) verlassen den Narzissten und nehmen die Beziehung im wahrsten Sinne des Wortes auseinander: Analytisch und im Leben.

Andere bevorzugen es, an die “heilende Macht der Liebe” oder solchen Unsinn zu glauben.

Es ist einfach Unsinn, nicht weil Liebe keine therapeutische Macht hätte – sie ist im Gegenteil die machtvollste “Waffe” im Heilungslager, sondern es ist einfach Unsinn, weil sie an eine menschliche Hülle verschwendet wird!

Ein uneinsichtiger Narzisst im Reinformat ist unfähig zu lieben.
Sein emotionaler Apparat ist ruiniert worden in all den Jahren der Deprivation und des Missbrauchs, dem er ausgesetzt war.

Unvergleichlich begabt ist er hingegen darin, menschliche Gefühle zu simulieren. Er ist überzeugend und extrem erfolgreich darin, wenn es darum geht, einen Menschen, an dem er interessiert ist, um den Finger zu wickeln. Er kann die tiefsten Gefühle täuschend echt vorspielen, wenn er es wählt.

Die unterbewusste Verabredung:

Es ist eine Verabredung und eine Kollusion von Opfer und Täter. Eine Kollaboration von zwei enorm bedürftigen Menschen, die ihre Versorgung in den Deviationen des anderen finden.

Doch nur durch Aufgabe des Spieles, verlassen des Spielplatzes, durch Ignorieren der Regeln kann das Opfer transformiert werden in einen Menschen mit einem tiefen Selbstwertgefühl und einem echten Selbstbewusstsein. Und übrigens auch eine neugefundene Wertschätzung für den Narzissten empfinden.

Auch der Narzisst profitiert von diesem Schritt: Er wird vor ein Problem gestellt, mit dem er alleine fertig werden muss. Er bekommt einen Grund mehr, sein Verhalten zu hinterfragen.

Allerdings: Beide, weder der Narzisst noch der Partner, denken an den anderen. In dem makabren Tanz gefangen, folgen sie erschöpft, nur mit dem Gedanken zu überleben, ihrem eigenen Überleben beschäftigt, den Bewegungen des anderen.

Mit einem Narzissten zu leben, ist oft vergleichbar damit , im Hochsicherheitsgefängnis zu leben: Es ist strapazierend.

Und nach der Beziehung?

Der Partner sollte sich auf keinen Fall schuldig fühlen! Ebenso wenig wie er sich verantwortlich fühlen darf, den Narzissten zu retten und zu heilen!

Der Partner kann sich nicht verantwortlich dafür fühlen, was nur die Zeit (noch nicht einmal Therapie!) und schwierige Lebensumstände bei Narzissten ändern können:

Dass er bereit ist, sich zu ändern!

Der Partner sollte auch nicht danach trachten, dem Narzissten zu gefallen oder seinen Hunger nach Anerkennung zu stillen. Er sollte kein hartes Leben in Kauf nehmen in der Superposition von Angst und Schrecken.

Der Partner muss sich von den Ketten der Schuld befreien!

Die schweren Ketten der Wirren und manchmal einem Todeskampf gleichenden, hinderlichen, schwächenden Beziehung von sich zu nehmen, das ist die beste Hilfe, die ein liebevoller Partner, der ehemals mit einem Narzissten zusammen war, seinem neuen Partner bieten kann.

Quelle:

Malignant Self Love, Sam Vaknin

abzurufen im Netz unter:

http://www.mental-health-matters.com/articles/article.php?artID=95

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